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Der Israelit · 1876-06-14 · Heft 24 (14.6.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 24 (14.6.1876)
Date
1876-06-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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558 genannte Blatt schreibt: .... Es folgt nun das erzählte Geschichtchen, dann fährt das entrüstete Dreieck fort: „Also selbst die kaiserliche Familie muß jetzt schon zu derartigen Zwecken das Relief abgeben! Wenn man auf jener Seite etwa der Ansicht ist, daß man durch solche Zeitungsartikel, deren tendenziöse Absicht so wenig cachirt ist, Sympathien für sich weckt, so befindet man sich in einem bedauerlichen Jrrthume. Schlimm genug, wznn dergleichen weithin duftende Rcclamen aus der Börsenpresse auch Eingang in solche Blätter finden, welche sonst in Anspruch nehmen können, zu den großen politischen gezählt zu werden. Die Zeichen der Zeit mehren sich! Jeder Mensch, der die Formen der Prinzenerziehung im Allgemeinen und die diesbezüglichen des hiesigen Hofes im Speciellen auch nur einigermaßen kennt, muß finden, daß in der Darstellung des Berliner Börsenblattes nur das Produkt einer orientalischen Phantasie vorliegen kann." Diesen „Rischuß-duftenden" Betrachtungen der Weserzeitung gegenüber können wir jedoch die Versicherung ertheilen, daß das oben mitgetheilte Geschichtchen nur insoweit unwahr, als es vom Staats-Anzeiger dementirt wurde; Tbatsache dagegen ist das freundschaftliche Verhältniß des Prinzen zu seinem jüdischen Mitschüler. — M. Berlin, 7. Juni. Heute habe ich Ihnen eine höchst interessante Mitheilung zu machen, die im Herzen eines jeden Juden die größte Befriedigung , die innigste Freude hervorbriugen wird. Es ist bekannt, daß kürzlich die Ratification des Oesterreichisch-Rumänischen Handelsvertrags Statt gefunden hat und die Nachricht hiervon wird Jeden, der diesen Vertrag genauer kennt, peinlich berührt haben. Als das Project dieser Convention auftauchte, war man überall froher Hoffnung, daß durch dieselbe das Schicksal unserer rumänischen Brüder gebessert werde. Graf Andrassy wurde als der Protector der Rumänischen Israeliten hochgepriesen. Auf ''iese Freude folgte die schmerzlichste Enttäuschung, indem Oesterreich in dem Vertrag genehmigte, daß nicht allein rumänische Israeliten, sondern sogar österreichische, wenn sie nach Rumänien kommen, all' den scheußlichen, ungerechten Beschränkungen der rumänischen sogenannten „Gesetze" unterworfen bleiben. Wenn man bedenkt, daß Judenhetzen in Rumänien nicht zu den Seltenheiten gehören, daß selbst der Apellationsgerichtshof zu Jassy die Ausnahme- und rechtslose-Stellung der Juden gutgeheißen, so ist es wahrlich unbegreiflich, wie eine Volksvertretung in einem civilisirtenStaate, im 19. Jahrhundert diesen Vertrag bestätigen konnte! Doch ein Paragraph ist in der Convention, der, wie es scheint, jetzt den Juden eine günstigere Stellung zu verschaffen im Stande ist.' Dieser Paragraph bestimmt, daß, sobald Rumänien einem anderen Lande gegenüber die Beschränkungen gegen die Juden nicht mehr aufrecht erhält, sie auch für Oesterreich-Ungarn ihre Geltung verlieren. — Seit kurzer Zeit nun hält sich der frühere rumänische Cultusminister Majorescu hier in Berlin auf, um im Aufträge seiner Regierung mit der deutschen Reichsregierung Verhandlungen über einen deutsch-rumänischen Handelsvertrag zu pflegen. Die Verhandlungen sind indeß bis jetzt immer daran gescheitert, daß die Regierung des Fürsten Karl von Rumänien auch dem deutschen Reiche gegenüber die ungerechten Beschränkungen, die die rumänischen Gesetze den Israeliten auferlegen, aufrecht erhalten wollte. Es wird also verlangt, daß Deutschland seine jüdischen Staatsbürger in Rumänien für rechtlos erkläre, wie das auch Oesterreich für die Seinigen gethan, Unsere hohe Staats- Regierung hat aber dies Verlangen Rumäniens rundweg abgewiesen. Sollte die rumänische Negierung auf die Abschließung eines Handelsvertrages mit Deutschland Werch legen, — und das wird sie wohl — so wird sie noIevZ volens andere Saiten aufziehen müssen. Wir sind auf den weiteren Gang dieser Sache sehr gespannt. Berlin. Seit 1^/2 Jahren weilt hier ein junger Mann aus Jerusalem, der einer dort durch Gelehrsamkeit und Würde hervorragenden Familie ang'hört, um in der Kunst als Stempelschristschneider und Graveur, in der er bereits zu Hause auf autodidaktischem Wege einige Uebung erlangt hatte, sich auszubilden. Der Betreffende ließ sich hierbei von dem löblichen Gedanken leiten, die vom Talmud empfohlene „Verbindung der Gelehrsamkeit mit praktischem Berufe" wieder zu Ehren zu bringen. Die Theilnahme, welche sein Plan gefunden. wurde durch die erfreulichsten Fortschritte belohnt, über welche ein am 1. Mai d. I. ausgefertigtes Zeugniß des bisherigen Lehrherrn sich sehr lobend ausspricht. Seit jenem Tage ist der Betreffende in einer anderen Werkftätte beschäftigt, um bis zum 1. August d. I. die Stereotypie und die Galvanoplastik zu erlernen, welche für die practische Verwerthung der Schriftschneidekunst in seiner Heimath unentbehrlich sind. Die nöthigen Lehrgelder sind zum Theil von dem hiesigen palästinensischen Verein, zum Theil von der Alliance hergegeben worden. Für die Existenz des jungen Mannes haben einige hiesige edle Freande und die Mitglieder jenes auswärtigen jüdischen Hauses, dessen allgemein bekannter Ruf

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