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Der Israelit · 1876-05-17 · Heft 20 (17.5.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 20 (17.5.1876)
Date
1876-05-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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453 ren, wahrscheinlich damit sie sich durch einen tugendhaften Lebenswandel hier auf Erden auch das Jenseits erwürben. Die Nachweise, daß der Bräutigam ein Erstgeborener sei, oder die Familie eines Kinderlosen übernehme, mußte erbracht werden, was offenbar nur den Zweck hatte, eine zu große Concurrenz in dem engen Kreise der Beschäftigungen, die dem Juden gestattet blieben, fern zu halten, und war das kostbare Recht der Eheschließung dadurch gewissermaßen zum Fideicommiß gestempelt, was den sonst gering geachteten und schwer gedrückten Juden schier einen gar adeligen Anstrich gab. Nachdem Budweiser die Acten vollkommen entsprechend überreicht hatte, wurde ihm die schöne und lohnende Aufgabe zu Theil, alle Beamten, ohne Ausnahme von David Zehnthomer, den Gasfenmeschores, beginnend, bis zum Gubernialrath hinauf — zu bestechen. Freilich wird der unverständige, nur so leichthin auf die Oberfläche blickende Ungründliche nicht zu begreifen vermögen, wozu es nach so riesigen Opfern, und nachdem alle Zeugnisse in schönster Ordnung, noch dieses Anspornes bedurfte, — aber, mein lieber Leser, das verstehst Du nicht, — wenn ein Prager Jude eine Familiennummer besaß, alle Zeugnisse beilegte und das hübsche Päckchen Banknoten für die Judensteuer deponirt hatte, konnte ihm allerdings die Ehebewilligung unter keiner Bedingung verweigert werden . .* das ist völlig unbestreitbar — aber es handelt sich um das „Wann"? — Mußte nicht vor Allem der würdige David Zehnthomer durch das Geschenk von drei Silberthaler angeeifcrt werden, die Acten sofort an das löbl. Exped. - Amt des Prager Magistrats zu tragen, statt sie monatelang bei sich liegen zu lassen? — und der Referent beim Prager Magistrate, der war ein so vielbeschäftigter Mann, daß er wegen GeschäftsüberbürduuA — aber merkwürdigerweise nur — die G ersuche jüdischer Ehebewerber so lange bei sich liegen ließ, bis ihn diese besuchten — und bei einem solchen Besuche verlor ja der gewissenhafte Beamte immer Zeit, und maßte für diesen verlorenen Tropfen des Zeitmeeres in baaremGelde entschädigt werden, und sogar bei dem Referenten des Landes - Guberniums mußte die billige Bitte um thunliche Beschleunigung mit Gründen von gutem Klange unterstützt werden. Hier traute sich nicht Jedermann persönlich zu erscheinen, da gab es Leute, die es sich zum Erwerbe machten, dort die Geschenke (Bestechung konnte man das nicht nennen, denn diese Geldopfer waren nur ein sanftes Anspornen für die Beamten, ihre Pflicht gehörig zu erfüllen und die Erledigung nicht muthwillig aufzuhalten) zu überreichen. Es ging Dank der Energie Budweisers rasch von statten, und die Ehebewilligung langte in verhältnißmaßig kurzer Frist herab. Die Pflichten des zärtliche» BaterS hatten bei Budweiser nicht jene der Dankbarkeit zurückgedrängt. Er war — allerdings gegen seinen Willen die Ursache gewesen, daß Wodolka nicht gleich zu seinem wohlverdienten Chower gelangte. Eines TageS standen nun Budweiser und Nokouitz sabbatlich gekleidet vor Rabbi Michael Bacharach und verlangten für den wackern Exschneider, wie sie kraftvoll accentnirten, das Chower-Diplom — und er erhielt es auch — ohne daß er sich diesmal, wie er schmunzelnd erzählte, auch nur den Fuß naß gemacht hätte — und was war das für ein Chower? — nicht, daß Ihr glaubt, ein gewöhnlicher , ordinärer. worin nur mit trockenen Worten die Erlaubniß ertheitt wird, „ihn zur Thora und zu allen heiligen Verrichtungen mit dem Titel ha Chower Reb Jakow anzurufen" — o nein! in dem Chower war nebst dieser Formel in schon gereimtem Hebräisch seine Wohlthätigkeit, sein Wohlwollen, seine Menschenfreundlichkeit, seine Gottfreudigkeit bei d;r Ausübung der religiösen Pflichten so herrlich geschildert, daß dieses Document durch eine lange Zeit alle Samstag Nachmittag eine Liebtingslectüre des geschmeichelten Wodolka bildete . . . Chanuka wurde die Hochzeit des jungen Paares gefeiert, und da Nakonitz Wittwer war, wurde das Unterführen^) dem wohlverdienten und höchst geschmeichelten Wodolka und seiner Frau übertragen. In eine Schilderung dieser Hochzeit lasse ich mich nicht ein, die kann sich Jeder nach Belieben selbst ausmalen, aber das kann ich Euch versichern, daß es dabei sehr lustig und gemüthlich zuging. Beim Scheiden dankte Budweiser seinem Nachbar öffentlich mit so schlichten aber zu Herzen gehenden Worten, daß alle Anwesenden Ues gerührt waren, und namentlich die Taschentücher der Frauen im höchsten Grade zur Verwendung gelangten. Simon und Ester wurden ein glückliches Paar. Ecsterer übernahm gemeinschaftlih mit seinem Schwager das schwiegervaterliche Geschäft und Moses Budweiser konnte sich nun zur Ruhe setzen. Da es ihm nun nicht an Zeit und Muße gebrach, war er leicht im Stande, die ehrgeizigen Absichten, die in Jakow Schneider (der Name war ihm doch geblieben) wachten, — wollen wir sagen, denn sie schlummerten ja nicht — kräftig und ergiebig zu unterstützen. Von dem Bleigewichte des 4) Eine Ehrenfunction bei der Trauung, «o jedem der beiden Brautleute ein Ehepaar, in der Regel die Eltern, zur Seite stehen.

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