Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1876)
- Date
- 1876-05-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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471 von Israeliten in den Abrahamsbund einzuführen. Ebenso segensreich wirkte er als Mitbegründer und vieljähriger Vorstand und Cassenverwalter des dahier bestehenden Vereins für nk«o rD»n. Mit seiner innigen, keine Opfer scheuenden Hingabe an seinen Glauben verband er einen für seine beruflichen Verhältnisse als Geschäftsmann seltenen Fleiß zur min no5n, sowie er überhaupt alle Pflichten übte, die auf Wohlthätigkeit und Frömmigkeit abzielen. n"3"irj"n. Berlin. Der jüdische Theil der Bevölkerung der Luisenstadt ist gegenwärtig in unangenehmster Weise berührt worden durch einen Beschluß des Kirchenvorstandes der Luisenkirche, wonach der Besuch des Luisengartens, des ehemaligen Kirchhofes an der Sebastianftraße, eines vielbesuchten Erholungsplatzes jener Gegend, den jüdischen Familien nicht mehr gestattet sein soll. Wir erfahren hierüber Folgendes: Alljährlich am 1. Mai werden zum Besuche des Luisengartens 1000 Schlüssel an die Bewohner der Gemeinde ä 3 Mk. an Andere ä 6 Mk. verabfolgt, von welcher Einrichtung auch viele jüdische Familien einen steten Gebrauch gemacht haben. Als dieselben indeß vor einigen Tagen auch für dieses Jahr den Gartenschlüffel vom Küster der Luisengemeinde gegen Erlegung der üblichen Gebühren in Empfang nehmen wollten, eröffnete ihnen dieser in sehr höflicher und theilnehmender Weise, daß er nach einer Anweisung des Vorstandes die Schlüssel nur noch an evangelische Gemeindemitglieder verabfolgen und Israeliten erst dann berücksichtigen dürfe, wenn noch Schlüssel disponibel blieben. — Wir glauben, daß wir uns über diesen Vorgang in der Stadt der „Intelligenz und der Toleranz" wohl jeder Bemerkung enthalten dürfen. M. Berlin, 17. Mai Verwunderung erregt es mit Recht, daß, obwohl derGesetzentwurf wegen Austritts aus den jüdischen Religionsgemeinden schon in den Osterferien eingebracht worden ist, der Präsident des Abgeordnetenhauses die erste Lesung dieses Gesetzentwurfs so sehr verzögert und diesem dadurch die Aussicht auf Erledigung in dieser Session nimmt. Viel später eingegangene Vorlagen sind schon berathen worden. (Frkf. Ztg.) Frankfurt a. M. Dem zweiten Jahresbericht des israelitischen Waiseninstituts zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: Das „Israelitische Waiseninstitut" hat sich in dem nunmehr zurückgelegten zweiten Jahr seines Bestehens einer Entwicklung zu erfreuen gehabt, welche den gegebenen Umstünden einen befriedigenden Rückblick auf die kurze Vergangenheit des Instituts gewährt, wie sie andererseits zu den besten Hoffnungen für das fernere Wachsen und Gedeihen der Anstalt ermuthigen darf. Gern eröffnen wir unsren zweiten Jahresbericht mit dieser Mittheilung, für welche wir auf die menschenfreundliche Theilnahme der geehrten Wohlthäter des Instituts zuversichtlich rechnen dürfen. Wir sind uns in vollem Maße dessen bewußt, wie die durch keine Störung unterbrochene Wirksamkeit desselben nächst dem göttlichen Beistand zumeist dem wohlwollenden Interesse zu danken ist. welches sich unter unsren hiesigen Glaubensgenossen für das Institut bethätigt hat. Mit besonderer Befriedigung dürfen wir darauf Hinweisen, daß jene sanften, edlen Regungen, denen die Seele ganz besonders in den hervorragend freudigen und ernsten Momenten des Lebens sich öffnet und welchen die Menschheit schon manche hochherzige und den Wohlthäter ehrende Stiftung abgewonnen, auch für das Institut nicht fruchtlos geblieben sind. Im Laufe dieses Jahres wurden noch vier Waisenknaben, in der nächsten Umgegend Frankfurts heimathberechtigt, in das Institut ausgenommen, so daß gegenwärtig 7 vater- und 3 elternlose Zöglinge Verpflegung und Erziehung durch das Institut erhalten. Die Gesundheit und körperliche Entwicklung sämmtlicher Knaben ist durchaus befriedigend und auch ihr geistiges Fortschreiten, den individuellen Kräften angemessen, berechtigt zu der Erwartung, daß das Ziel der vollständigen Ausbildung für den bürgerlichen Beruf bei Allen erreicht werde. — Mit dem Bau des Waisenhauses, den wir in dem vorjährigen Bericht in nahe Aussicht stellten, wurde auch bald darauf begonnen, und es schreitet derselbe nunmehr rüstig feiner Vollendung entgegen. Voraussichtlich wird das Haus noch im Laufe des Sommers seinem Gebrauche übergeben werden können, und wir knüpfen daran die frohe Hoffnung, daß damit dem Institut die Möglichkeit einer extensiv und intensiv stärkeren Entfaltung seiner Thätigkeit sich darbieten werde. Einen überaus schmerzlichen Verlust hat die Anstalt durch das frühe Hinfcheidcn des Herrn Philipp Ellinger erlitten, welcher der Verwaltung des Instituts seit dessen Gründung angehört hatte. Der gewissenhafte Ernst, welchen der Heimgegangene überall an den Tag legte, wo es galt, die Angelegenheiten des Instituts zu fördern, und die seltene Klarheit und Einsicht, die ihm zur Seite stand, konnten nicht verfehlen, seinen Bemühungen für das Institut einen hohen und bleibenden Werth zu verschaffen, wie sie ihm ein unvergängliches.