Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1876)
- Date
- 1876-05-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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434 „Judendecernat" auch heute noch bei allen Bezirksregierungen eine Rolle spielt. Wie die , Klausn. Corresp." meldet, habe der Commandeur eines hier garnisonirenden Garde- Cavallerie-Regiments gelegentlich erklärt» daß er Juden die Aufnahme in sein Regiment entschieden verweigere, weil — dieselben zu viel Geld ausgeben und dadurch zu Extravaganzen Veranlassung bieten. Berlin, 19. April. Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Verschiedene Blätter brachten vor einiger Zeit Mittheilungen über einen Ueberfall duich Wölfe, der sich angeblich im verflossenen Winter in der Nähe von Moskau ereignet hätte und bei dem mehrere mit Namen bezeichnete deutsche Reisende (auch mehrere Israeliten) den Tod gefunden haben sollten. Nach den bei dem auswärtigen Amte eingegangenen zuverlässigen Nachrichten ist das Gerücht von dem in Rede stehenden Unglücksfalle völlig erdichtet. M. Berlin, 25. April. Herr Dr. Barth, Docent am hiesigen Rabbinerfeminar, hat sich kürzlich an der hiesigen Universität habilitirt. Die statutenmäßige Vorlesung vor der Facultät, die schon vor einigen Wochen stattfand, hatt - zum Thema: Die palmyrenischen Inschriften. Wie man hört, hat dieser Vortrag in Gelehrtenkreisen großer Beifall gesunden. Gestern hielt nun Herr i)r. Harth seine erste öffentliche Vorlesung, in welcher er das Culturleben der Araber in der vorislamitischen Zeit eingehend besprach, vr. B. ist Herausgeber und Commentator eines berühmten arabischen Manuscriptes grammatischen Inhaltes und hat vor einiger Zeit die ehrenvolle Aufforderung erhalten, sich bei der Herausgabe eines arabischen Geschichtswerkes, an welchem nur Fachmänner ersten Ranges Mitarbeiten, zu betheiligen. Cassel, 23. April. Bekanntlich hat der hiesige Schivurgerichtshof am 5. d. M. den Taglöhner H. Vinzon aus Waldersberg bei Gelnhausen wegen des in Gudensberq an dem hochbetagten israeliti'chen Ehepaare Elias und dessen Dienstmädchen verübten grausamen Raubmordes zum Tode verurtheilt. Jetzt hat derselbe sein hartnäckiges Läugnen aufgegeben und ein umfassendes, die Anklage in allen ihren Theilen bestätigendes Gestandniß abgelegt. Aus Kurhessen, im April. Die Kämpfe innerhalb des Juce ihu-i s während der l tzt.n Decennien Halen einer Richtung innerhalb d ff eiben einigen Einfluß verschafft, der, wenn man ihm nicht mit allem Ernste überall, wo er sich zeigt oder zu zeigen droht, entgegentritt und ihn lahm zu legen sucht, bedenkliche Dimensionen annehmen karv. Neben der gesetzestreuen und neologen hat sich noch die gusts-milisu-Richtung herausgebildet, die ihrem innersten Wesen nach von der Reform sich durch nichts unterscheidet. Nur im Aeußern ist sie von ihr verschieden, indem sie es versteht, ihre religiösen Grundsätze je nach Geschmack und Bedürfniß der betreffenden Gemeinden zu modisiciren. Wie bekannt, gehören die Rabbiner der Breslauer; Schule fast durchgehends dieser farblosen Richtung an. Wir reden heute speciell hiervon, weil in unserer Nähe eine Rabbinerstelle in der Kürze besetzt werden wird, die zu Marburg nämlich. Da sich ohne Zweifel um dieselbe auch Männer oben bezeichneter Richtung bewerben werden, so möchten wir an dieser Stelle darauf Hinweisen, wie weit es in einer Gemeinde kommen kann, wenn die Grundsätze des Rabbiners nicht mit denen der Tbora harmoniren. Der Rabbiner von Düsseldorf Dr. Wedelt, bekanntlich ein Schüler des Breslauer Seminars, hat daselbst für die Vereinigung des israelikischen Begräbnißplatzes mit dem christlichen Friedhof gestimmt und dadurch die Gemeinde in dieser Hinsicht in zwei Lager gespalten. Wenn unser verehrlicher Vorstand zu Marburg ähnliche Zustände in unserer Provinz nicht herbeigeführt haben will, so warnen wir ihn jetzt bei Zeiten, damit er auf der Hut sei und nur einem anerkannt gesetzestreuen Rabbiner für unsere Provinz berufe. D. Wiesbaden, 2. Mai. Der Kaiser gibt morgen den hier anwesenden Fürstlichkeiten zu Ehren des Königs von Belgien ein großes Abschieds-Diner, zu welchem von auswärtigen Nolabilitäten Frhr. Carl v. Rothschild in Frankfurt mit einer Einladung beehrt worden ist. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Wien, 29. April. Die „Pr." schreibt: „Seit einigen Tagen wird in Finanzkreisen ein Vorfall besprochen,' der sich kürzlich an der Börse abgespielt. Wir meinen nämlich die Affaire zwischen den Banquiers Moriz Freiherr v. Königswarter und Davld Aub. Dieser Letztere hat sich nämlich am 21. d. M, an jenem Tage, an welch m die österreichische Rente um mehr als 2 fl. im Course fiel, an der Börse in Gegenwart mehrerer Banquiers und Specnlanten geäußert, daß jeder Staat den Credit habe, den er verdiene, und Oesterreich allgemein als ein insolventer Staat bezeichnet werde. Dies, sowie ein anderes abfälliges Urtheil