Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1876)
- Date
- 1876-06-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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545 theils an den Kapitalschulden der letzteren sollen fortan für den Fall der ersten künftigen Wohnsitzveränderung im Sinne des §. 2 des gedachten Gesetzes, auch auf diejenigen Juden Anwendung finden, welche, ehe diese Wohnsitzveränderung erfolgt, aus der Synagogengemeinde ihres Wohnortes im Großherzogthum Posen, auf Grund des gegenwärtigen Gesetzes ausgetreten find. Die nach §. 6 dieses letzteren dem Ausgetretenen obliegende fernere Beitragsleistung erlischt aber beim Eintritte der Verpflichtung derselben zur Ablösung nach dem Gesetze vom 24. Mai 1869. §. 8. Vereinigen sich die Ausgetretenen behufs dauernder Einrichtung eines besonderen Gottesdienstes, so können denselben durch Königliche Verordnung die Rechte einer Synagogengemeinde beigelegtwerden. §. 9. Hinsichtlich des Austritts aus der jüdischen Religionsgemeinschaft (dem Judenthume) bleibt es bei den Bestimmungen des Gesetzes vom 14. Mai 1873, betreffend den Austritt aus der Kirche. Die, nach §. 6 lit. b. des gegenwärtigen Gesetzes, den aus einer Synagogengemeinde ausgetretenen Juden obliegende besondere Verpflichtung wird durch den nachträglichen Austritt derselben aus dem Judenthume aufgehoben. §. 10. Alle diesem Gesetze entgegenstehenden Bestimmungen werden hierdurch außer Kraft gesetzt. > ß. 11. Der Minister des Innern und der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten sind mit der Ausführung dieses Gesetzes beauftragt. Urkundlich rc. rc. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hagenait (Elsaß). Wir vernehmen mit großem Vergnügen, daß der Friede innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Hagenau wieder hergestellt ist. (Un. J.r.) Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Lemberg, 28. Mai. In Folge der Erledigung von vierundzwanzig curulischen Stühlen wurden die Ergänzungswahlen für die hiesige Stadtvertretung, deren dreijährige Mandatsdauer erst im Februar künftigen Jahres abläuft, auf den 6. Juni l. I. anberaumt. Die Gemeinderathswahlen, welche hier früher bei dem sprichwörtlich gewordenen Jndifferentismus der Wählerschaft äußerst ruhig zu verlaufen pflegten, haben bei uns erst seit drei Jahren ein größeres Interesse und bekanntlich auch eine mehr als locale Bedeutung erlangt. Das Verdienst aber, die hiesige Wählerschaft aus ihrer langjährigen Apathie aufgerüttelt zu haben, gebührt unstreitig dem Herrn Dobrzanski und dessen biederen Gesinnungsgenossen, welche — durch die mit gesteigerter Energie gegen Juden und Liberale betriebenen Verhetzungen — an den arg mißleiteten und bethörten Vorstadtbürgern pflichteifrige Bundesgenossen gewannen. Auf dieser Weife gelang es nun dieser Clique, zahlreiche unlautere Elemente zur Wahl heranzuziehen und hierdurch der fortschrittsfeindlichen Partei zum Siege zu verhelfen. Selbstverständlich wurden die Juden zur Strafe für ihre Verfassungstreue beinahe gänzlich aus der Gemeindevertretung eliminirt. Die demonstrative Ausschließung der Juden von der hiesigen Communal-Vertretung hatte aber zur Folge, daß bei den Gemeinderathswahlen in Buczacz, Szczerzec, Kolomea, Horodenka, Nadworna, Brzesko, Mikulince und in vielen anderen Städten Ostgaliziens, in welchen die jüdische Bevölkerung über die Majorität verfügt, hinsichtlich der polnischen Wählerschaft der umgekehrte Vorgang beobachtet wurde. Nur dem Eingreifen der einsichtigeren Parteiführer ist es zu danken, daß diese Vorgänge, welche bald zu einem bedauerlichen Racenkampf ausgeartet wären, vorläufig in der gegenseitigen Annäherung beider Parteien einen theilweise befriedigenden Abschluß fanden. Bei den bevorstehenden Ersatzwahlen für die Lemberger Gemeindevertretung wird es sich nun zeigen, ob die Drachensaat, welche das Organ des hiesigen Mob ausstreute, noch fortwuchert, oder ob auch schon bei unseren berüchtigten Hetzern die Besonnenheit endlich eingekehrt ist. Rumänien. Bukarest, 5. Juni. Die französische Regierung lehnte, zufolge einem Telegramm der „D. Z.", den von Rumänien gewünschten Abschluß eines Handelsvertrages wegen der Restriktionsgesetze ge gen die Juden entschieden ab. Italien. Turin. Die hiesige jüdische Gemeinde ist in großer Verlegenheit. Sie hat vor Jahren schon begonnen, einen großartigen Tempel zu errichten.