Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1876)
- Date
- 1876-05-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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487 sucht sich ebenso eine genaue Kenntniß von der socialen Lage der Israeliten dieser Provinzen zu verschaffen. — Der Oberrabbiner von Constantinopel, officieller Vertreter der Israeliten der Türkei bei der Pforte, ist beauftragt worden, die nöthigen Schritte zu thun, damit die Israeliten dieser Provinzen in alle die, für die ganze übrige nicht muselmännische Bevölkerung derselben ergriffenen oder noch zu ergreifenden Maßnahmen eingeschlossen werden. — Ebenso hat sich das Bezirkscomite der Türkei mit der Angelegenheit der Israeliten von Jemen beschäftigt, die ihre Klagen in dem im Märzbericht enthaltenen Schreiben ausgesprochen haben. Inzwischen ist jedoch dem Hr. Graf v. Camondo, der sich in dieser Angelegenheit an Se. Ex. Riza Pascha gewandt hatte, der Bescheid geworden, daß eine Untersuchung hierüber eingeleitet wurde. (Die Israeliten von Tunis.) Ein Depesche aus Tunis vom 24. März meldet, daß man einen Israeliten aus Algier, Namens Abrah am Nataf, in einem Magazin zu Sfax erdolcht gefunden, daß die städtische Behörde daselbst bereits einige Verhaftungen dieserhalb vorgenommen und daß von diesem Verbrechen dem französischen Consul Kenntniß gegeben worden ist. Motkseille. Dem uns zugesandten Berichte über die Gesellschaft der Wohlthätigkeit und Begräbnisse (Hebra Kedischa Degmilath Hafsadim) für die Jahre 1873 — 1874—1875 entnehmen wir, daß dieselbe seit 1824 besteht, daß diese ihre Wohlthaten über Waisenkinder, Wittwen, Arbeitsunfähige, Kranke u. s. w. sowie über die Verstorbenen ausdehnt. Sie hatte im Ganzen eine Einnahme von 46,415 Fr. und eine Ausgabe von 45,115 Fr. England. London. Aus dem bei der Jahresversammlung vorgelesenen Berichte erhellt, daß die Missionsgeselljchaft im verflossenen Jahre eine Einnahme von 41,000 L., hingegen beinahe 43,000 L. verausgabt hatte. Die Gesellschaft beschäftigt 129 Agenten und besitzet 34 Stationen, aber es wird nicht erwähnt, wie viele Juden sie während dieser Zeit getauft hat. Es ist daher sicher anzunehmen, daß die Bemühungen der Agenten fruchtlos geblieben; denn wir dürfen versichert sein, daß wenn die Gesellschaft für die 43,000 L. nur eine Judenseele gefischt hätte, sie es so auffallend als nur möglich ängezeigt hätte. (Jew. World.) London. Wir wußten nicht, schreibt „Jew. Ehr.", daß die engl. Missionsgesellschaft zur Bekehrung der Juden noch eine Rivalin dahier hat. Der Bericht der Synode der Presbyterian Kirche in England enthält die Mittheilung, daß er für Missionszweckeu eine Einnahme von 1481 L. gemacht worden ist. Welch eine Jagd mag wohl von den Jägern der concurirenden Gesellschaften auf die armen Judenseelen angestellt worden sein, und welch eine Enttäuschung muß es für diese tapfern Ritter sein, auch nicht das Geringste erzielt zu haben. London. Der berühmte Arzt Dr. Richardson, von dessen Vortrag über die Sterblichkeit der Juden wir erst jüngst berichtet haben, drückt sich in seinem neuesten Werke „Diseases of Modern Life" über die Lebensfähigkeit der Juden folgendermaßen aus: Es gibt kein Zeichen, es ist keine Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die größere Bildung der physischen Kraft die Dauer eines Wesens begünstigt hat. Die Beobachtungen, welche die Aerzte der griechischen, römischen, arabischen und italienischen Schule bezüglich der physischen Uebung und der Krankheiten anstellten, ergaben, daß solche Uebung frühreifen Verfall und frühen Tod nach sich zieht. Die Thatsachen, welche in neuerer Zeit aus der diesbezüglichen Statistik dieses Landes sowie Frankreichs und Preußens resultiren, führen ebenfalls zu den unvermeidlichen Schlüssen, daß physische Bewegung von außerordentlicher Dauer durchaus nicht Gesundheit und Länge des Lebens zur Folge hat, und daß in jedem Lande der Werth des Lebens beeinflußt wird, und zwar günstig, durch die Reduktion der Verschwendung physischer Kraft. Die auffallendste Thatsache dieser Art gewährt die jüdische Race. In keiner Periode der Geschichte dieses wunderbaren Volkes feit seiner Zerstreuung entdecken wir die leiseste Annäherung zu irgend einem Systeme, welches sich auf die Entwicklung der physischen Fähigkeit bezieht. Seitdem die Juden besiegt wurden, trugen sie niemals aus freier Wahl Waffen, suchten auch keine Auszeichnung in militärischer Tapferkeit, sie sind während ihrer langen Wanderschaften wenig in den öffentlichen Ruhm der Länder, in denen sie wohnten, eingeführt worden; ihre tigenen Befehle und auf die Gesundheit bezüglichen Gesetze, in anderen Beziehungen vollkommen, sind, was die besonderen Mittel der Entwicklung der körperlichen Kraft und Gestalt betrifft, unbestimmt, und die Thatsache bleibt, datz^ sie als Volk niemals forderten, was als hoher physischer Standpunkt angesehen wird. Um offenherzig zu fein, muß man zugeben, daß wahrend ihrer höchst strengen Ver-