Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1876)
- Date
- 1876-05-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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458 ..gerschulen, welche von israel. Kindern besucht „werden, angeordnet, daß bei Verfassung der Stundenpläne auf das israel. Gebot, am Sabbate des „Schreibens, Zeichnens, überhaupt der Handar „beiten sich zu enthalten, thunlichst Rücksicht zu „nehmen und daß jeder djrecte oder indirekte Zwang „zur Uebertretung dieses Gebotes von Seiten der „Schule zu unterbleiben habe." Auf diesen Erlaß gestützt, können jüdische Eltern in sämmtlich-'N im ReichSrathe vertretenen Ländern jeden Versuch, ihre Kinder zu einer an p"L? verbotenen Thätigkeit anzuhalten, wenn eine solche Maßregel auch von Cultusvorständen oder „Reügionslehrern" gutgeheißen werden sollte, zurückweisen. Möge es Herrn Ignatz Deutsch, der sich bekanntlich schon so mannigfache hohe Verdienste um unsere heiligsten Interessen erworben, noch recht lange beschieden sein, mit so erfreulichem Erfolge für die jüdische Sache einzutreten. Pesth. Die hiesige Neologen-Gemeinde ist bestrebt, auch auf die Simultan-Schulen ihren verderblichen Einfluß zu üben. Und wie geht sie zu Werke? Ganz einfach: Sie entsendet' ihren sogenannten „Real - Lehrer" in die Simultan-Schulen als Religions-Lehrer. Um zu bezeichnen, wie dieser Religions-Unterricht aussieht, möge folgende traurige Thatsache hervorgehoben werden. Der Herr Religionslehrer ertheilt den Religionsunterricht am na», da ja in Wochentagen, sowohl er, als die Kinder anderweitig beschäftigt sind. Bisher war die Sache noch ziemlich gut. Allein der Herr Religionslehrer nimmt am na» das Schreibzeug zur Hand und ertheilt den Zöglingen die verdienten „Noten in Religion." Wir fragen nun: Welche Note verdient ein solcher Religionslehrer? Wir fragen ferner: Was verdient eine Gemeinde, die bestrebt ist durch solche Religionslehrer auch die Kinder der Simultanschulen zu Grunde zu richten? Wir erwarten auf diese Frage keine Antwort. Jeder gesinnungstüchtige Jehudi und wäre er auch nichtorthodox wird sich diese Frage selbst beantworten können! (Schew. Ach.) Aus Westgalizien, 2. Mai. Der Statthalter Graf Potocki begab sich nach Tarnow, um daselbst der feierlichen Grundsteinlegung des neuen Staatsgymnasiums beizuwohnen, welche gestern in üblicher, in festlicher Weise stattfand. Bei der hierauf erfolgten Vorstellung der verschiedenen Corporationen muß es als bemerkenswerth hervorgehoben werden, daß der Statthalter den Professoren den gründlichsten Unterricht der deutschen Sprache in den Schulen ganz besorders an's Herz legte und sein Bedauern aussprach über die bisherige Vernachlässigung dieser, für den weitaus größten Theil der galizischen Bevölkerung so wichtigen Sprache. Der Repräsentanz der vergassungstreuen israelitischen Cultusgemeinde, welche — nebenbei bemerkt — von dem Gymnasial- Direktor Trzaskowski, zu den Festlichkeiten nicht eingeladen wurde, empfahl der Statthalter ein einiges und festes Zusammenhalten bei den bevorstehenden Wahlen und versprach auf ihre Klagen über das Gebühren bei der Tarnower Sparkasse und den städtischen Institutionen Abhilfe. Aus Lomnitz in Mähren vom 25. April wird über einen Scandal in der Judenstadt von einer Local - Correspondenz Folgendes berichtet: Vergangenen Mittwoch zog eine Rotte, zum großen Theile Weber von Profession, lärmend und schreiend nach dem Judenviertel, um dort eine kleine „Hetz" zu insceniren. Lange wollte sich kein des Spasses Würdiger auffinden lassen, bis sich einer in Gestalt des harmlos vor seinem Laden stehenden Kaufmanns L. Vogel zeigte. Herr Vogel ging jedoch auf die Spässe nicht ein, sondern wich ihnen aus. Nun wurde ein anderes Mittel versucht. Ein zehnjähriger Knabe, der sich neuerdings hinzugedrängt hatte, ward das Opfer. Einer der „Herren" schnallte seinen Leibgurt ab und hieb mit der Schnalle desselben den Kleinen über den Kopf, daß derselbe blutend zusammenstürzte. Es entstand ein furchtbarer Lärm, und mehrere handfeste Leute nahmen den Thäter fest, der aus Leibeskräften um Hilfe schrie, „weil die Juden ihn kreuzigen wollten." Seine Collegen eilten zu seiner Rettung herbei, und ein Steinhagel entlud sich über die inzwischen zusammengelaufenen Bewohner der Straße. Viele wurden verwundet und die Fenster der umliegenden Häuser zum größten Theile eingervorfen. Es entstand nun ein Handgemenge, wobei der Urheber des Scandals zu Boden getreten wurde und bewußtlos vom Platze getragen werden mußte. Daß hiedurch der Lärm nur vergrößert wurde, ist selbstverständlich. „Die Juden haben Einen todtgeschlagen!" war das Feldgeschrei. Messer wurden gezogen, und schon waren Mehrere verwundet, als eine starke Gensdarmerie-Patrouille anrückte und den Platz säuberte. Die Menge zerstreute sich, aber nur um sich auf einem benachbarten Platze, ungefähr 150 Mann stark, wieder zu sammeln. Nur mit Mühe gelang es dem inzwischen hinzugekommenen Gemeinderath Herrn Ferdinand Rothenhein, die Menge zum Auseinandergehen zu veranlassen, die wieder in die Judenstadt ziehen wollte, um ihren Genossen zu rächen. Die Untersuchung ist bereits im Zuge, und fand schon gestern das erste Zeugenverhör statt.