Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1876)
- Date
- 1876-05-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Flecken sauber ausputzen lassen ... ah! ganz meschuge bin ich heute," unterbrach er sich, „ich bin \a kein Schneider mehr!" „Das, was Du heute an meinem Kinde gethan," begann jetzt Budweiser ernst, und mit der Würde nahm er auch die reinere, edlere Sprachweise an, „ist so viel, daß wenn Du mir auch etwas Uebles in Deinem Leben gethan hättest, Alles, Alles reichlich ausgewogen wird. Ich bleibe für den Rest meines Lebens Dein Schuldner. Du hast meine Seele von einer Last befreit, die mich zuweilen so schwer bedrückte, daß ich zu erliegen glaubte! — und. frag' mein Weib und Kind . . da stehen sie . . . sie sollen's bezeugen, — ob ich je etwas Uebles von Dir gesagt Hab' . . . immer Hab' ich gesagt, e braver, ordentlicher Mensch is Jakow Schnei... Wodolka," verbesserte er sich rasch, aber seine Stimme senkte sich ein wenig und er schlug die Augen mit jungfräulicher Schüchternheit zu Boden, „ein Utam ist er." „Ob ich ein Untam war! ein ganz gehöriger!" stimmte Jakow eifrig zu. Budweiser war ein zu ehrlicher Mann, um irgend einen Groll unbesprochen aus seiner Seele zu entlassen; er wollte sich vollkommen versöhnen, und er fuhr stockend fort: „Nur das letzte . . . das mit dem Bierpardon — das hat mich von Dir überrascht; — aber," fügte er rasch entschuldigend bei, „Du hast damals geglaubt, ich will Dir beimBes- Din schaden, und schon der weise König Salomon sagt: An 6 ksil keewalto 3) . . . aber Du hast Alles wieder gut gemacht, und noch weit darüber hinaus, zweitausend Gulden hätte ich gern für eine Nummer gegeben." „Dreitausend hat er dafür von Reb Bezalel Tausk für seine junge siebzehnjährige Tochter gehabt," warf Simon dazwischen — „und da hat dieser meinem Vater noch ernreden wollen, Red Jakow Wodolka will seinen Schwiegersohn nur aus Freundschaft, weil er etwas verwandt von ihm ist, adoptiren . . ." „Willst Du schweigen, junger Mensch! wo ältere Männer sprechen!" rief.ihm Wodolka zornig zu . . . „also, Bruder Reb Mosche! — Alles zwischen uns vergeben und vergessen?" „Vergeben und vergessen!" und nun ging's nochmals an ein gegenseitiges Küssen und Umhalsen und dann, setzte man sich erst recht nieder und plauderte so recht nach Herzenslust — o! es war ein herrlicher, ein wonnereichec Abend! — und sie hätten fortgeplaudert bis zum Morgen, wenn nicht 3) Begegne dem Thoren in seiner Verderbtheit (in seiner die Oellampen nach und nach erloschen wären. Nun mußte man scheiden. Keiner der Anwesenden konnte vor Freude diese Nacht einschlafen, und Alle waren sie dem gütigen Schöpfer so dankbar, so dankbar, wie es nur gute Kinder dem besten Vater sein können. Zwölftes Capitel. Wenn ich mit feiner, sauberer Schrift hinter das vorangegangene Capitel „Ende" gesetzt hätte, kein billig denkender Mensch auf Erden hätte mir darum etwas anhaben können. Ich habe als pflichtgetreuer Erzähler die Begebenheiten auf einen Punkt gebracht, wo sie ganz gut als abgeschlossen betrachtet werden können. Die beiden gemächlichen Gegner sind versöhnt, die beiden Liebenden können zur Ehe schreiten. Ich glaube, die Majorität meiner lieben Leser und Leserinnen würden mich von der Pflicht, weiter zu berichten, entbinden. Allein es gibt unter diesen — meinen lieben Lesern und Leserinnen nämlich — eine sehr achtbare große Minorität, „die Gründlichen'", welche einen solchen Schluß als einen leichtsinnigen Vorgang des Schriftstellers ansehen, und über jede einzelne Person und deren Schicksale strenge Rechenschaft fordern. Da ich in der glücklichen Lage bin, auch diese befriedigen zu können, will ich es auch gerne thun. Schon den nächsten Sonntag überreichte Budweiser das Einschreiten um die Ehebewilligung seines Schwiegersohnes mit seiner Tochter bei dem Prager israel. Gemeindeamte. Die Beilagen bildeten >in so großes Paquet, daß es eines kräftigen gesunden Jungens bedurfte, sie auf's Rathhaus hinauf zu tragen. Während der österreichische Staat (wir sprechen selbstredend von vergangenen Zeiten, in der Gegenwart ist die volle GbeichberechNguntz in Oesterreich in*der vollständigsten, herrlichsten Weise durchgeführt, in einer Weise, die gar nichts zu wünschen übrig läßt) alle seine Unterthanen in echt stiefmütterlicher Weise vernachlässigte, und sie wie leichtsinnige Mücken, die das Lampenlicht blendet, in den Stand der Ehe fallen und sich die Flügel verbrennen ließen, wurde den angehenden jüdischen Eheleuten übergroße väterliche Achtsamkeit zugewandt. Sie mußten vorerst durch ein Jmpfzeugniß ihre gute Gesundheit, durch ein Schulzeugniß gelöschten Wissensdurst, durch Caution von mehr als zweihundert Gulden Nachweisen, daß sie drei Jahre lang die süße Last der Judenfteuer zu tragen vermögen; und erst dann fühlte sich die väterliche Regierung über die Zukunft der jungen Leute vollkommen beruhigt. Es mußten aber auch Zeugnisse ihr gründliches, religiöses Wissen documenti-