Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1876)
- Date
- 1876-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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595 Feuilleton. f injomiH. XVIII. In einem der feinsten Pariser Restaurants sitzt ein junger Herr, in eleganter, tadelloser Kleidung. Die Kellner fliegen förmlich zu seiner Bedienung; er bestellt die besten, theuersten Speisen, die röstlichsten Weine. Nachdem er gegessen, wirft er mit vornehmer Nachlässigkeit ein Tausend- Francs-Billete auf den Tisch. Der Kellner bringt ihm 960 Franken in Gold und Papier und 11 Franken in Silber; ohne zu zählen schiebt er das Papier in seine Brieftasche, das Gold in seine Börse; das Silber läßt er für die Kellner liegen. Dann erhebt er sich; ein Kellner reicht ihm den feinen Hut, ein anderer das Stückchen mit goldenem Knopf, ein dritter öffnet die Thüre. Der junge Mann geht die Treppe hinunter, winkt eine Droschke herbei und befiehlt, ihn nach den elisaeischen Feldern zu fahren; dort steigt er aus, wie wenn er einen Spaziergang machen wollte; aber zu feinem Schrecken bemerkt er, daß seine schönen Hellen Handschuhe einen Flecken haben; er winkt wiederum eine Droschke, natürlich eine andere, herbei und befiehlt, ihn nach dem ersten elegantesten Handschuhladen zu fahren. Dort angekommen, läßt er sich ein Paar feiner Handschuhe eben und wirft ein Tausend-Francs-Billet auf en Tisch. Die Verkäuferin hat nicht so viel Geld, um herauszugeben. Sie schickt zu einem Geldwechsler und läßt wechseln. An diese Eventualität hatte Binjamin, denn er war es, nicht gedacht; er überlegte, ob er nicht lieber fortgehen und das Geld im Stich lassen sollte; aber dann würde er den Verdacht herausfordern. Es vergingen einige sehr peinliche Minuten; da kam der Ausläufer und brachte das Geld, 995 Fr., in Gold und Papier. Von dem Handschuhladen aus ging Binjamin zu Fuß nach der linken Seite von Paris, in das lateinische Viertel durch viele Gassen und Gäßchen, bis er an ein altes, verfallenes Haus kam. Es war noch das alte Paris, ehe der Praefect Hausmann die alten, dunklen Gassen, die halbverfallenen Häuser hatte einreißen und Paris so prächtig neu hatte erstehen lassen. An der Thüre befand sich ein Klopfer, den Binjamin in Bewegung fetzte. Ein Schiebfensterchen wurde geöffnet, durch das der Concierge vorsichtig herauslugte^ Binjamin machte ein eigenthümliches Zeichen mit der Hand, worauf ihm geöffnet wurde. Dann schritt er durch die dunkle Hausflur über den Hof in ein Hintergebäude. Hier klopfte er dreimal an eine Thüre, die sich dann aufthat. Binjamin trat ein. In dem Zimmer saßen mehrere Leute, mit Zeichnen, Graviren und anderen Arbeiten beschäftigt. „Ah, schon zurück!" rief Heinzelmann. „Hast Du gute Geschäfte gemacht, mein Püppchen?" „„Ich habe20O0 Fr. ausgegeven,"" antwortete Binjamin. Bei diesen Worten legte er das Geld auf den Tisch, das er in der Restauration und in dem Handschuhladen herausbekommen hatte. „Clairvage," sagte Binjamin zu einem Manne von etwa dreißig Jahren, „Ihre Geschicklichkeit ist heute auf eine große Probe gestellt worden. In dem Handschuhläden hatte man nicht Geld genug, um herauszugeben. Da schickten sie die Banknote zu einem Geldwechsler. Es war mir gar nicht einerlei, und ich wäre gern gewesen, wer weiß wie weit. Allein das Papier wurde nicht beanstandet." „Ja," sagte Clairvage, „es ist aber auch vorzüglich gut gemacht. Es gehört viel dazu, die falschen Noten von ihren Vorbildern zu unterscheiden." „Allen Respect vor Ihrer Geschicklichkeit," sagte Heinzelmann, „allein die Hauptsache ist und bleibt das Ausbringen des Papieres Ja, wenn wir uns mit Kleinigkeiten abgeben wollten! Die kann Jeder auSgeben. Aber für Tausend-FrancS- Noten, da muß man geborrer Millionär sein, wie unser Prinz da. „Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle, bewahrt die kindlich reine Seele, ihm dürfen wir . . ." „Hör' auf, Heinzelmann," schrie Clairvage, „mit Deinen unausstehlichen Citaten!" Brummend fügte sich Heinzelmann dem Befehle. Binjamin lachte. Heinzelmann warf ihm einen bösen Blick zu, sagte aber nichts; denn er wußte zu gut, wie unentbehrlich Binjamin den Falschmünzern war. Er hütete sich also, ihn auch nur mit einem Worte zu verletzen. Binjamin lebte jetzt wieder herrlich und in Freuden; er hatte vornehme Bekannte, ritt, spielte, aß und trank gut und hatte Alles, was sein Herz begehrte. Anfangs kam ihm manchmal die Furcht vor Entdeckung und beängstigte ihn; als er aber Tag für Tag die Banknoten unbeanstandet aus-