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Der Israelit · 1876-05-31 · Heft 22 (31.5.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 22 (31.5.1876)
Date
1876-05-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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498 Wenn Jemand gezwungen werde, zu einer Religionsgenossenschaft beizusteuern, der er nicht mehr angehören will, so sei dies seines Erachtens der größte Gewissenszwang, den man sich denken könne. Hirsch: M. H.! Ich bitte das Amendement Sybel abzulehnen; dasselbe würde offenbar nur den gegenwärtigen Zustand bestehen lassen und allenfalls in Bezug auf die Auseinandersetzung der Gemeindetheile, die sich nun bilde, einen Zankapfel, einen Gegenstand von unausgesetzter Streitigkeit hervorbringen. Ich fürchte allerdings nicht, daß das Haus sich entschließen wird, eine Ausnahmestellung für die Juden beizubehalten, sondern dem Grundsatz aufs Neue Ausdruck geben wird, daß den Juden wie im bürgerlichen und staatlichen Leben so auch in ihren Cultus - Angelegenheiten gleiches Recht und dieselbe Freiheit wie den Angehörigen anderer Confessionen zuertheilt werden soll. Ich will hauptsächlich den Deductionen der ersten Lesung und verschiedenen Ausführungen außerhalb des Hauses enigegentreten, zunächst denen, als würden die Mitglieder der Gemeinden massenhaft austreten, der Gemeindevorstand gefährdet werden, und als ob die ganze Angelegenheit nur eine Geldfroche sei. Herr v. Sybel sprach in der vorigen Lesung von der „Zähigkeit", die das Judenthum durch die Jahrtausende erhalten habe. Diesen Gedanken acceptire ich bereitwillig; ich möchte ihn nur nennen den tief eingepflanzten religiösen Sinn, die Anhänglichkeit an den Glauben und das warme Interesse für die Gemeinde-Angelegenheiten. Dies ist die Grundlage, auf welcher der Bestand der Gemeinde beruht, nicht auf Geldbeiträgen, am wenigsten aber auf dem Zwang, den die gesetzlichen Bestimmungen von 1847 gebildet haben. Wer die Kraft dieser tief begründeten Tendenz leugnet, auch unter Herrschaft dieses Gesetzes , der mißachtet den Werth des Gemeinde. lebenS im Judenthum, und diejenigen Gemeinden, welche gegen das Gesetz petitioniren, sollten wohl bedenken, welches Mißtrauensvotum sie ihren Angehörigen geben. Ich bin überzeugt, das die Gemeinde-Angelegenheiten nicht nur nicht geschädigt, sondern sich viel gesunder entwickeln werden. Ich habe Motive genug dafür anzuführen, wie wenig diese Besorgniß begründet ist. Vor dem Jahre 1847 haben sich die Judengemeinden sehr gut befunden. bevor der Zwang hineinkam, und der Separatismus hat seitdem nicht in dem Maße zugenommen , wie es den Anschein haben mußte, daß er zunehmen würde. (Siehe Schluß der zweiten Lesung und die dritte Lesung in der ersten Beilage.) Türkei. In Serajewo brach dieser Tage im jüdischen Viertel eine FreuerSbrunst aus, welcher 200 Wohnhäuser und 5 Moscheen zum Opfer fielen. Als bei Ausbruch des Feuers von der oberen Festung ein Kanonenschuß das Feuersignal gab, wurde die ganze Bevölkerung von einer unbeschreiblichen Panik ergriffen, weil man allgemein an einen Ueber^all Seitens der Insurgenten glaubte. Die Garnison von Serajewo wird fortwährend vermehrt. Amerika. New-Nork. Wie der New'Aorker Correspondent des „Hebrew" miltheilt, ist man daran auch in der Gemeinde Sharah Tefillah Reformen einzuführen. An derselben ist Rev. S. M. Jsaacs Prediger, der immer als conservativ gelten wollte und der nunmehr in dem dazu ernannten Comite seine Einwilligung zur Abkürzung verschiedener Gebete gegeben hat. Feuilleton. $ inj «min. XIV. „Triumph!" schrie Heinzelmann. wenige Tage nachher, zu Carolina in's Zimmer tretend, „Triumph, Triumph durchs ganze Land! Die erste Schlacht ist geschlagen, der erste Sieg ist gewonnen! Hier sind 77 Gulden. Gestern war Medio. Ich hatte 100 Stück National für Sie gekauft, verstehen Sie, National-Anleihe, nicht National-Bank. Sie sind seitdem um 7/s Prozent gestiegen, macht 87V2 Gulden; davon Provision und andere Auslagen, bleiben 77 Gulden!" Er zählte das Geld in lauter blanken Guldenstücken auf den Tisch. Wohlgefällig strich Carolina es ein. Wie lange hätte sie nähen müssen, um so viel Geld zu verdienen! „„Wie dankbar bin ich Ihnen, Robert,"" sagte sie. „Ja, an der Börse, muß man nur wagen. „Wer wagt es Rittersmann oder Knapp, zu tauchen in diesen Schlund!" Ich wage es, ich hole den goldenen Becher aus der Tiefe, und meine guten Freunde sollen an meinem Glücke Theil nehmen. „Wer nicht die Welt in seinen Freunden sieht, ist werth nicht, daß die Welt von ihm erfahre."

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