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Der Israelit · 1876-06-07 · Heft 23 (7.6.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 23 (7.6.1876)
Date
1876-06-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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523 Feuilleton. Pinjamiri. xv. Als sie im Wagen saßen betrachtete Frau Carolina aufmerksam ihren Begleiter. Dieser bemerkte es und fragte: „Sie kennen mich wohl nicht mehr, Frau Hirschfeld?" Frau Carolina besann sich. „Sie sind Theodor Hirschfeld," sagte sie. „Ja," rief er lebhaft, „ich bin Theodor Hirschfeld; ich lebe in Glanz und Reichthum von dem Gelde, das von Gott und Rechtswegen Ihnen und Ihrem Sohne gehört, und Sie — man stößt Sie ins Elend und läßt Sie an den Straßenecken betteln! Mein Vater hat mir gesagt, Sie hätten ein kleines Capital übrig behalten und seien mit Ihrem Sohne in den Odenwald zu Ihrem Bruder gezogen!" Carolina schüttelte den Kopf. „Wo ist mein Vetter Binjamin?" fragte Theodor. „„Er ist in die Welt gegangen; ich weiß nicht, wohin."" Der Wagen hielt. Carolina war so schwach, daß sie kaum gehen konnte; Theodor führte sie, nachdem er den Kutscher bezahlt hatte, die Treppe hinauf. Er schaute sich in der leeren, ärmlichen Wohnung um und seufzte. Dann nahm er zehn Zehnguldenscheine aus seiner Brieftasche und legte sie auf den Tisch. „Frau Hirschfeld," sagte er, „kaufen Sie dafür das Nothwendigste: Speise, Trank, Feuerung, Kleider. Schonen Sie das Geld nicht! Ich will mit meinem Vater reden; es muß in ausreichender Weise für Sie gesorgt werden!" Carolina fing an zu weinen. „Gott segne Sie," sprach sie schluchzend. „Leben Sie* wohl," rief Theodor, „und machen Sie sich keine Sorge; ich komme bald wieder!" Dann eilte er fort, um nicht zu spät auf die Börse zu kommen. Nachdem David Hirschfeld den Prozeß gewonnen und ihm das Vermögen seines Oheims war ausgeliefert worden, war er nach F. gezogen und hatte dort ein großes Bankgeschäft gegründet. Die Häuser, Aecker und Weinberge seines Oheims verkaufte er allmählich. Dagegen hatte er sich in F. in dem elegantesten Theile der Stadt ein sehr schönes Haus gekauft. Bald war er an seinem Wohnorte eine beliebte und geachtete Persönlichkeit. Es gab keine wohlthätige «ammlung, an der sich David nicht betheiligt hätte, kein Armer verließ unbeschenkt sein Haus, Niemand appellirte vergeblich an sein Mitleid; er gab mit vollen Händen gern und freudig. Nur in einem Punkte war er ohne Erbarmen, ohne Mitleid; da half weder Bitten, noch Vorwurf, noch dringende Mahnung. Sobald die Rede auf die Wittwe Philipp Hirschfelds und deren Sohn kam, wurde David sofort heftig; er konnte sie nicht nennen hören ohne aufzubrausen. Das hatte Theodor, Davids einziger Sohn, das hatte Johanna, seine einzige Tochter, das hatte seine Frau nur zu oft erfahren. Sie alle ließen sich durch Davids Heftigkeit einschüchtern, nur einer nicht. In H. wohnte ein Mann, Rabbi Oscher Goldau hieß er, der ein Cousin der Frau Hirschfeld war. Beide Familien waren früher sehr befreundet gewesen, und David hatte großen Respect vor Rabbi Oscher's talmudischem Wissen und seiner unerschütterlichen, aufrichtigen Frömmigkeit. Herr Goldau war Kaufmann und nicht ganz arm; früher, als David sich häufig in Geld-Verlegenheiten befand, hatte ihm Rabbi Oscher öfters mit kleinen Darlehen ausgeholfen. Dieser Rabbi Oscher hatte David die bittersten Vorwürfe gemacht, als er das ungeheure Vermögen seines Onkels in Besitz nahm. „Du beraubst den rechtmäßigen Eigenthümer, dem nach Gottes Gesetz die Erbschaft gehört," hatte er gesagt. Als nun David in der von ihm beliebten Manier behaupten wollte, daß, da Philipp ein von der Bahn der Tugend abgewichenes Mädchen geheiratet, das Erbrecht Binfamins zu bezweifeln sei, da war Rabbi Oscher böse geworden. „Das sind Flausen," sagte er, „das müßte doch erst bewiesen werden, und da ließe sich schwerlich etwas beweisen. Aber Du thust offenbar Unrecht; ich kann Dir nicht helfen, es ist das mein Urtheil, und ich halte mich verpflichtet, es auszufpreckien." David wurde sehr böse über feinen aufrichtigen Vetter und brach seden Umgang mit ihm! ab. Als Theodor von der Börse nach Hause kam und zu Mittag gegessen hatte, erstattete er seinem Vater Bericht über die Geschäfte, die er abgeschlossen. „Vater," sagte er dann, „der Wittwe Philipp Hirschfeld r soll es sehr schlecht gehen." „Meinetwegen," entgegnete David, „möchte

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