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Der Israelit · 1876-06-07 · Heft 23 (7.6.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 23 (7.6.1876)
Date
1876-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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522 68 a, Jebamoth 23 a, und Jerusch. Kiddufchin, Abschn. 3, Halacha 15, codifizirt Maimou. Hilchoth Jssure Biah, Abschn. 15, Hal.4, Abschn. 12, H.z. u. Hilchoth Jibbum, Abschn. 1, H. 4, ebenso Eben Haöser § 8 — der Sohn einer Nichtjüdin als Nichtjude und bei seinem Eintritt ins Judenthum als gewöhnlicher Proselyt aber — nach Jebamoth 46 b, noch deutlicher und entschiedener Jerusch, Kiddufchin. Abschn. 3, H. 15, codificirt Maim. Iss. Biah, 13, 6, Jore Dea § 268 — ohne vorhergegangene Beschneidung nicht ins Judenthum ausgenommen werden darf: so habe ich entschieden, daß der Knabe zu keiner religiösen Funktion zuzulafsen sei, so lange er nicht beschnitten ist. Diese Entscheidung sehe ich mich veranlaßt, der Oeffentlichkeit zur' allgemeinen Begutachtung hiermit vorzulegen. Achtungsvoll Dr. Samuel Beck, Rabbiner. Italien. Rom. Das demokratische Kabinet Depretis hat seinen Senatorschub von 25 Würdenträgern und Deputirten vollzogen. Die Negierung ist bei diesen Ernennungen in politischer Beziehung ziemlich unparteiisch zu Werke gegangen. Es ist unter den neuen Senatoren mancher verdienstvolle Mann, der nicht zur Linken gehört. Besonders hervorzuhebcn aber ist bei dieser Ernennung der Eintritt von zwei Juden in den italienischen Senat, Artom un) Massazani, welches zum ersten Male stattfindet. Artom wurde noch vom vorigen Ministerium Minghetti, Massazani vom jetzigen Kabinet vorgeschlagen. Bisher hatte man in höchst inioüeranter Weise die Juden stets von der Senatorenwürde ausgeschlossen, während sie doch zahlreich im Parlament sitzen. Man führt diese Abneigung gern auf den König zurück, dem man auch die Thatsache zuschreibt, daß noch nie ein Jude unter seiner Regierung Minister wurde. England. London. Nach den uns zugesandten Sitzungs- Berichten von der „Anglo-Jewish-Association" vom 3. April und 1. Mai ist diese Gesellschaft mit den Loarä of Deputies in Korrespondenz getreten, um bei Verhandlungen über Angelegenheiten ausländischer Juden eine größere Einigung zu erzielen. Um diese löbliche engere Verbindung beider Körperschaften zu erzielen, wurde ein aus Mitgliedern dieser Gesellschaften bestehendes Comitb ernannt, das weitere Vorschläge zu machen beauftragt ist. Für die Smyrnaer Schule hat die „Anglo- Jew. Assoc. wiederum 70 L. votirt. Rußland. In letzter Zeit haben in mehreren Städten des Reichs zahlreiche Verhaftungen aus politischen Gründen, angeblich wegen Verbreitung revolutionärer Schriften stattgefunden. Am härtesten ist Wilna getroffen, von wo der „Pos. Ztg." folgende, Nachrichten zukommen: „In letzter Zeit haben hier die Verhaftungen eine bedenkliche Ziffer erreicht, wobei zu befürchten ist, daß Dank dem bei uns üblichen Spioniersystem auch viele Unschuldige, die an der Verbreitung der socialistisch-revolutionären Propaganda keinen Antheil haben, in die „geheimen Kasematten" gebracht werden. Unerklärlich bleibt es, daß die zahlreichen Verhaftungen gerade unter der jüdischen Bevölkerung stattgefunden haben und zwar ohne Rücksicht auf Stand und Alter. In den ersten Tagen der jüdischen Osterfeiertage namentlich am 28. und 29. März (alten Stils) hat man in Wilna allein 35 Personen verhaftet. Auch in den kleineren Städten der Provinz sind Verhaftungen erfolgt und die Betreffenden nach Wilna gebracht. Ein Bekannter aus Wilna versicherte mich^ daß die Zahl der Verhafteten bereits vor einigen Tagen auf 56 gestiegen sei. und daß man einen Theil derselben an Ketten geschlossen habe. Die in Wilna befindliche „Talmud-Thora," eine jüdische Schule, in der gegen 60 obdachlose Kinder im Hebräischen, Russischen und später in einem Handwerk unterrichtet werden, ist geschlossen worden. Ebenso ist die bekannte schon seit 126 Jahren bestehende jüdische Druckerei der Gebrüder Rommow geschlossen und versiegelt worden. Nach dem ersten Verhör wurden gleich 16 Gefangene in das Arsenal abgeführt. Die Verhafteten gehören überwiegend dem ärmsten Theile der jüdischen Bevölkerung an, bei vielen hat man verbotene Bücher und komprimitirende Schriften gefunden. In der ganzen Stadt herrscht große Panik, da es dort fast keine israelitische Familie gibt, der nicht ein Angehöriger oder Bekannter entrissen wäre. Jeder sieht mit Angst der Zukunft entgegen. V

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