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Der Israelit · 1876-06-28 · Heft 26 (28.6.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 26 (28.6.1876)
Date
1876-06-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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606 d. I.) unterrichtet. Nunmehr hat die königliche Regierung zu Oppeln die Bestätigung dieser Einrichtung versagt; sie hat den jüdischen Lehrern aufgegeben an allen Schultagen den lehrplanmäßigen Unterricht zu ertheilen, event. für eigene Kosten genügende Vertretung zu beschaffen und eine Berücksichtigung des Sonnabends und der Feiertage nur in soweit gestattet als dies in Schulanstalten mit christlich-simultanem Charakter zu geschehen pflegt. Wir werden uns natürlich bei dieser Entscheidung nicht beruhigen, hoffen auch zuversichtlich, daß der hiesige Magistrat die Angelegenheit in die Hand nehmen werde. Ich sehe mich indeß veranlaßt, diesen Vorgang zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, um Gemeindevorstände und jüdische Stadtverordneten zu warnen, nicht eher der Einrichtung der jüdischen Volksschule in eine zu gründende Simultanschule zuzustimmen, bis sowohl von Seiten der städtischen Behörden, wie der Regienung genügende schriftliche Garantien für die Wahrung aller religiösen Interessen in der Schule geboten sind. Dr. Jacob Cohn, Rabbiner. Wreschert, 6. Juni. Ein eigenthümlich aufregender Vorfall setzte gestern unsere hiesige Gemeinde in große Aufregung. Der hiesige Kreis - und Loealschulinspector Dr. Hippauf war mit unfern Herrn Rabbiner Dr. Holländer in einen schweren Conflict gerathen, bei welcher Gelegenheit sich der Erstere sogar zu Thätlichkeiten hatte Hinreißen lassen. Der Hergang der Sache war folgender: Seit etwa drei Viertel Jahren besteht hier eine aus der Vereinigung der hiesigen jüdischen und evangelischen Schulgemeinde hervorgegangene Simultanschule. Bei dieser Vereinigung war stipulirt worden, daß außerhalb der Schulzeit in den Klassenzimmern von unserm Herrn Rabbiner und den beiden jüdischen Lehrern der Schule der jüdische Religionsunterricht ertheilt werden könnte, welcher früher im Locale der jüdischen Elementarschule gegeben worden war. Dieser Religionsunterricht wurde sowohl am Sonntage, wie an den übrigen Tagen der Woche ertheilt. Bei der Vereinigung der Schulen war es den Bemühungen unseres Herrn Rabbiners nach manchen Kämpfen gelungen, daß man statutarisch festsetzte, die jüdischen Schüler und Lehrer seien vom Unterrichte am Sonnabend dispensirt. Die hierdurch nun mehr als die Hälfte reducirten Klassen sollten am Sonnabend combinirt in Religion und Kirchengesang unterrichtet werden, und dem entsprechend sollte am Sonntage ein ähnlicher Unter-! richt für die jüdischen Schüler stattfinden, ein Modus, nach welchem auch der Lehrplan mehrerer neuerrichteter Simultanschulen, beispielsweise, in Kattowitz festgesetzt wurde. Aus Allem ging hervor, daß an den christlichen Sonn- und Feiertagen in den Klassen der jüdische Religionsunterricht stattfinden konnte. Plötzlich fiel es dem hiesigen Kreis- und Loealschulinspector ein, daß es doch wohl eine Entweihung des christlichen Pfingstfestes sei, wenn in den ihm unterstellten Schulräumen jüdische Religion gelehrt werde. Er wies deshalb den Castellan an, das Schullvcal am Pfingsten geschlossen zu halten. Als nun der Herr Rabbiner und die beiden Lehrer sich in das Schullocal begeben wollten, fanden sie verschlossene Thüren. Durch den Vorsteher der Gemeinde, zugleich Mitglied des Schulvorstandes, Hr. H. Ehrenfried, wurden hierauf dem Castellan die Schlüssel abgenommen, die Schulzimmer geöffnet, und der Unterricht sollte beginnen. Da stürmte Herr Kreisinspector Hippauf in das Schullocal, schrie und tobte, befahl den Lehrern den Unterricht einzustellen und den Kindern nach Hause zu gehen. Die Lehrer folgten den heftig ausgestoßenen Befehlen, aus Furcht vor dem Wirken des Dr Hippauf. Sein Toben und Lärmen setzte derselbe nun auch gegenüber dem Rabbiner fort, und wollte auch dessen Schüler auseinandertreiben. Hier mußte er jedoch die Segel streichen. Allem Geschrei und Toben setzte Dr. Holländer die gemessene Anweisung an die Kinder gegenüber, auf ihren Plätzen zu verbleiben, da der Unterricht sofort beginnen werde. Von Wuth übermannt, packte der Kreisschulinspector den Rabbiner am Arm, um ihn aus der Klasse zu zerren. Doch einen Augenblick später — und Dr. Hippauf befand sich unfreiwilligerweise auf dem Hausflur. Wüthend eilte derselbe auf das Polizei-Amt, und kehrte bald in Begleitung des Bürgermeisters zurück. Auch dieser konnte natürlich nichts gegen das gute Recht und die ruhige Energie des Herrn Rabbiners ausrichten, und so gingen Beide, und der Unterricht ward ungestört fortgesetzt. In allen, auch den christlichen Kreisen der Stadt herrscht die größte Erbitterung gegen den Excedenten. Der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde, ebenso wie sämmtliche jüdische Mitglieder der Schulgemeinde richteten sofort ihre Beschwerden an die Königliche Regierung in Posen. Der Herr Rabbiner selbst hat der hiesigen Staatsanwaltschaft die Klage gegen den Kreisschulinspector eingereicht. (Isr. Wochenschr.) Hamburg, den 15. Juni. Ein Privatier, jüdischer Konfession, der auf seine Kosten einen Waisenknaben, den Sohn unbemittelter Glaubens-

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