Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1876)
- Date
- 1876-05-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447663--12504-2468332- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
450 Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, im April. Dem unter dem Namen Anastasius Grün berühmten Dichter und Staatsmann Anton Graf Auersperg hat der rühmlichst bekannte hebräische Dichter Moriz Kohn- Bistriz ein hebräisches Gedicht zu seinem siebenzigsten Geburtstage mit den nachfolgenden Zeilen übersandt: Sr. Excellenz Herrn Anton Grafen Auersperg, Graz. Hochgeehrter Herr! Ein Jude, der das schwere Leid Oesterreichs vor und nach 1848 mit Ihnen empfunden und doppelt nachempfunden, da er es auch im Namen seiner Nation tief fühlen mußte, hält es für feine Ehrenpflicht, Ihnen zu Ihrem 70. Geburtstage für die Erlösung zu danken, die mit Oesterreich zugleich dem jüdischen Bestandtheil desselben durch das kühne Wort der Geisteshelden, an deren Spitze Sie stehen, endlich geworden ist. Nehmekl Sie die Strophen als den Ausdruck reiner und unverfälschter Gesinnung; in der deutschen Uebersetzung konnte freilich das wenigste von dem gesagt werden, was ich in die heiligen Lettern hineingelegt. Der Himmel erhalte Sie noch lange zum Heile und Segen Oesterreichs. Ihr dankbar ergebener Moriz Kohn. Darauf erhielt Herr Kohn die nachstehende Antwort: Hochgeehrter Herr! Empfangen Sie aus gerührtem Herzen meinen wärmsten und innigsten Dank, für das schöne, eben so sinnige als gemüth- und bedeutungsvolle Geschenk, mit welchem Sie einen für mich gar wichtigen und erinnerungsreichen Markstein meines Lebens geschmückt haben. Ich verstehe es gewiß im vollen Sinne, daß Ihre Blätter nicht bloS vom Weihekuß der Muse umhaucht, sondern auch von dem Odem eines edlen Seelenlebens erfüllt sind. Wenn ich meine herzliche Danksagung heute nur mit diesen wenigen Zeiten zum Ausdruck bringen kann, so wollen Sie mit freundlicher Nachsicht erwägen, daß ich selbst die wenigen hiezu erforderlichen Augenblicke nur mit Mühe meiner gerade in diesen Tagen sehr in Anspruch genommenen Zeit abzuringen vermochte. Könnte ich nur meine Gefühle mit ganzer Herzlichkeit auch in diese flüchtigen Worte niederlegen. Auf Ihre Nachsicht vertrauensvoll hoffend, mit dem Ausdrucke der ausgezeichnetsten Hochachtung, Hochgeehrter Herr, Ihr dankbar ergebener Graz, 12. April 1876. Anton Auersberg. Sr. Wohlgeboren Herrn Moritz Kohn-Bistritz in Wien. Pesth. Dem Berichte und Verwaltungs-AuSweis der Chewra-Kadischa in Pesth für das Jahr 1875 entnehmen wir: Durch die im verflossenen Jahre andauernd herrschend gewesenen überaus ungünstigen Zeitverhältnisse, sind für die Chewra- Kadischa bei der Ausübung ihrer LiebeSwerke wichtige Aufgaben herangetreten, wo die Chewra-Kadischa innerhalb der Grenzen ihrer heiligen Mission Vieles zu leisten hatte, und dabei als Wohlthätigkeits-Jnstitut in großartigem Maßstabe fich bewährte. Trotz der ungünstigen Zeitverhältnisse besteht seitens unserer Chewra-Mitglieder, die bis allher bekundete rege Theilnahme für unser religiöshumanitäreS Wohlthätigkeits-Jnstitut ungeschwächt fort und übt ihren segnenden Einfluß. Die Anzahl der Stiftlinge ist bis 21 gestiegen, im Laufe des Jahres sind 3 durch Tod abgegangen und es blieben mit Ende des Jahres 18 Stiftlinge in Verpflegung, die seither wieder durch 3 neu Aufgenommene vermehrt wurden. Die Kosten der Siechenhaus-Verwaltung betrugen im vorigen Jahre fl. 7746.46. Die diesfälligen Einnahmen dagegen waren 4268. Was die Ausgaben zur Unterstützung armer Kranken und sonstiger Hausarmen betrifft, so haben wir uns vor Augen gehalten, daß wir die Wohlthat der Unterstützung, in vorderster Reihe unsern hier zuständigen Armen, und ohne ihr Verschulden Unglücklichen in thunlichem Maße zuzuwenden haben. Der Vorstand hat es sich hierbei zur Aufgabe gemacht, allwöchentlich die Kranken und Dürftigen, welche sich an die Chemra-Kadischa wendeten, oder von denen wir sonst Kenntniß bekamen, in ihren Wohnungen aufzusuchen, und sich von deren trauriger Lage selbst zu überzeugen, um sodann nach ihrer Dürftigkeit und Unterstützungswürdigkeit sie der Wohlthaten der Chewra-Kadischa theilhäftig zu machen. — Da hatten wir im jüngstverflossenen Jahre leider nur ein zu großes Gebiet der Thätigkett, und im Hinblicke, daß wir die Unterstützung armer Kranken, als eine der vorzüglichsten Aufgaben der Chewra-Kadischa betrachten, suchten wir nach bestem Gewissen und soweit die Mittel der Chewra-Kadischa es zuließen, nach jeder Richtung hin entsprechend, hilfreichen Beistand zu leisten. Im Ganzen beträgt dieser Ausgabeposten im abgelaufenen Jahre fl. 9285. Der Beitrag von Seiten der Chewra-Kadischa zur Erhaltung des Israeliten - Spitales endlich betrug im Jahre 1875 fl. 9968. Von den im abgelaufenen Jahre vorgekommenen 1329 Sterbefällen sind 774 Verstorbene u. zw. 271 Erwachsene und 503 Kinder auf Kosten der Chewra-Kadischa gratis beerdigt und dafür 9444 fl. verausgabt worden. Die Einnahmen betrugen im Ganzen fl. 69,648, die Ausgaben fl. 67781.