Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1876)
- Date
- 1876-06-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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526 stand aufmerksam gemacht, wonach beim Religionsunterricht Schüler verschiedener Confesstonen vereinigt und in Folge dieses isr. Schüler gezwungen sind, dem von den Geistlichen anderer Confessionen zu ertheilenden Religionsunterricht zu folgen resp. zuzuhören. (Un. isr.) Paris, 25. Mai. Das „Bien Public" richtet folgende Fragen an die Regierung: „Ist es wahr, daß der General de Geslin (Platz-Commandant von Paris) zu den bürgerlichen Leichen - Begängnissen Emissäre sendet, die ihm die Offiziere^ und Soldaten bezeichnen sollen, welche diejen Leichen- Begängnissen in Uniform oder in bürgerlicher Tracht anwohnen? Ist es wahr, daß diese Soldaten und Offiziere bestraft werden, wenn sie einem bürgerlichen Leichen--Begängniß anwohnen? Ist es wahr, daß der jüdischen oder der protestantischen Religion angehörende Unteroffiziere ihres Grades beraubt wurden, weil sie sich weigerten, bei einer katholischen Ceremonie einen Zug zu commandiren? Ist es wahr, daß gewisse Offiziere sich weigern, auf den Registern der jüdischen oder protestantischen Soldaten eine andere Religion einzuschreiben, als die katholische? Ist es wahr, daß man den jüdischen und protestantischen Soldaten verbietet, den Leichen-Begängnissen ihrer jüdischen oder protestantischen Verwandten anzuwohnen? Ist es wahr, daß die jüdischen und protestanischen Soldaten von den Almoseniers, die sie um jeden Preis bekehren wollen, fortwährend belästigt werden?" Paris. Die diesjährige Wohlthätigkeitslotterie hat ein schönes Resultat erzielt. Es ist den derselben vorstehenden Damen gelungen 75,000 Billete ä 1 Frank unterzubringen. (IXn. isr.) Deutschland. Berlin, 31. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat nun das Gesetz in allen drei Lesungen angenommen. Im Herrenhause sollte die Berathung am Montag, den 29. d. Mts. statt finden; aber sie konnte nicht sein, da keine „Herren' da waren, das heißt, nicht so viel, als zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind. Das Haus hat sich daher bis nach den Pfingstferien vertagt. Feuilleton. Proselyteo. Von Friedrich Rott. III. „Ja, ja, mein theures Fräulein," begann der Doctor, nachdem er einige Minuten in tiefem Sinnen dagesessen, „ja, ja, Sie in Ihrer Unschuld haben sicherlich gar nicht daran gedacht, was Alles Sie benöthigen, um mit erwünschtem Erfolg Ihren Plan durchzuführen." Antonia schaute ihn einigermaßen betroffen an. »»Ich glaube, wenn Sie, Herr Doctor, uns getraut haben werden, so wird wohl kein Mensch es wagen, meinem Kinde das Erbe seines Vaters streitig zu machen."" „Sehr wahr, verehrtes Fräulein, jedoch nur in der Voraussetzung, daß bei der vorzunehmenden Trauung allen vom Staate vorgeschriebenen Formalitäten Rechnung getragen." „„Herr Doctor werden sicherlich nichts versäumen,"" stammelte Antonia, von Neuem erbleichend. Seine Ehrwürden zuckten die Achseln. „Versäumen, nichts versäumen — ja, wenn Alles in vorgeschriebener Weise vor sich gehen sollte, so wäre es rein unmöglich, Ihrem Wunsche zu entsprechen. — Doch, beruhigen Sie sich, Theuerste," fügte er hinzu, als er die sich noch steigernde Erregung seiner Begleiterin gewahrte, „fassen Sie Muth; ich hoffe, es wird mir gelingen, ohne Verzug Dispens vom Aufgebot zu erlangen. Mein Freund ist eben so human als liberal und hat ein äußerst teilnehmendes Herz." „„Wenn Herr Doctor es für gerathen halten, wollen Sie gefälligst Ihrem Freunde die Versicherung geben, daß ich mich sehr, sehr dankbar zeigen werde — ich habe zwar im Moment nichts bei mir, doch wenn Euer Ehrwürden sich für mich verbürgen wollten — "" Der Doctor verneigte sich zustimmend. „Schau, wie trefflich der Bursche fährt, da sind wir ja schon. He, Kutscher, anhalten!" Er klopfte an die Scheiben, daß sie sprangen. „Der Herr hat die Scheiben zerschlagen," murrte der Droschkenführer, indem er den Wagenschlag öffnete. „Es wird Ihr Schaden nicht sein," begütigte der Doctor, indem er seiner Begleiterin beim Aussteigen behilflich sein wollte; doch diese schlüpfte