Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1876)
- Date
- 1876-06-14
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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559 eine nähere Bezeichnung überflüssig macht, Sorge getragen. Nunmehr'gilt es aber, durch die Theilnahme weiterer Kreise das begonnene Werk vollends auszuführen. . Der bald Heimkehrende bedarf der Mittel zur Rückreise, wie zur Anschaffung des nöthigen Werkzeugs für die Ausübung seiner Kunst. Wenn ich mir daher erlaube, auf diesem Wege an alle Diejenigen mich zu wenden, welche für einen solchen guten Zweck ihr Scherflein beizutragen geneigt sind, so begründe ich diese Bitte durch den dreifachen Hinweis: 1) Daß der junge Mann durch seine eminente Gelehrsamkeit auf talmudischen Gebiete wie durch seine vorzüglichen Tugenden und Eigenschaften einer besonderen Theilnahme sich würdig macht; 2) daß durch den erwähnten, in Palästina, ja im Oriente, noch kaum vertretenen Kunstzweig dem Betreffenden und seiner Familie eine ganz ehrenhafte Existenz eröffnet wird, wie auch die Aussicht damit verbunden ist, auch Andere hierbei beschäftigen und ihnen zu Brode verhelfen zu können; 3) daß dieses Beispiel des jungen Mannes wohlthätig auf viele Andere in der heiligen Stadt wirken dürfte, daß auch sie dem bereits angeführten Lehrsatz unserer Weisen Rechnung tragen werden. Indem ich der zuversichtlichen Hoffnung lebe, daß sich edle Herzen bereit finden werden, „für diesen Braven aus Jerusalem" einen kleinen Beitrag zu zeichnen, bitte ich, denselben an Herrn Dr. Hildesheimer hier (der auch bereit ist, über die betreffende Persönlichkeit, deren Namen aus besonderer Rücksicht verschwiegen werden mußte, nähere Auskunft zu ertheilen) an Herrn Dr. Lehmann in Mainz, oder an mich selbst adressiren zu wollen. Gottes Segen wird den edlen Spendern nicht fehlen! Dr. Berliner, Gipsstr. 12a. Cöln, 11- Juni. Es ist eine bekannte Taktik der „Breslauer", ihre modernen Schlagwörter „Humanität und Toleranz" ins Treffen zu führen, wo es gilt, ihren ahnungslosen Anbetern Sand in die Augen zu streuen oder ihre und ihrer Gesinnungsgenossen Fehler und Mängel m>'t dem Mazitel der Liebe zu bedecken. — Aber auch ebenso ist cs genugsam bekannt, wie sich diese so gepriesene Toleranz in ihr gerades Gegentheil verkehrt, wenn es sich um ihr Benehmen, den glaubenstreuen orthodoxen Jehudim gegenüber, handelt. Schmählicher ist aber solcher Zelotismus in Form hierarchischer Willkür und Anmaßung selten zu Tage getreten, als es gestern hier in Cöln der Fall war. Es wird die nachstehend angeführte Thatsache wohl manchem Unbefangenen die Äugen öffnen über die Wohlthat und die dringende Nothwendigkeit des jüngst im Abgeordnetenhause angenommenen Gesetzes „über den Austritt aus der Gemeinde' , und der Herr Abgeordnete Professor v. Sybel würde wohl schwerlich mit solchem Eifer für die modernen Reformhelden im Judenthum eingetreten sein, wenn er gewußt, wie jene die. Gewissensfreiheit uns gegenüber interpretiren. Am Mittwoch Morgen starb hier einer unserer ältesten respectabelsten und würdigstenGemeindemitglieder, Herr B. H. Cassel, im Alter von 68 Jahren. — Er war eine von den leider immer seltener werdenden „Säulen," die niemals gewankt, und von Jugend an aufs Strengste sestgehalten an allen Geboten unserer heiligen Lehre. Als vor Jahren der Anfang gemacht wurde mit Reformen (Abschaffung der Piutim rc.) in hiesiger Synagoge, in der er wohl 25 Jahre lang als Vorbeter an den D’ioun ovs» und als ypm by2 fungirte, war er einer der Ersten, der ausschied, und sich an einem Privat - Gottesdienste betheiligte. — Als dann endlich nach langem Sehnen vor Kurzem die pin?’ my unter Leitung des Herrn Rabbiner vr. Plato sich bildete, war er wieder einer der Ersten, der mit seinen 3 Söhnen, die er ganz in seinem Geiste und Sinne als echte gute Jehudim erzogen, dieser Gemeinschaft beitrat, und bei der Einweihung der Synagoge o'bpff .nt£ns den Gottesdienst als un verherrlichte. — Als Feind aller Scheinheiligkeit und alles hohlen Prunkes hatte er oft sich ausgesprochen gegen die modernen Leichenreden solcher Rabbinen, die nicht in seinem» dem echt jüdischen, Geiste lebten und wirkten, und für sich selbst, wenn einmal seine letzte Stunde geschlagen, solche entschieden verboten, während er als begeisterter Anhänger des Herrn Rabbiner vr. Plato mit Verehrung von seinen Vorträgen und mit Thränen in den Augen es oft aussprach, welche eine rro: es für ihn sei, es noch erlebt zu haben, unter dessen Leitung eine Gemeinde, gebildet zu sehen und ihr anzugehören. Dem Willen des Verstorbenen gemäß bestimmte nun sofort nach seinem Hintritt der älteste Sohn, daß Herr Rabb. vr. Plato den nrvTi abzuhalten habe und als dies dem Hrn. Rabb. vr. Frank von einem seiner Gesinnungsgenossen mitgetheilt, und er der Familie sagen ließ, daß er es sich nicht nehmen lasse in seiner Eigenschaft als von der Ge-