Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1876)
- Date
- 1876-06-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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550 doch gilt es eine der heiligsten Angelegenheiten des Lebens, die religiöse Bildung unserer Jugend. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die bisher erreichten Zugeständnisse — abgesehen von dem humanen in den gegenwärtigen Regierungskreisen herrschenden Geiste — theilweise den Vorstellungen zuzus^reiben sind, die in der öffentlichen Presse wie in Petitionen an die Königl. Regierung gerichtet wurden. Bleiben wir nicht auf halbem Wege stehen. Nirgends mehr als bei der in Rede stehenden Angelegenheit ist Halbheit schädlich. Die nachtheiligen Folgen der oben erwähnten ministeriellen Entscheidung für Disciplin und Erfolg des Religionsunterrichtes brauchen nicht erst abgewartet zu werden, sie sind mit Sicherheit voräuszusehen. Erheben wir von Neuem ohne Zögern gemeinsam unsere Stimme um völlige Gleichstellung des jüdischen Religionsunterrichtes mit dem christlichen. Lassen wir uns nicht durch das Bedenken abhalten, daß sie ungehört verhallen werde. Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Wir haben bereits eine Petition in dem angedeuteten Sinne vorbereitet, die wir in den nächsten Tagen an das Kultusministerium absenden werden und fordern dringend alle in der wichtigen Frage interessirten Gemeinden auf, sich unsrem Vorgehen anzuschließen. Sollten die gethanen Schritte nicht den gewünschten Erfolg haben, so erscheint es geralhen, die Angelegenheit in der nächsten Session vor das Abgeordnetenhaus zu bringen. Kattowitz O/S-, den 12 Mai 1876. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde S ck a l s ch a. Dr. Jacob Cohn, Rabbiner. Hannover. Nach dem zweiten Rechenschafts- Bericht über die Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover hatte diese Kasse eine Einnahme von 8128 Thlr. und eine Ausgabe von 66 Thlr. und besitzt nunmehr ein Vermögen von 9896 Thlr. Unter den Beiträgen ist besonders hervorzuheben ein Geschenk des Kaisers im Betrage von 120 Mark, welches der Kasse durch den Herrn Oberpräsidenten zugegangen ist. Nach Maßgabe der Statuten fällt das ganze bis zum Schluß der Sammelp-riode — dem 1. Juli 1876 — angesammelte Vermögen dem nicht angreifbaren Fond zu. Die Kasse wird demnach beim Beginne ihrer Wirksamkeit ein Grundcapital von über dreißigtausend Reichsmark besitzen; ein an sich wie im Vergleich mit andern ähnlichen Anstalten gewiß höchst erfreuliches Resultat, das für die Teilnehmer derselben die besten Aussichten auf ausreichende Pensionen eröffnet. Um so auffallender ist es, daß die Zahl der Mitglieder nicht zugenommen hat. Es sind deren auch jetzt nur 19, indem für einige neu Eingetretene andere ausgetreten sind, wegen Versetzung rc. Der Direction könnte das, im Hinblick auf weitere Ansammlung des Vermögens und Minderbelastung der Kasse, nur erwünscht sein. Von den Lehrern und Beamten aber, denen die Kasse eine bis zu zwei Drittel ihrer Diensteinnahme betragende Unterstützung, nicht nur für ihre Hinterbliebenen, sondern auch für sich selbst bei eintcetender Krankheit und Invalidität, in Aussicht stellt, ist es unbegreiflich, daß sie nicht die Gelegenheit benutzen, gegen einen verhältnißmäßig geringen Beitrag sich für die Zukunft zu sichern. Die Gemeinden ihrerseits sollten ernstlich darauf halten, daß alle ihre Beamten der Kasse beitreten, um sich gegen schwere Belastung zu schützen, die definitive Anstellung und die Verheiratung der Lehrer auch in kleinern Gemeinden zu ermöglichen und damit ihre Stellung zu heben und der Lehrernoth auf das Wirksamste abzuhelfen. Eine Zahlung der betreffenden Beiträge aus der Gemeindekasse würde sich zu dem Behufe eben so sehr empfehlen, als Uebernahme fester, wenn auch mäßiger Beiträge auf das Gemeiudebudget — was leider bis jetzt nur von wenigen Gemeinden geschehen ist. " Wir dürfen diese, wie jede anderweitige Förderung dieser Kasse vertrauensvoll dem bewährten Wohlthätigkeitssinne an's Herz legen, in der festen Ueberzeugung, daß durch dieselbe einer der edelsten Zwecke gefördert wird. R u m ä u i c n. Bukarest, 30. Mai. Der Finanzminister Bratianu wird wahrscheinlich mit dem ihm votirten Anlehen von 16 Millionen Fiasco machen. Das betreffende Projekt gestattet der Negierung, Tresor- Bons bis zur erwähnten Summe zu emittiren; um dies zu können, müssen Subscriptionen erfolgen; sie sind auch ausgeschrieben worden, aber —' die Subscribenten wollen sich nicht finden. Von den 16 Millionen sollen bis jetzt 21,000 Frs. gezeichnet sein. Namentlich sollen es die hiesigen Israeliten sein, welche die Theilnahme an dem Anlehen verweigern. Es wäre, wenn es sich wirklich so verhält, kein großes Unrecht von diesen Leuten, wenn sie dem Herrn Bratianu, mit dessen Gelangung zur Macht auch ihre Verfolgung und Unterdrückung begann, ihre Kassen nicht öffnen wollten. Indessen wäre es doch zu wünschen, daß angesichts der äußerst kritischen Lage unseres Marktes das Anlehen reussire.