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Der Israelit · 1876-06-28 · Heft 26 (28.6.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 26 (28.6.1876)
Date
1876-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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594 Die verschiedenen Resultate, ausführlich besprochen, historisch und faktisch beleuchtet, wurden in einem Berichte zusammengefaßt. Ein Theil Vieses Berichtes durch verschiedene Umstände veröffentlicht, veranlaßte die „Religionsunterrichtsfrage." Der darin ausgesprochene Hauptgedanke war nämlich folgender: „Wir haben hier vor unS eine jüdische Elcmentar-Schule und zwar eine jüdische Schule, welcher an Sonntagen der ganze Tag und an den Werktagen das Erholungsstündchen der städtischen Schulen zur Verfügung steht." «Der allmählich schrecklich um sich greifende JndifferentiSmus und die Unwissenheit auf jüdischem Gebiete zeigt es als dringend nothwendig, zur Erhaltung des reinen orthodoxen Princips, vor allem Anderem Praktische, innerlich und äußerlich praktische Jehudim heranzubilden." „Das Ziel deS Elementarunterrichtes — und nur davon ist hier die Rede — ist nicht die mechanische Erlernung einer möglichst großen Anzahl von nmD und ni’JtPD sondern ein in Verstand und Gemüth eingedrungenes Bewußtsein des Judenthums. Und um dieses zu erreichen, dazu muß 1) eine vollständige nnuo-Lehre 2) jüdische Geschichte (nicht allein biblische) 3) wörtliche Uebersetzung der Haupt-ni^sn daS praktische Judenthum in die Kinderherzen einpflanzen und dabei sollen die Zöglinge durch gründlichen Unterricht in der hebräischen Grammatik in den Stand gesetzt werden, 'den Thora-Text und Thora-Inhalt nrcht mechanisch, sondern mit Verständniß kennen zu lernen. Da nun die Kinder größtentheils (und dieses „größtentheils" ist durch Ziffern nachzuweisen) im 13. Jahre und nicht früher, die Schulen verlassen, so können sie, wenn sie auch bis zum 11. Jahre mehr hebr. Grammatik als L'Oni Uebersetzung gelernt haben, von da an, auf der Grundlage einer entwickelten Verständniß- Fähigkeit, mehr und gediegener rom in einem Jahre Lernen, als bisher während der ganzen Schulperiode." - „Ueberhaupt ist es dringend nöthig, daß auch der Lehrer einer jüdischen Religions-Elementar- Schule ein klares Bewußtsein hat, von Ziel, Umfang und Systematik seine» Unterrichtsstoffes." „Und gerade der Umstand, daß dies in der Regel nicht der Fall ist — ja, daß man selbst die Roth» Wendigkeit davon weder begreifen konnte, noch einsehen wollte, war mit eine der Hauptursachen der Uebelstände unseres bisherigen Religionsunterrichtes." Dies war ungefähr die in dem Berichte niedergelegte Ansicht, über die Verbesserung des Religionsunterrichtes. Hiergegen erhoben nun die Herren Lemans, Oberrabbiner in Nymwegen, Berenstein, Oberrabbiner im Haag und Akiba Lehren ihre Stimmen, in der Meinung, es wäre mit diesem „Programme" einfach min aus den jüdischen Religions - Schulen ausgeschlossen. (Uebrigens soll Letzterer, dessen Auftreten ein sehr freundschaftliches und ehrerbietiges dem Herrn Dr. Dünner gegenüber war, selbst, dieses Auftreten schon bedauert haben). Ein Schüler und College des Herrn vr. -Dünner übernahm es, in einer Broschüre ausführlich darzuthun, was überhaupt der Inhalt der oben erwähnten Gedanken war, daß diese unmöglich die Ausschließung des nc6n min Gebots beabsichtigen, sondern im Gegentheil, dessen edlere und zweckmäßigere Ausführung. Die holländisch-jüdischen Blätter besprachen natürlich die zur Streitfrage gewordene Sache nach allen Seiten hin. Und hiermit sind die einfachen objectiv wahren Thatsachen dargelegt, ohne Urtheil und ohne Besprechung der Frage selbst. oder der Art und Weise des geführten Streites. Correspondent glaubte diese Mittheilungen den geehrten Lesern des „Israelit" schuldig zu sein, damit andere vollständig unzuverlässige Berichte nicht für unbedingte Wahrheit gehalten werden., Frankreich. Paris. In Bezug auf die auch von uns gebrachten von dem „Bien public" gestellten Fragen in Betreff der isr. und protestantischen Soldaten bemerkt Un. isr.": Es ist sehr zu bedauern, daß in Frankreich, dem klassischen Lande der religiösen Freiheit, derartige Dinge noch geschehen, wie sie in keinem Lande der ganzen Erde mehr Vorkommen, daß nämlich die protestantischen und israel. Soldaten gezwungen sind religiösen Ceremonien mit anzuwohnen, die ihr Gewissen verletzen.«Wenn der „Univers" meint, daß eben die militärischen Reglements stricte ausgeführt werden müssen, so fragen wir: Müßte dies auch geschehen, wenn z. B. diese Verordnungen einmal bestimmen sollten, daß die isr. Soldaten während dieser Ceremonie das Zeichen des Kreuzes oder sonstiger christlicher Verehrungen machen müssen? Die militärischen Reglements! Sie haben auch die Soldaten verbindlich gemacht in den Theatervorstellungen als Figuranten mitzuwirken, und seit dem Theaterbrand zu Rouen, wo mehrere Soldaten das Leben verloren, hat der Kriegsminister beschlossen, daß die Figuration seitens der Soldaten faculativ und nicht mehr obligatorisch ist. Man sieht daraus, daß die Strenge der Disciplin doch manchmal den Umstanden weichen muß. Warum wird sie da aufrechterhalten, wo sie ohne Nothwendigkeit für den öffentlichen Dienst und ohne Nutzen für das Land ist, wo sie im Gegentheile eine ungerechtfertigte moralische Beeinflussung auferlegt?

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