Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1876)
- Date
- 1876-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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599 Counts die Ausbildung von jüdischen Handwerkern in der Türkei in erweitertem Umfange betreiben könnte, und wäre bereit, hierzu seine pecuniäre Unterstützung zu gewahren. Das C.-ComitL beschließt, um die edlen -Intentionen des H. Baron v. Hirsch auszuführen, über die praktischen Mittel zur Erreichung dieses Zweckes eine nähere Untersuchung zu eröffnen, und wird zunächst in dieser Angelegenheit an alle Localcomitäs und Schuldirectiönen im Orient ein Circular richten. Das C.-Comits hat beschlossen, zu der 100jährigen Feier der nordamerikanischen Unabhängigkeitserklärung eine Glückwunsch - Adresse an den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu richten und darin auszusprechen, daß dieses Land zuer,r das Princip der Religionsfreiheit proclamirt hat, daß die Israeliten seitdem alle Rechte der anderen Bürger dort stets genossen und daß die Vereinigten Staaten sowohl durch ihre allgemeine Politik, als auch durch ihre diplomatischen Agenten öfters den europäischen Israeliten die besten Sympathien bezeugt haben. Feuilleton. Prosclytcu. Von Friedrich Rott. VI. Werner rannte durch die stillen, menschenleeren Straßen, als ob der Boden unter den Füßen ihm brenne. Er war selbst nicht im Stande, die Unruhe, die ihn ergriffen, sich zu erklären. Frau Meier konnte doch Recht haben; wie leicht konnte sie nicht durch Besuch noch im Moment ihres Fortgehens verhindert worden sein und doch hatte er ein Gefühl, als stünde irgend ein Unglück ihm bevor. Ein Schneegestöber hatte sich aufgemacht. Dichte Wolken trieb der jcharfe Wind ihm in's Angesicht; er achtete ihrer nicht, unaufhaltsam eilte er weiter. Endlich hatte er die Straße, in der seine Wohnung lag, erreicht, und wie erleichtert athmete er auf, als er schon von fern in feinem Familienzimmer Licht bemerkte. Wie durch Zauberschlag war plötzlich alle seine Unruhe verschwunden; er mußte über sich selbst lächeln, indem er sich auSmalte, wie Frau und Tochter am Theetisch gemüthlich plaudernd wohl längst schon seiner harrten. Und wieder beschleunigte er seine Schritte, doch jetzt weniger um der eigenen Ungeduld zu genügen als um die vermeintliche Ungeduld der Seinen nicht länger auf die Probe zu stellen. Und nun hatte er sein Haus erreicht und schloß die Thür auf. Oben in dem erleuchteten Zimmer schien das hierdurch verursachte Geräusch bemerkt worden zu sein, wenigstens sah er eine weibliche Gestalt dem Fenster nahen und hinaus schauen, war es Frau oder Tochter, das vermochte er nicht zu unterscheiden. „Ich habe mich bei Meier's verplaudert," murmelte er vor sich hin, schüttelte hastig » den Schnee vom Ueberrock und eilte die Stiegen hinan. Mit freundlichem Gruße trat er in das behaglich durchwärmte Zimmer, in dem in der That der gedeckte Theetisch seiner zu harren schien. „Ist das ein Hundewetter draußen," sagte er, indem er den schneebedeckten Hut auf einen Sessel warf. „Ich muß übrigens sehr um Entschuldigung bitten, daß ich so lange habe warten lassen; ich habe mich verplaudert." „„Du hattest mich ja vorbereitet, daß Du spät kommen würdest,"" entgegnete seine Frau, indem sie sich über ihr Strickzeug beugte, als wolle sie die Maschen zählen. . „Ja, ja, ganz recht; daran hatte ich in der That ganz vergessen, weil ich das Geschäft rascher als ich vermuthet, abgeschlossen und daun erst — aber wo ist Hermine?" unterbrach er sich selbst. „„Sie ist noch nicht zu Hause,"" erwiderte Frau Werner, ohne die Augen von ihrer Arbeit zu erheben. „Noch nicht zu Hause?" wiederholte Werner, „aber wo ist sie denn?" „„Du weißt es ja, daß sie den heutigen Abend bei Auguste Meier zubringt."" „Bei Auguste Meier?" rief Werner voll Schrecken, „Du glaubst, sie wäre bei Meier's?" „„Gewiß,"" versetzte sie, doch mit ziemlich gepreßter Stimme. „Großer Gott! so muß ihr ein Unglück widerfahren sein!" „„Werner!"" schrie seine Frau, indem sie den Strickstrumpf von sich schleuderte, „„um des Himmelswillen, was ficht Dich an?"" „Sie ist nicht bei Meiers," erwiderte er, indem ein Zittern den sonst so kräftigen Mann überfiel, „sie ist gar nicht dort gewcjeu." „„Doch! doch, sie ist bei Meiers und wird in einer kleinen Weile hier sein. Auf halb Clf hat sie die Droschke bestellt und will ich gleich Hannchen zu ihr schicken, damit sie nicht allein fährt^" Damit raunte sie hinaus in die Küche, um die Köchin, wie sie es mit Hermine verabredet hatte,