Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1876)
- Date
- 1876-06-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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579 Mädchen einander bewundern. Aber mein Ausruf, „wunderbar schön," bezog sich nicht nur auf Dein liebes Bild, sondern auf Euer ganzes schönes Fest, sowie auf das glänzende und doch so sinnige Arrangement." ' „ „Mich freut es, daß es Dir so gut bei uns gefällt; aber wenn Du ein bischen um Dich schauen willst, so wirst Du die Bemerkung machen, daß auch Du ausnehmend gefällst. Sieh nur, wie Aller Augen auf meine schöne Freundin gerichtet sind, sogar Graf Staremberg, der sonst keine Dame eines Blickes würdigt, wendet kein Auge von Dir."" „Ich sehe nichts," erwiderte Hermine, indem sie das schöne Haupt stolz zurückwarf. „„Das heißt, Du willst nichts sehenflüsterte Bertha, „„s.eh nur, Papa kommt auf uns zu und der Graf M't ihm; er scheint sich Dir vorstellen lassen zu wollen."" In der That nahte der Hausherr den beiden sungen Mädchen, begleitet von einem mit äußerster Eleganz gekleideten Herrn. „Fräulein Werner, Herr Graf von Staremberg wünscht die Ehre Ihrer Bekanntschaft. Herr Graf von Staremberg; Fräulein Hermine Werner." Hermine grüßte mit der stolzen Herablassung einer Königin; doch dem Grafen als gewandten Weltmann gelang es bald, sie in lebhafte Unterhaltung zu ziehen; und hatte Anfangs nur ihre seltene'Schönheit ihn angezogen, so fesselte nach der ersten Viertelstunde ihre heitere und dabei geistsyrühende Unterhaltung ihn noch mehr. Inzwischen wurden Gesellschaftsspiele arrangirt. Pfandgeben strafte den Unachtsamen und als eine genügende Anzahl Pfänder beisammen, wurden sie ausgelöst. Ein schon ziemlich bejahrtes aber noch immer jugendlich und geistreich sein wollendes Fräulein ließ sich die Binde der Themis vor die Augen legen und bestimmte die Strafen der schuldigen Pfandeigenthümer. Ihre Aussprüche zeichneten sich weder durch besondere Anmuth noch durch Witz aus, wurden jedoch von der gefälligen heiteren Gesellschaft stets mit lautem Jubel ausgenommen. „Was soll Derjenige thun, dem dieses Pfand gehört?" fragte der junge Hartung, der die Pfänder in Verwahrung hatte, indem er ein feingearbeitetes Lorgnon in die Höhe hielt. „„Der soll der schönsten und geistvollsten Dame hier seine Huldigung darbringen,"" sprach Fräulein Themis. Dachte sie dabei vielleicht an sich? „Graf Staremberg, Graf Staremberg!" riefen mehrere der Anwesenden, die das Lorgnon kannten. Sämmtliche jungen Damen blickten voll Spannung auf den Grafen. Dieser erhob sich, trat vor Hermine, neigte sich tief vor ihr und sprach: „„Die höchste Verehrung macht die Lippen verstummen; darum sei mein Schweigen Ihnen beredt."" Dabei berührte er leicht einen der Volants ihres Kleides und zog ihn an seine Lippen. Lärmender Beifallruf. Hermine erröthete über und über. * * Die Geschäftsangelegenheiten Werners waren rascher erledigt, als er selbst es gedacht hatte, und früher, als er es erwartet, machte er sich aus den Heimweg, der ihn durch die Straße führte, in der sein Freund Meier wohnte. Eben im Begriff, an Meiers Wohnung vorüberzuschreiten, drangen lärmende Stimmen an sein Ohr; fröhliches'Lachen junger Mädchen, er glaubte auch Herminens Stimme zu erkennen, und einer momentanen Eingebung folgend. trat er in das Haus seines Freundes.' Vertraut mit den Gewohnheiten desselben, trat er in's Familienzimmer. Der Hausherr und dessen Gattin allein waren hier anwesend; die jungen Leute mit ihren Gästen befanden sich im ^alon. Herr und Frau Meier begrüßten den Freund auf's Herzlichste. „Ich habe von H-rmine erfahren, daß Sie heute den Geburtstag Ihrer Auguste feiern: als mich nun eben mein Weg hier vorüberführte, konnte ich es mir nicht versagen, Ihnen auch meine herzltchsten Glückwünsche darzubringen." „„Besten Dank, lieber Werner, für Ihre freundliche Aufmerksamkeit; ich muß doch gleich Auguste rufen, daß auch sie Ihnen dankt."" ' „Lassen Sie, lassen Sie/' bat Werner, „die Mädchen bleiben wohl noch ein Stündchen beisammen, so lange verplaudere ich hier bei Ihnen die Zeit." Die Herren setzten sich; Frau Meier brachte Erfrischungen und bald war die Unterhaltung im Garge. „Haben Sie nicht gehört, wie es der Baronin Mosvach geht?" fragte Frau Meier. „,,Oer Baronin Mosbach? ich kann Ihnen in der That nicht dienen, ich kenne sie nicht einmal."" „Ei dem Namen nach wird sie Ihnen doch wohl bekannt sein. Die Wittwe des verstorbenen Baron Karl Mosbach, mit der er sich auf dem Sterbebette hat trauen lassen. Die Sache hat doch damals enormes Aufsehen gemacht" „ „Ja, ja, ich erinnere mich, es werden ungefähr neun oder zehn Jahre sein."" „Mag sein, aber was ist denn mit der Baronin? ist ihr ein Unfall zugestoßen?" fragte Meier." „„Gestern während einer Spazierfahrt hat ein Schlaganfall sie getroffen und zwar, wie böse Zungen behaupten, in Folge äußerster Entrüstung über einen Act der Humanität ihrer kleinen Tochter.""