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Der Israelit · 1876-05-24 · Heft 21 (24.5.1876) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 21 (24.5.1876)
Date
1876-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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472 ehrenvolles Andenken in den Annalen des Instituts sichern. An Stelle des Verewigten wurde — und zwar statutengemäß für den noch übrigen Theil seiner Amtsdauer — dessen Sohn, Herr Leo Ellinger, in den Vorstand gewählt. Die den Ehrenmüttern obliegenden Funktionen wurden auch in diesem Jahre von Frau Mathilde Ellinger und Frau Clementine Goldschmidt mit dankenswerthester Fürsorge und zu wahrem Nutzen für die Zöglinge des Instituts versehen. Zu hoher Freude gereicht es uns, außerdem berichten zu dürfen, daß auch Freifrau Mathilde von Rothschild sich bewogen gefühlt hat, das Amt einer Ehrenmutter für das Institut zu übernehmen, und wir begrüßen diese ihre Entschließung mit dem doppelten herzlichen Wunsche, daß es dem Institute recht lange vergönnt sein möge, sich ih-er wohlwollenden Mitwirkung zu erfreuen, und daß ihren humanen Bemühungen zu Gunsten des Instituts stets der lohnendste Erfolg zu Theil werden möge. Die Einnahmen betrugen 21,161 Mk., die Ausgaben 16,105 Mk. M Wetzlar, 5. Mai. In unsere Gemeinde ist Trauer eingekehrt, denn wir haben heute einen Mann zu Grabe geleitet, mit dem zugleich ein Stück Geschichte unserer Gemeinde in dem kühlen Schooße der Erde gebeitet wurde. Herr Herz Haymann ist im besten Mannesalter uns durch den Tod entrissen worden. Der Verblichene war fast 25 Jahre lang als Cultusbeamter der hiesigen Gemeinde im Dienste der Thora und Awodah eifrig thätig gewesen. 17 Jahre lang hat er sich auch dem hiesisigen Wohlthätigkeitsverein "ton nftnsa in Wort und That treu und aufopfernd gewidmet. Besonders als Mohel war er in weiteren Kreisen rühmlich bekannt und hatte einen sehr ausgedehnten Wirkungskreis. Oft wurde er nach Gegenden berufen, die weder mit der Eisenbahn zu erreichen sind, noch Fahrpostverbindungen haben, und so legte er bisweilen weite Strecken zu Fuß zurück, um mso rft’D ausznführen. lieber 500 Knaben sind von ihm in den Dmikx nna ausgenommen worden. Auf vergangenen nat? hatte er bei einem armen Manne, dem einzigen in dem Dorfe wohnenden Jehudi, eine i-i'vd nna angenommen. Trotzdem Herr Haymann sich schon Freitags nicht recht wohl fühlte und der Arzt ihm in Folge dessen die Abreise strengstens untersagte, ließ er sich doch nicht zurückhalten, die Reise zu unternehmen. Am nap '«LM traf er unwohl zu Hause ein und bekam die Lungenentzündung. Rach kurzem, nur viertägigem Krankenlager hat ihn der allgütige Vater im Himmel zu sich abgerufen. Möge Gott die trauernde Familie trösten und ihr Seinen Schutz und heiligen Beistand nicht versagen, die Gemeinde aber vor allem Leiden ferner bewahren. An dem Verstorbenen möge sich das Wort der Thora erfüllen: naai Tpns ■J2DX’ 'n. „Deine Frömmigkeit wird vor Dir hergehen und die Herrlichkeit Gottes Dich aufnehmen!" Möge er eingehen zum ewigen Leben mit den Gerechten und Frommen im Paradiese. Oest er r. -Ungar. Monarchie. Wien. Die Zeitverhältnisse haben auch für die isr. Gemeinde zu Fünfhaus schlimme Folgen gehabt. Sie hatte kurze Zeit vor dem Ausbruche des „Krachs" eine neue Synagoge gebaut, deren Kosten noch nicht bezahlt sind, und es ist leicht möglich, daß die Gläubiger, wenn nicht baldige Zahlung erfolgt, die Synagoge zwangsweise versteigern lassen. Folgender komischer Aufruf wurde unter den Mitgliedern der Gemeinde in Circulation gesetzt: „Glaubensgenossen! Wir sehen uns leider veranlaßt. Euch eine höchst traurige Mittheilung machen zu müssen. Ueber unsere Gemeinde sind Gefahren heraufbeschworen worden, die jedem Manne, der sich Jude nennt, die Schamröthe in'S Gesicht treiben müssen. Unser neues Gotteshaus, unser bisheriger Stolz, wird wegen nicht bezahlter Schulden exequirt. Die Beamten und Diener der Gemeinde haben ihren fälligen Gehalt nicht ausbezahlt erhalten, und weitere Klagen gegen die Gemeinde sind im Zuge. Die Gefertigten, vom Vorstande als Vertrauensmänner eingeladen, haben bis zu dieser Stunde die Gefahr und ihre Bedeutung nicht gekannt, sie war ihnen Geheimniß. Die Mission, die uns zu Theil wurde, mit den Gläubigern ein Arrangement zu treffen, ist uns nur theilweise gelungen, und zur endgiltigen Abmachung bedürfen wir Eures Rathes und Eurer Hilfe. Glaubensgenossen! Ueberwältigt von diesem drückenden Gefühle, sind wir nicht im Stande, Euch heute mehr zu sagen, und wir appelliren an Eure Begeisterung, die sich so oft zu Zeiten der Gefahr eingestellt hat, die das Judenthum so sehr auszeichnet, und — Gefahr ist vorhanden, größer als Ihr glaubt, Gerüchte der mannigfachsten Art schwirren durch die Luft, und es wird Opfer kosten, sie zum Schweigen zu bringen. Wir laden Euch Alle ein, ohne Unterschied des Ranges, arm und reich, einer höchst dringlichen Berathung beizuwohnen, die wir Sonntag, den 23. April d. I., Nachmittags 3 Uhr, im Saale der israelitischen Cultusgemeinde veranlassen. Möge sich Niemand

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