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Der Israelit · 1876-05-10 · Heft 19 (10.5.1876) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 19 (10.5.1876)
Date
1876-05-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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428 Worten! Sie haben ja selbst das Prolocoll geführt . . „Ich habe mir's abgeschrieben," meinte Moscheles. und er zog ein Papier aus der Tasche. „Ich bitte es zu lesen." Moscheles las: „Sie sagen, ich habe monatlich nur fünfzehn Maaß Bier fatirt, man kann in einer Woche fünfzehn Maaß trinken, aber wenn man dann wieder drei Wochen gar keinen Tropfc:: > ber die Lippen bringt, so hat man in dem gaumen -.ouat doch nur fünfzehn Maaß getrunken. ES scheint vorausgesetzt zu werden, daß in-meim n Hause immer gleich viel Bier getrunken wird . " Bndweiser unterbrach Moscheles im Les. l. „Verzeihung! bisher sind's doch nur leere Betro tztungen, nicht wahr? — und Sie werden einr.lumen, daß ich das Alles ganz gut mit HundsZag bekräftigen konnte." „Ja freilich!" crugegnete Moscheles eifrig, „aber um das handelt es sich eben nicht, jetzt kommt erst die Hauptsache," und er las weiter. „Ich kann versichern, meine Herren Vorsteher, und bin bereit, es mit Handschlag zu bekräftigen, — es vergeht auch eine Woche, wo kein Tropfen Bier in mein Haus kommt ..." — „Reb Mosche, seid mir machet, das ist eine Scheker, eine große gewaltige Scheker!" Moscheles hatte erwartet, Budweiser würde auffahren, und er blickte ihm erwartungsvoll in's Gesicht; — aber nur ein überlegenes Lächeln überflog Reb Mosche's Züge. „Daß Sie das Vormittag übersehen haben, wundert mich nicht; daß Sie aber jetzt bei ruhiger Ueberlegung nicht das Richtige finden, - ein Mann von solchem Geist und Scharfsinn setzt mich in Erstaunen. Ha, Herr Vorsteher, es vergeht auch eine Woche, wo kein Tropfen Bier in mein Haus kommt .... Von Erew Peßach bis Achron*) kommt wahrhaftig kein Tropfen Bier in mein Haus — das konnte ich beschwören — und wenn ich Sie darum gebeten hätte, würden S i e selbst dies mit Ihrem Handschlag bekräftigt haben!" „Schomajim woorez!" rief Moscheles überrascht und herzlich lachend, „sind Sie ein schlauer Fuchs! — ach wahrhaftig, Sie nehmen mir eine Centnerlaft von der Brust .... Mir war's unbegreiflich. ja, das konnten Sie leicht behaupten, das war kein Kannte de Rowe1 2), aber — unter 1) Rüstrag des Osterfestes bis zu dem letzten Tage desselben, wo der Genuß des Bieres untersagt ist. 2) Der Talmud bestimmt, daß vor Eidesablegung der Schwörende ermahnt wird, daß eine reservatio mentalis nicht statthaft sei, und ihn von dein Berbrcchen eines falschen Eides und dessen Folgen nicht loslöse. Die Beranlassung zu dieser Bestimmung uns muß der gute Witz bleiben! ... ich will's nicht einmal meinen CoUegen im Amte verrathen; es ist am besten, es bleibt unter uns!" Die beiden Männer plauderten noch lange mit einander. Als Budweiser schied, reichte ihm der Vorsteher die Hand und begleitete ihn bis zur Treppe. Cilftes Kapitel. Es war Herbst und die Tage waren kürzer, die Abende länger geworden. Der herrliche Freitagabend , der im Sommer zu kurz, keine rechte Rolle spielt, gelangte wieder zur Geltung. Reb Mosche Buvweiser sammt Frau und Tochter — der Sohn war wieder nach Leippa zurückgekehrt — saßen nach Tisch plaudernd beisammen. Als Ester einen Augenblick in's Nebenzimmer ging, sich ein Buch zu holen, meinte Budweiser: „Ich weiß nit, was das ist" — zu Hause im gemüthlichen Kreise sprach er, wie wir wissen, Ghetto-Deutsch, — „immer kommt er Freitag Abend zu Tisch, heut' nit! . . . wie ich eine Veränderung bemerk', erschreck' ich und fercht', der Alte will wieder den Schiduch abgehen lassen . . . am liebsten war' mir's," — er seufzte aus voller Brust tief auf — „wenn ich schon die Nummer hätt' und sie schon verheirathet wären; die fortwährenden Sorgen machen mich noch krank. Simon hat gesagt, daß er vielleicht nach dem Essen heraufkommt.." Ester trat wieder ein und hörte die letzten Worte. „Wenn Simon etwas verspricht, so hält er bestimmt Wort," sprach sie eifrig und dabei erröthend. „Hast hitzig gewesen!" lachte Budweiser. „Wenn Du nicht eifersüchtig sein willst, kann ich Dir sagen, ich bin auch verliebt in ihn, und seh' ihn gern Freitag Abmd an meinem Tische; es ist mir ordentlich bang', wenn er fehlt ... es ist so leer, so traurig, wenn er nicht da ist — indessen, was macht Jakow Wodolka und seine Frau? . . . war folgende: vor dem Tribunale des Rowe war ein Mann erschienen , der einen zweiten wegen einer Summe Geldes, die er ihm geborgt und nicht zurückerhalten haben wollte, verklagte. Dem Geklagten wurde der Eld aufgetragen. Bei der Eidesabnahme ersuchte der Geklagte den Kläger, ihm den Stock während des Schwures zu halten, dann beeidete er, „er habe dem Kläger das Geld zurückgegeben". Außer sich vor Wuth. versetzte dieser dein Meineidigen einen derben Hieb mit dem Stocke, so daß dieser zerbrach — und siehe da, in dem hohlen Stabe waren die Goldstücke und der Beklagte glaubte sein Gewissen beschwichtigen zu können, denn er hatte dem Kläger „das Geld in die Hand zurückgegeben".

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