Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1876)
- Date
- 1876-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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474 öffentliche Sicherheit sind. Sie schlossen sogleich ihre Gewölbe in den Bazars und trugen die Leiche des Opfers unter Racherufen und Gesängen durch die Stadt, wobei sie vor mehreren Consulaten anhielten, obgleich der Getödtete tunesischer Unterthan war. Dank der Festigkeit und Mäßigung der Polizei-Agenten hatte dieser Appell an die religiösen Leidenschaften nicht die verhäncmißv ollen Folgen, welche man befürchten konnte und für die die ganze Verantwortung auf die Urheber der Kundgebung zurückgefallen wäre. Nichtsdestoweniger legen mir diese bedenklichen Vorgänge die Pflicht auf, Ihre ernsteste Aufmerksamkeit auf die Gefahren zu lenken, welche mit der Wiederkehr solcher Auftritte verbunden wären. Die Regierung Seiner Hoheit, welche sich eifrigst bemüht, die Ordnung und Sicherheit im Lande aufrecht zu erhalten und allen ihren Unterihanen gleiche Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, kann unmöglich diesen und noch weniger fremden Personen das Recht zu Kundgebungen einräumen, welche die öffentliche Ruhe stören und gar nicht zu entschuldigen sind; sie ist daher fest entschlossen, dieselben nicht zu dulden und derartige Zusammenrottungen nöthigenfalls mit Gewalt zu zerstreuen. Ich wende mich daher an Sie, Herr General-Consul, mit der Bitte, der Regierung Seiner Hoheit in der Verhütung dieser bedauerlichen Auftritte beizustehen und den unter Ihrem Schutze stehenden Israeliten begreiflich zu machen, daß sie kein Recht haben, sich in solche Vorfälle, wie beklagenswerth sie auch sein mögen, einzumischen. General Kheredine. (Ob diese mitgetheilten Thatsachen genau sich so zugetragen haben, wie sie in obiger Depesche seitens der tunesischen Regierung gegeben werden, ist noch fraglich. und wollen wir erst die Berichte, welche an die All. isr. gelangen werden, erwarten, ehe wir ein Unheil abgeben.) Paris. Herr B*edarride, Mitglied des Generalrathes, ist zum Maire (Bürgermeister) der Stadt Aix ernannt worden. Das ultramontane Blatt „Le Citoyen“ zu Marseille hat in Folge dieses gegen Herrn B. einen wüthenden Artikel losgelassen und seinen Zorn über ihn ausgeschüttet, aus keinem andern Grunde, als weil Herr Bedarride Jude ist. (Un. Isr.) Paris. A 15. April waren es 25 Jahre, seitdem Herr I. Federmann, Vorsteher des hiesigen tcn-icn rva ist. Seine zahlreichen Freunde benützten dieses, um diesem verdienstvollen Manne tzurch den Aeltesten der Mitglieder zur Erinnerung an diesen Tag eine goldene Medaille überreichen zu lassen. Herr Rabbiner Weis köpf hielt bei dieser Gelegenheit eine^ mit allgemeinem Beifall aufgenommene Rede. (Univ. Isr.) England. London. In Bezug auf die Nachricht, daß die Pforte geneigt sei, in Syrien und Thessalien für türkische Staatspapiere Staatsländereien abzugeben, har der Großvezier die Mitteilung gemacht, daß die gegenwärtige Zeit nicht geeignet sei, die von Mr. H ömmo nd gemachten Vorschläge zu prüfen; wenn einmal die finanziellen und politischen Fragen des türkischen Reiches wieder geregelt sind, würde sich die Regierung mit diesen Vorschlägen auf's Eingehendste beschäftigen. (Jew. Ehr.) London. Die Uebergabe von 100 L. zu der „Rettungsbootinstitution" (Life Boat Institution), welche von den jüdischen Kindern im Königreiche gesammelt worden sind, bildet den Gegenstand von besonderem Interesse. Es ist die erste derartige Gabe, die von Juden der Nation gesp^rdet wurde. Die Idee, für diesen Zweck eine Sammlung zu veranstalten, ging von dem früheren Editor des „Jew. Ehr.", von dem verstorbenen Michael Henry aus. Asien. Damaskus. Der letzten Choleraepidemie erlagen dahier 9319 Personen, darunter 425 Juden und Christen. Amerika. New-Uork. Nev. S. M. Jsaacs dementirt die einer englischen Zeitung entnommene Nachricht, daß er von der Redaction des „Jew. Mess." zurückgetreten sei. Neiv-Nork. Wiederum ist ein neues jüd. Bl.1t dahier erstanden. Dasselbe nennt sich „The Independent Hebrew" und als Hauptredacteure zeichnen die Herren Dr. S. N. Leo und Dr. De Sola Mendez. In New-Jork erscheinen nunmehr vier jüdische Zeitungen. Feuilleton. Piujamia. XIII. Ein Dienstmädchen öffnete die Thüre und führte Frau Carolina in die erste Etage. Hier