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Der Israelit · 1876-06-21 · Heft 25 (21.6.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 25 (21.6.1876)
Date
1876-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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573 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Nürnberg. Nach glücklich verlebtem Schabuoth-Fefte, dürfte es doch wieder einmal am Platze fein, ein Lebenszeichen von dem seit dem 17. März nunmehr amtlich anerkannten Verein dahier zu geben. Das numerische Wachsen desselben läßt immer noch auf sich warten, aber im religiösen Leben machts nicht immer die Zahl aus, sondern der innere Werth; darf man ja bekanntlich das jüdische Volk selbst nicht einmal zählen. Nichts desto weniger kann man immer mehr die Ueberzeugung gewinnen, daß es bei demselben nur der äußerlichen Anregung bedarf, um manches zu vollbringen, was man sich vorher hätte nie träumen lassen. So z. B. gelang es im vorigen Jahre nicht einmal an dem einzigen a"nn Abend Minjan zum Omerzählen zu bekommen, indeß wir Heuer so glücklich waren, während der ganzen m'SD mit wenigen Ausnahmen je en Abend diesen Zweck zu erreichen, wobei dem 'n anyo stets ein Vortrag des Rabbinatscandidaten Ansbacher vorausging. Derselbe wies in seinen ersten Betrachtungen auf die Wichtigkeit der Thorakenntniß im Allgemeinen hin, hob namentlich die Zeit der rrvsD als hiefür besonders geboten hervor, wodurch sich allmählich' immer mehr Interesse zeigte für Dinge, die man bisher kaum dem Namen nach kannte. Jeden Donnerstag werden Tbeile aus der bevorstehenden mio, jeden na»1 vor nn:o Stellen aus dem jeweiligen Abschnitt der 'nx ’pns betrachtet. Wollte der Himmel es gelänge, wenn auch nur eine kleine Zahl, doch diese derart zu fesseln, daß sie gerne eine Abendvergnügen diesen Vorträgen opfern. Da die Einrichtung mit dem begann, tauchte bei Manchem der Gedanke auf. daß mit diesem auch jene aushöre, allein man sieht womöglich dieselbe beizubehalten, selbst auf die Gefahr hin, hier und da' nur ein kleines Auditorium versammelt zu sehen. Diese Neuigkeit wäre an sich sehr geringfügig, aber für eine Stadt wie Nürnberg ist sie von nicht zu unterschätzendem Werthe, da bis jetzt unscrm Vereine jede Anregung abging und dessen Wirken auf die npsn beschränkt war, was freilich Anfangs das Wichtigste schien, weil diese die Veranlassung zu dessen Gründung gab. Der seltene nos any des heurigen Jahres, rief auch hier eine seltene Erscheinung hervor, daß nämlich am ersten und am achten Festtage alle Läden in N. geschlossen waren. Es war bekanntlich Sonntag! Berlin, 13. Juni. Am Schowuosfeste hat Herr vr. Kaufmann, Schüler des Breslauer Rrbbinerseminars, in den beiden hiesigen Gemeindesynagogen (Heidereutergasse und Oranienburgerstraße) Gastpredigten gehalten. Wie wir hören, soll er Beifall gefunden haben und seine Anstellung als Hilfsprediger beschlossen sein. Berlin, 16. Juni. Die vorige Woche von verschiedenen Blättern erzählte Geschichte, daß Prinz Wilhelm von einem jüdischen Schüler des Kasseler Gymnasiums wahrend seines hiesigen Aufenthaltes begleitet gewesen sein soll, wird, wie Sie bereits berichteten, vom Staatsanzeiger dementrrt. Die „Börsenzeitung" hält indessen ihren Bericht in soweit vollkommen aufrecht, daß ein jüdischer Schüler des Gymnasiums, der Sohn einer Wittwe aus Rothenburg, der intimste Freund des Prinzen ist. Derselbe hat schon öfters Ausflüge mit den Prinzen und deren Erzieher gemacht; auch schon öfters den Besuch des ältesten Prinzen bekommen, sowie überhaupt die aufrichtigste Beweise der Freundschaft von unserm zukünftigen Thronfolger erhalten. O c st e r r. - U u g a r. M vnarchi c. Wien, 9. Juni. Herr G. Wolf, leider ein Jude, veröffentlicht in der „N. Fr. Pr." einen Artikel über die Sitteustatistik in Oesterreich, der geeignet ist, ein ganz falsches Licht auf die Juden in Galizien zu werfen. Herr W. schreibt: ..In diesem Kronlande (Galizien) leben die gläubigsten Juden in Oesterreich, und doch machen die daselbst unehelich Geborenen eine wahrhaft erschreckende Zahl aus: Im Bezirk Brvdy 21,79 Procent Israeliten, '.5,05 Procent uneheliche Kinder; im Bezirke Drohobycz 16,40 Prvcent Israeliten 16,74 Procent uneheliche Kinder u. s. w." — Sollte man da nicht meinen, alle diese unehelichen Kinder seien jüdischen Ursprungs? Und doch ist gerade das Gcgentheil der Fall. Auch in Galizien ist — wie überall — bei den Israeliten die Zahl der unehelichen Geburten verhältnißmäßig sehr klein; weiß denn Herr Wolf nicht, daß außer den 21 Procent Juden auch 79 Procent Nichtjuden im Bezirke Brody wohnen und daß von diesen die große Uebezahl der unehelichen Geburten herrührt? Was sollen wir zu einer solchen, völlig grundlosen Verlästerung der jüdischen Bevölkerung sagen?

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