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Der Israelit · 1876-05-17 · Heft 20 (17.5.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 20 (17.5.1876)
Date
1876-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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445 Mosvach a. N., den 9. Mai. Heute schied ein Mann aus unsrer Mitte, um nach Straßburg zu seinen Kindern überzufiedeln, dessen Wegzug bei der ganzen hiesigen Bevölkerung tief empfunden wird. Herr Salomow Siegel, der bei Israeliten und Christen sich eines hohen Ansehens erfreut, bekleidete mit seltenem Eifer acht Jahre lang das Amt eines Vorstehers, war vordem Synagogenrath, Mitglied des Bürgerausschusses, des Verwaltungsrathes der Spar- und Waifenkasse und des Verwaltungsrathes des städtischen Feuerwehrcorps. Der Commandant der Feuerwehr veranstaltete aus Anlaß des Wegzuges zu Ehren des Herrn S. ein Banquet, in welchem eben dieser Commandant, der Bürgermeister, ein Stadtrathsmitglied, ein preuß. Haüptmann und der isr. Lehrer verschiedene Toaste auf Herrn S. wie dessen Familie ausbrachten. Wür wünschen, daß es ihm in seiner neuen Heimath recht wohl ergehe. Berlin. 1. Mai 1876. Am 2. April fand in der Aula der 8/63. Gemeindeschule hier die Prüfung der Religionsschule der Adaß Jisroel statt. Die Leistungen dieser Schule sind sehr bedeutend. Die erste Knaben- und Mädchenklasse zeigten in jeder Beziehung so umfassende Kenntnisse in den ReligionSfachern, daß es wahrhaft zu bewundern ist. Man fragt sich, woher die Schüler die Zeit nehmen, um neben den vielen Aufgaben für die übrigen Schulen, so Vorzügliches in der Religionsschule zu leisten. Andrerseits muß die Methode der Lehrer eine ausgezeichnete sein, da sie in wenigen Stunden wöchentlich so glänzende Resultate erzielen konnten. Der Einladungsschrift zur Prüfung geht eine Abhandlung über den Unterrichtsplan in der Mädchenklasse der Religionsschule von Or. Leo Munk voraus. Verfasser stellt darin einen vollständigen Plan für den Unterricht der Mädchen auf, der um so wichtiger ist, als er sich praktisch bewährt hat. Herr vr. Munk zeigt in der Behandlung der Frage bedeutende pädagogische Kenntnisse. ' Nach der Prüfung fanden verschiedene Deklamationen statt und alsdann die Schlußrede des Herrn Direktor Rabbiner vr. Hildesheimer. Der Verein Sefath-Emeth. über welchen in diesem gesch. Blatte schon mehrfach berichtet worden, hat seine Wirksamkeit letzten Winter noch vergrößert. Jeden Freitag Abend fand ein Vortrag statt. Diese Vorträge waren sehr besucht; der Eintritt ist unentgeltlich und Jedem frei. Kürzlich hat der Verein wieder zwei junge Leute mit der Reife für Secunda entlassen. Alle diese Resultate haben wir vorzugsweise den Bemühungen des Herrn vr. Munk zu verdanken, der sowohl das Direktorat des Vereins führt, als auch die Zöglinge desselben ohne jedes Honorar unterrichtet. Es möge diese öffentliche Anerkennung eine kleine Entschädigung sein, für die vielen Bemühungen, denen Herr vr. Munk sich im Interesse der religiösen Ausbildung der Jugend unterzieht. Berlin. Die beim Bureau des Abgeordnetenhauses eingelaufenen Petitionen für und gegen daS Gesetz betreffend den Austritt aus den israelitischen Synagogengemeinden halten sich ungefähr die Wage. Namentlich sind es die kleinen jüdischen Gemeinden, die sich in Privatbriefen an Abgeordnete darüber aussprechen, und um Ablehnung des Gesetzes bitten, da sie unrettbar alsdann dem Bankerott verfallen müßten. Im Abgeordnetenhause wünscht eine große Partei gründliche commisfarische Vorprüfung des Gesetzes und wird daher vorgeschlagen, die Vorlage an dieJuftizkommission zu überweisen. Tritt das Plenum diesem Anträge bei, so ist bei der großen Geschaftslast des Hauses mit Sicherheit anzunehmen, daß die Vorlage für dieses Jahr unerledigt bleibt. Frankfurt a. M., im Mai. Zur Abstellung solchen Unfugs und Warnung für Andere kann ich nicht umhin, Ihnen einiges aus dem Kreise Großgerau zu berichten. In Dornheim ist nämlich seit Menschengedenken in den Volksschulen Mode, daß alle Schüler „israelitischer Confession" chcistl. kirchlich; Lieder aus dem evangelischen Gesangbuche auswendig lernen und daß die jüd. Eltern natürlich zu diesem Zwecke auch die Gesangbücher kaufen müssen! %udj müssen die jüb. Kinder zuweilen sogar aus dem chriftl. Katechismus (!) lernen. Ja, am Geburtstage des Großherzogs müssen sie sogar in der dortigen evangel. Kirche mitsingen. Dafür haben aber auch die lieben Eltern ihre Freude. Sie bekommen nämlich durch ihre kleinen und ganz kleinen Kinderchen „Bretzeln" heimgebracht! (L im Werthe von ca. 6 Reichspfennig.) Und der Refrain? Man will, um den sogenannten „Frieden nicht zu stören" diesen Gewissenszwang und alles waS drum und dran hangt nicht abgeschafft wissen! 20. April. Gestern bewegte sich ein fast unübersehbarer Leichenconduct durch einige Straßen unserer Stadt. Die sterbliche Hülle einer frommen, würdigen und edlen Frau wurden zu Grabe gebracht. Die allgemein verehrte Frau war die treue Gattin des bereits vor 5 Jahren

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