Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1876)
- Date
- 1876-06-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Zweite Leilage zu Ar. 24 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Mainz, 13. Juni. Beim Schlüsse des Blattes geht uns die erschütternde Nachricht von der Ermordung undBeraubung eines höchst ehrenwerthen, braven Mannes, des Viehhändlers Salomon Hanauer aus Ungstadt zu. Der Mörder ist bereits eingezogen. Der Ermordete, erst 35 Jahre alt, hinterläßt eine Frau und vier kleine Kinder in den drückendsten Verhältnissen. Wir werden in nächster Nummer Ausführliches bringen. Heute nur die Bitte an edle Menschenfreunde um Unterstützung der armen Hinterbliebenen. Es wird sich in Hungen ein Comit« zu diesem Zwecke bilden. Die Redacrion ist gern bereit. Gaben entgegenzunehmen und zn übermitteln. Berlin. Die „Neue Börsenzeitung" in Berlin brachte vor einigen Tagen die nachfolgende Geschichte, die von vielen Blättern in naivster Harmlosigkeit nachgedruckt wurde: Die beiden ältesten Söhne des Kronprinzen, welche bekanntlich das Gymnasium in Cassel besuchen und jetzt dorthin zurückgekehrt sind, nachdem sie im elterlichen Hause die Pfingstferien verlebt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Jnterresses der hessischen Bevölkerung. Besonders sind es eine Anzahl liebenswürdiger charakteristischer Züge des dereinstigen Thronfolgers, welche in sympathischster Weise colportirt werden. „Viel Anlaß dazu," so schreibt der Correspondent des citirten Börsenblattes, „bietet das Freundschaftsverhältniß, welches zwischen dem jungen Prinzen und einem Mitschüler ärmster Herkunft besteht. Schon bei seinen ersten Erkundigungen, welche das kronprinzliche Elternpaar über das Ergehen der Söhne in Kassel anstellte, spielte der Name ihres Mitschülers als der ihres Lieblingskameraden eine Rolle. Auf die Anfrage bei dem Director des Gymnasiums'erfuhr der Kronprinz, daß der junge S., der Sohn einerjüdischen Lehrerswittwe in dem kleinen hessischen Städtchen Wanfried, der vorzüglichste und begabteste Schüler des Instituts sei. Der Kronprinz nahm deßhalb Veranlassung seine Söhne wegen der verständigen Wahl ihres Umganges zn beloben, und sah sich der ältere Prinz vor den letzten Osterferien daraufhin veranlaßt, bei den Eltern die Erlaubniß nachzusuchen, seinen Freund während der Ferien nach Berlin mitzubringen. Die elterliche Erlaubniß war prompt eingetroffen, doch glaubte der junge S. die Einladung mit dem Hinweis darauf ablehnen zu sollen, daß bei dem bestehenden socialen Abstande es für ihn ungebührlich wäre, die momentanen Freundschaftswallungen des Prinzen ernst zu nehmen. Als der junge Prinz den Mitschüler nach dieser Richtung hin vollkommen beruhigt hatte, erfolgte die Annahme der Einladung trotzdem noch nicht, da S. den Vorbehalt geltend zu machen hatte, daß er zwar im kronprinzlichen Palais wohnen, nicht aber dasselbst speisen wolle, weil er seiner Mutter versprochen habe, die jüdischen Speisegesetze zu befolgen. Der junge Prinz wandte sich in diesem Dilemma an seine Eltern, welche alle Bedenken dadurch forträumten, daß sie eine entsprechende Beköstigung für den Gast ihres Sohnes zusagten. Thatsächlich hat denn auch der junge S. die Osterferien im kronprinzlichen Palais in Berlin verlebt und seine Mittagsmahlzeiten in einem jüdischen Restaurant in der Königstadt eingenommen. — Hierauf brachte der „St. A." folgendes Dementi: „Die angeblich der „Neuen Börsenzeitung" entnommene und in verschiedene Zeitungen übergegangene Notiz, wonach Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Wilhelm bei Gelegenheit eines Ferienbesuches im Kronprinzlichen Palais von einem Schüler des Casseler Gymnasiums begleitet gewesen sein soll, beruht, wie wir auszusprechen ermächtigt sind, lediglich auf Erfindung." — Am drolligsten geberdet sich bei dieser Gelegenheit die Weserzeitung. Ihr A Correspondent schreibt vom 8. d. sittlich entrüstet aus Berlin: „Als einen neuen Beleg für die unglaubliche Dreistigkeit, mit der eine gewisse Presse zu Werke geht, wenn es sich für sie darum handelt. aus wohlverstandenem eigenem Interesse dem Dünkel guter Freunde und Glaubensgenossen zu schmeicheln, theile ich Ihnen hier im Gegensätze zu meinen sonstigen Gewohnheiten das solchen Zwecken dienende Elaborat eines Berliner Börsenblattes, der „Neuen Berliner Börsenzeitung" mit, namentlich auch deßhalb, weil die Sache für das tiefer blickende Auge einen leider nicht unscheinbaren politischen Kern besitzt. Das