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Der Israelit · 1876-05-31 · Heft 22 (31.5.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 22 (31.5.1876)
Date
1876-05-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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499 Für Carolina begann nun ein neues Leben. Sie arbeitete nicht mehr; dagegen ging sie in die Kaufläden, um ihre Garderobe zu vervollständigen machte Besuche bei ihren Freunden, fuhr mit diesen spazieren. Schnell vergingen auf diese Weise vierzehn Tage. Dann am Tage nach Ultimo, erschien Heinzelmann wieder, er brachte wieder Geld und zwar noch mehr als das erste Mal. „Hier sind 135 Gulden; diesmal habe ich verkauft und die National, verstehen Sie mich wohl National-Anleihe, nicht Nationalbank, sind um IV« Prozent gefallen, macht 150 Gulden; davon Provision und andere Kosten, bleiben 135 Gulden." Er zählte das Geld auf, diesmal in guten Scheinen. Carolina haschte darnach in hastiger Gier. „„Sie machen mich glücklich, Robert!"" sagte sie. . „Ja," declamirte er, „Gold und Silber lieb' ich sehr, könnt' es wohl gebrauchen, hätte ich nur ein ganzes Meer, mich darein zu tauchen." Beehren Sie uns, heute Abend, Carolina, wir haben eine musicalijche Soiree." Carolina lehnte die Einladung ab. Sie sei, sagte sie, noch nicht in der Stimmung, mit fremden Leuten fröhlich zu sein. Das war aber nicht der wahrhafte Grund; sie berechnete vielmehr, daß sie zu einem solchen Abende sich ein Paar neue Handschuhe kaufen, daß sie ein Trinkgeld geben müsse, und es war plötzlich ein Geist der Habsucht und des Geizes über sie gekommen; sie wollte durchaus wieder reich werden. Unterdeß war der Winter herangekommen. Eine leichte Unpäßlichkeit hielt Carolina an das Zimmer gefesselt. Sie sah auch Niemanden bei sich; Heinzelmann ließ sich nicht blicken. In den ersten 14 Tagen fiel ihr das nicht auf; als aber der Medio kam, erwartete sie mit Ungeduld den gewohnten Geldbringer. Allein Heinzelmann kam nicht. „Es wird keine Variationen in den Papieren gegeben haben," dachte Carolina, „und da hat er sie prolongiren lassen." Auch der Ultimo kam herbei, aber nicht Heinzelmann. Da nahm Carolina eine Droschke und fuhr trotz ihres Unwohlseins nach der Friedberger Anlage. Es war ein schreckliches Wetter, es stürmte und schneite bei 10 Grad Kälte. Carolina stieg aus der Droschke und zog die Klingel. Hell und laut ertönte der Schall der Glocke; doch Niemand öffnete. Carolina wartete geduldig. Nach fünf Minuten zog sie auf's Neue die Schelle; lauter noch ertönte die Glocke; aber Niemand öffnete. „Zu wem wollen Sie denn, Madamchen?" fragte ein Vorübergehender, „das Haus steht leer." Carolina traute ihren Ohren nicht. „Das Haus steht leer? Wohin waren Heinzelmann nebst Gemahlin gereist?" Der Kutscher kam ihr zu Hilfe. „Wir wollen in der Nachbarschaft Nachfragen, Madamchen," sagte er. Aber es gab da keine Nachbarschaft. In nächster Nähe befanden sich lauter Landhäuser, deren Besitzer den Winter in der Stadt zubrachten. Nach langem vergeblichem Suchen und Forschen rieth der erfahrene Kutscher der fast verzweifelnden Frau, auf das Polizei -Büreau zu fahren und dort Erkundigungen einzuziehen. Sie that also. Lange mußte sie warten, ehe fie bei dem vielbeschäftigten Beamten Zutritt erhalten konnte. Endlich kam sie vor. „Herr Polizeicommissär," sagte sie, „ich wollte heute Herrn Robert Heinzelmann, Banquier, Friedberger Anlage Nr. 19, besuchen . . . ." „„Und haben das Nest leer gefunden!"" „Sie wissen?" „„Der Schwindler ist heimlich durchgegangen." " „Der Schwindler?" Carolina fühlte sich einer Ohnmacht nahe. Mit Gewalt nahm sie sich zusammen, um sich aufrecht zu erhalten. „„Ja, Madame, der Kerl war ein Schwindler, ein Börsenjobber, der auf die Leichtgläubigkeit seiner Mitmenschen speculirte."" „Und sein Haus, seine Einrichtung, sein Kassaschrank?" „„Das war Alles gemiethet. Das Haus sammt der Einrichtung gehört dem Kaufmann Buttler."" „Und seine Frau?" „„Sie meinen das Fvauenzimmer, das sich bei ihm aufhielt?"" Der Beamte blies auf seine Hand, wie wenn er eine Feder wegblasen wollte. „„Leichte Waare!"" sagte er. „Mein Gott!" schrie Carolina, „der letzte Rest meiner Habe ist verloren!" Sie fiel ohnmächtig nieder. Der Beamte eilte ihr zu Hilfe; er hob sie auf und brachte sie auf ein im Zimmer stehendes Sopha. Ein von ihm herbeigerufener Poüzeidiener besprengte die Unglückliche mit Wasser. Als sie die Augen aufschlug, brach sie in lautes Weinen aus. „„Beruhigen Sie sich!"" sagte der Commissär.

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