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Der Israelit · 1876-06-07 · Heft 23 (7.6.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 23 (7.6.1876)
Date
1876-06-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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521 Jawort gesagt. Ein siebzehnjähriges Mädchen, die Tochter eines Bankdirektors, dessen Institut seither den Weg der Liquidation gegangen, wurde sie von einem Millionär heimgeführt, der in Holland zu Hause war. Es war ein blühender junger Mann von innigem, gewinnendem Wesen, dem eine sanfte Schwermuth einen besonderen Zauber verlieh. Die Ehe begann für die Neuvermählte reizend. Nichts trübte ihre Lebensfreudigkeit, auch nicht die Wahrnehmung, die sie mit einigem Bangen hätte beschleichen können, die Erfahrung nämlich , daß in der Familie ihres Gatten schon ein männliches Glied von dem Dämon des Wahnsinns heimgesucht worden. In einer Nacht schlummert die junge Frau süß in dem luxuriösen Schlafzimmer. Da rüttelt es an ihrer Schulter, sie erwacht, und vor ihr steht ihr Mann, bleich und ernst. „Steh' auf," sagte er, „ich muß mit Dir sprechen." Erschrocken erhebt sie sich und folgt ihrem Manne, der sie zur Fensternische führt. Die Fensterflügel sind geöffnet; unten liegt still und menschenleer die Stadt. Auf einem Tischchen ist das große Gebetbuch der Familie aufgeschlagen. „Klara," sagte er mit gedämpfter Stimme,' „heute will ich Dir beweisen, wie sehr ich Dich liebe. Was nützen uns das schöne Haus, die reichen Güter? Glücklich können wir ja doch nicht sein. Komm', wir machen eine Reise vom Fenster hinab, da warret auf uns die Seligkeit. Geliebtes Weib," fährt er, sie umschlingend, fort, „sag' Dein Schemah Israel und komm' mit mir." — Die Frau, die ihm entsetzt zugehört hat, stößt einen Schrei aus und entwindet sich seinen Armen. .Um Gotteswillen/' ruft sie verzweiflungsvoll, „er ist wahnsinnig geworden." Er aber ergreift kräftig ihre Hand und lächelt trüb. „So'muß ich Dich zwingen wie ein unverständiges, geliebtes Kind. Du wirst mit mir gehen, die Frau mit ihrem Manne." Er schiebt das Buch vor sie hin und bestehlt ihr zu beten. „Gut," versetzt sie, „ich sehe ein, daß Du Recht hast; ich will mit Dir sterben. Aber ich kann nicht in dieser Nachtkleidung den Todessprung thun. Ich will das Brautkleid nehmen, in dem ich Dir angetraut worden; so ist es der Ehre unseres Hauses angemessen." — Das leuchtet dem Gatten ein. „So gehe," sagte er, „ich will warten." Im nächsten Augenblicke ist Klara bei ihrem Bette und zerrt mehreremal heftig an dem Glockenzuge, der dort angebracht ist. Sie zittert am ganzen Leibe; weiß sie doch, daß jede Sekunde Verzug ihr den Tod bringen kann. Der Geisteskranke schaute auf. durch das Geräusch aufmerksam gemacht. „Was willst Du da?" schreit er und zugleich stürzt er auf sie zu. Er faßt sie mit starker Faust, um sie zum Fenster zu ziehen. Sie wehrt sich mit der Kraft, welche die furchtbare Todesangst verleiht. Schon sind Beide hart am Fenster, der nächste Augenblick muß das Verderben bringen. Jetzt endlich — es ist die höchste Zeit — erscheinen die Diener, die sich erst den Schlaf aus den Augen gerieben haben. Mit höchster Anstrengung befreien sie die nach Hilfe rufende Frau. Man schickt um Verstärkung und bald umschnürt den armen reichen Mann jenes fürchterliche Kleid, welches der psychiatrische Arzt als äußerstes Mittel gegen den aufgeregten Irren anwendet Ein Jahr ist vorübergegangen. Der Erkrankte hat diese Zeit in einer Heilanstalt zugebracht; er ist wieder Der, der er früher war, nein, mehr noch, sein Blick ist frei und klar geworden, er hat mit der Krise den Keim der Krankheit überwunden, der in ihm geruht. Allein seine Gattin kann an jene schreckliche Nacht nicht vergessen; sie weigert sich, noch länger seine Gefährtin zu sein. — Er zürnt ihr nicht ob dieses Entschlusses, er bietet ihr selbst mit Sanftmuth die Hand zur Lösung des Bandes und verschreibt ihr ein bedeutendes Vermögen für sie und das Kind, das sie ihm während seiner Krankheit geboren. Ja, er geht noch weiter; da die holländischen Gesetze die Trennung nicht gestatten, übersiedelt er nach Oesterreich und erwirbt hier das Staatsbürgerrecht, um dadurch die gerichtliche und dann die religiöse Scheidung zu ermöglichen. Bor acht Tagen nun — seit jenem Ereignisse ist eine Reihe von Jahren verflossen — hat die noch immer schöne Frau sich einem andern Gatten vermählt . . . Prag-Smichow, im Mai. In einem Orte meines Bezirkes liegt folaender Fall vor: Ein Jude ließ sich vor mehreren Jahren taufen, ehelichte eine Nichtjüdin, die ihm einen Sohn gebar, der ebenfalls die Taufe empfing. Nach einer Zeit erkrankte der Vater, und als er sich dem Tode nahe sah, erklärte er seinen Rücktritt zum Judenthume und ordnete zugleich an, daß auch der Sohn in das Judenthum ausgenommen werden solle. Nach dem Tode des Vaters nahmen seine jüdischen Verwandten den Knaben zu sich, meldeten bei der politischen Behörde seinen Uebertritt zum Judenthume an und erzogen ihn jüdisch, versäumten aber bis heute, die Beschneidung an ihm vollziehen zu lassen. Nun wird der Knabe bild das dreizehnte Jahr zurückgelegt haben und da wollte man ihn nach jüd. Brauch zur Thora aufrufen lassen. Da aber nach Mischna Kidduschin, 66 b, Gemara

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