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Der Israelit · 1876-06-28 · Heft 26 (28.6.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 26 (28.6.1876)
Date
1876-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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598 schwer verwundet Nachdem Letzterer dieses doppelte Verbrechen begangen, suchte er sich mit dem Messer in der Hand in der Menge zu verlieren und nahm seine Zuflucht zu dem heiligen Asyl des Side ben Arus. Der Generalgouverneur Si Selem schickte sofort Soldaten nach dem Asyl und ließ den Schuldigen verhaften, der über und über mit Blut bedeckt war. Auf die Frage nach dem Beweggründe seines Verbrechens antwortete derselbe, daß er selbst nicht wisse, wie die Sache gekommen sei, es habe ihm geschienen, als ob Berda mit einem Muselmanne disputirte, daher habe er sich auf den Juden gestürzt; des Weiteren erinnere er sich nicht Der französische Consul und das Localcomite der Alliance thaten bei der Regierung die nöthigen Schritte und schon am darauffolgenden Sonntagmorgen, den 7. Mai, ließ der Souverän, obgleich er im Begriff war, eine Reise anzutreten, um 6 Uhr früh eine Gerichtssitzung eröffnen, in welcher Bu-Becker zum Tode verurtheilt wurde. Das Urtheil wurde sofort vollstreckt; nachdem man ihn degradirt hatte (er war Soldat gewesen), erschoß man ihn. Außerdem meldet man, daß Se. Mas. der Bey der Wittwe des Berda, auf Vorschlag des Generals Keredine, die Summe von 5000 Piastern auszahlen ließ. Dieser eklatante, von dem Souverän selbst gegebene Beweis von Gerichtigkeit hat auf die Bevölkerung einen wohlthätigen Eindruck gemacht, und in unseren Ländern wird man einstimmig anerkennen, von welch hohem Billigkeitsgefühl und gutem politischen Geiste der Bey und seine Regierung bei diesem Vorfall beseelt gewesen sind. Das C.-Comite hat über die im April-Bericht gemeldete Ermordung eines algierischen Israeliten zu Sfax folgende Mittheilungen erhalten: Abraham Nataf, ein Makler, war beauftragt, am Morgen des 22. März c. aus den Händen eines Muselmannes Hadj Ahmed Nuri gewisse Gegenstände als Pfandobjekte für ein demselben gegebenes Darlehen entgegenzunehmen, und sollte am Nachmittage desselben Tages mehreren mufel--« männischen Kaufleuten aus Kerker«, mit denen er für Rechnung von Handelsleuten aus Sfax unterhandelt hatte, Geld zahlen; da er jedoch am Nachmittage nicht kam, gingen jene Kaufleute ihn suchen, während zugleich einer seiner Brüder sich an den französischen Viceconsul H. A. v. Mathey wandte. Auf Requisition dieses verehrten diplomatischen Agenten lieg der Gouverneur von Sfax sofort das Haus des Hadj Ahmed Nuri durchsuchen, und man fand dort in der That unter Mistsäcken versteckt den Leichnam des unglücklichen Nataf mit durchschnittenem Halse, durchbohrter Brust und einem abgehauenen Beine; ebenso fand man in einem Winkel eine blutige Axt, mit welcher der Mord begangen worden war. Ein Protokoll wurde über Alles von arabischen Notaren in Gegenwart des Gouverneurs, des franz. Viceconfuls, israelitischer Notabeln und eines muselmännischen Arztes ausgenommen und Hadj Ahmed Nuri, sowie sein Bruder Hadj Mohamed, die Anfangs den Notaf gar nicht gesehen haben wollten, dann aber eingestanden, mit ihm zusammengewesen zu sein, verhaftet unter Bedeckung in's Gefängniß nach Tunis abgeführt. H. E. Elmilik, Vicepräs. des Bezirkscomitos von Tunis, hebt besonders rühmend die Energie hervor, welche der franz. Generalkonsul zu Tunis und H. von Mathey zu Sfax in dieser Angelegenheit entfaltet haben; man hofft, wie er sagt, daß diese neue Mordthat, die dreiundzwanzigste, nicht wie die vorangegangenen, unbestraft bleiben wird. Abr. Nataf war 30 Jahre alt, ein friedlicher und allgemein geachteter Mann; für seine, mit zwei jungen Kindern hinterlassene Wittwe wurde auf Veranlassung des franz. Generalkonsuls eine Sammlung eröffnet. — Bis jetzt sind jedoch die Schuldigen noch nicht bestraft. (Die Israeliten der Türkei.) So betrübend es auch ist, daß im Orient die Blutbeschuldigung immer wieder auftaucht, so erfreulich ist es doch consiatiren zu können, daß die städtischen Behörden in Smyrna die Absurdität derselben anerkennen, wie dies die im Aprilbericht gemeldeten Thatsachen beweisen. Auch die Haltung der dortigen Presse ist im höchsten Grade lobenswerth; die Lokalblätter (Reforme, Jmpartiel u. A) haben sich bei jenen Vorfällen ausgezeichnet benommen. Man hat bemerkt, daß der StaatSrath im Gegensatz zu einer langen Tradition jetzt kein israel. Mitglied hat; das Comit6 von Constantinopel und der dortige Oberrabbiner haben dieserhalb Schritte gethan. Dasselbe Count« hat sich, gleichfalls in Gemeinschaft mit dem Oberrabbiner, auch mit den Israeliten von Jemen und namentlich mit der im Märzbericht gemeldeten Affaire beschäftigt. Ein Vezirats - Firma« ist an den Gouverneur von" Jemen abgegangen, und der Oberrabbiner schickt sich an, einen Rabbinen nach Sana zu schicken, der, gleichzeitig durch einen Firman ernannt, sein officieller Vertreter daselbst sein soll und die Rechte der Israeliten «wird vertheidigen können. Se. Ex. Riza Pascha hat in dieser Angelegenheit Herrn von Camondo die befriedigendsten Mittheilungen gemacht. H. Baron v. Hirsch wünschte, daß das C.-

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