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Der Israelit · 1876-05-24 · Heft 21 (24.5.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 21 (24.5.1876)
Date
1876-05-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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486 stein und Herr Akiba Lehren gegen diese Ansichten auf. Diese Herren begründeten, daß bei einer Unterrichtszeit von 16 Stunden in der Woche kein Grund vorliegt, um die Erlernung des Pentateuchs, der ' Mischnah und des Raschi - Commentars zu verdrängen. Die Erfahrung hat ihnen gelehrt, daß durch den Unterricht in beregten Fächern, bei der Jugend der Sinn für jüdisches Leben erhalten wird. Obgleich die genannten Herren ihre Ansichten ganz objektiv zu erkennen gaben, wurden sie dennoch von den Schülern und Freunden des Herrn vr. Dünner vielfach persönlich angegriffen. Ich will auch dahingestellt sein lassen, was die Herren damit beabsichtigen. So viel ist sicher, und das muß sich jeder Unparteiische sagen, daß die Herren Oberrabbinen Lehmans und Behrenstein ihre Grundsätze vertheidigt , während die Anhänger des Herrn Oberrabbiner vr. Dünner durch ihre persönlichen Angriffe zur Förderung der Ansichten ihres Führers gewiß nichts beigetragen haben. Frankreich. Paris. Wir erfahren, schreibt der „Univ. Jsr.", daß das Consistorium beschlossen hat, daß alle die als Wähler betrachtet werden, welche sich bis zum 31. Mai erklärt haben, in dem neu zu eröffnenden Tempel in der Straße 668 Tournelles einen Platz zu nehmen, ebenso die, welche bio zum gleichen Datum zu einer der Wohlthätigkeitsanstalten im Ressort des Consistoriums einen Beitrag leisten. Herr Ernest Hendls, Schwiegersohn des Herrn Albert Cohn, ist zum Präfecten des Departements Ionne ernannt worden. Paris. (Monatsbericht (Aprils der „Alliance JSr. Univ.". Schluß.) Nach Vorstehendem wird es nicht uninteressant sein, folgende Stelle aus einer, von dem Deputaten und Unterrichtsminister H. Carp am 29. Juni 1875 in der Kammer bei Gelegenheit der Debatten über den österr.-rumänischen Handelsvertrag gehaltenen Rede zu citiren: Glauben Sie, daß Sie die Judenfrage durch Gesetze und Reglements entscheiden können? Nein... Acht Jahre sind es, seitdem sie durch Mittel der Unterdrückung kämpfen, und was haben Sie, erreicht? Nichts, absolut Nichts. Wissen Sie wie Sie diese Frage entscheiden können? Ich will es Ihnen sagen. Gestatten Sie mir, vor der Kammer eine Thatsache anzuführen, die sich in dem Jugendverein zu Jassy zugetragen hat. Wir hatten eines Abends die Judenfrage bis 3 Uhr Morgens discutirt, ohne uns gegenseitig überzeugen zu können, wie dies immer der Fall ist, wo die Leidenschaft sich hineinmischt Beim Nachhausegehen bemerken wir vor der Thür des Hauses, das wir verließen, einen armen Juden, der in seinem Handwerk arbeitete, 3 Stunden nach Mitternacht, ein wahrhaft Rembrandtsches Bild, während aus einer benachbarten Schenke drei rumänische Arbeiter herauskamen, betrunken und patriotische Lieder singend. Ich machte meine Gegner auf diesen Contrast aufmerksam und sagte zu ihnen: „Da haben Sie die Judenfrage! Wollen Sie die Juden siegreich bekämpfen? Keien Sie arbeitsam, nüchtern, sparsam wie sie, und Sie werden nichts zu fürchten haben." (Murren.) Was ich damals sagte, wiederhole ich heute: Es ist die Concurrenz der Arbeit, worin der Abschluß der Judenfrage liegt. Diese Zeilen stehen im rumänischen Staatsanzeiger Nr. 159, vom Dienstag, d. 22. Juli/3. Aug. 1875. — Vierundzwanzig Stunden später sollten die Israeliten von Tecucz (Rumänien) zwei Mal jene Ueberfalls- und Plünderungs-Scenen sich wiederholen sehen, die das Jahr 1870 für sie gekennzeichnet haben. Ein Schäfer, der in der Umgegend der Stadt umherzog, hörte mehrfaches Stöhnenddem er nachging, und fand in einem Graben ein noch lebendes christliches Kind, welches erklärte, daß der Schuldige fein eigener Vater wäre, den die zweite Frau zu diesem Verbrechen gedrängt hätte. Am anderen Tage verschwand ein anderes Kind, das man jedoch bald im Hause eines fremden Bauern fand; es hatte fich, wie es sagte, verirrt. Trotzdem behauptete man in beiden Fällen, daß hier ein von den Juden begangenes Verbrechen vorliege, daß die Juden zu ihrem Passah Blut brauchten rc Bemerkenswerth ist, daß dieser Vorfall nicht blos mit dem israelitschen Feste, sondern auch mit den Wahlen zusammentraf; die Juden sind die Opfer des Parteikampfes. Auf Veranlassung des Comites von Bukarest (Präs. H. Auerbach) begab sich H. Adolf Weinberg zum Minister H. Catargi, der ihm versprach, Schutzmaßregeln zu ergreifen und ihm die Versicherung gab, daß die Israeliten ruhig sein können. (Die Israeliten der Türkei.) Nach einigen von dem Vicepräs. des Türk. Bezirkscomites, H. S. Fernande;, übersandten summarischen Nachrichten soll es in Bosnien c 700 jüdische Familien mit 1245 Seelen geben, von denen nur c. 100 einigermaßen bemittelt sind, und in der Herzegowina nur 10 jüdische Familien, aus 48 Personen bestehend, die sämmtlich arm sind. H. Fernandez

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