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Der Israelit · 1876-05-10 · Heft 19 (10.5.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 19 (10.5.1876)
Date
1876-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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427 Goltz. Bei Aufzählung dieser Namen habe ich durchaus keine complete Liste ctt* derer zusammenftellen wollen, die sich bei dieser Gelegenheit um die Erstarkung unserer Gemeinde bleibende Verdienste erworben. Ich begnügte mich damit, aus der großen Reihe der Guten einige hervorzuheben. Und nun rufen wir unserm Herrn Oberrabbiner aus vollem Herzen zu: l^nn T35 "jEy 'n 23-n rVrs; Einer im Namen Aller. Feuilleton. Dilder aus drm alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Vers, des „Gabriel" (Fortsetzung.) Zehntes Kapitel. Im ersten Stocke im Vordergebäude von Nummer siebzehn in der Postgasse sah es gar prächtig und elegant aus. Wir 'befinden uns nämlich in der Wohnung des reichen Neb Wolf Moscheles, der ein großer Tuchhändler und, wie wir wissen, auch Rosch hakvbol war; wir haben ihn ja Vormittags in kunetionibus gesehen. Reb Wolf saß rauchend im dritten Zimmer a»f einem blauenPlüsch- Kanapee, als es an der Thüre klopfte, und auf das „Herein" des Hausherrn Budweiser eintrat. „Boruch habo! Setzen Sie sich," sagte der Nasch hakohol. Die beiden Tuchhänd'er hatten in ihren Gesprächen die Gewohnheiten der Kaufleute beibehalten, sie „Jhrzten" sich nicht und sprachen wie die christlichen Kaufleute untereinander per Sie; aber heute war die Begrüßung eine kalte. Budweiser war gewohnt, daß der große Tuchhändler ihm, dem kleineren Eollegen, die Hand reichte, diesmal unterblieb's, und er schien es nicht zu bemerken. „Sie haben mich zu sprechen gewünscht, Herr Vorsteher!" „Ja!" entgegnete dieser. „Ich habe Sie bis heute als einen ordentlichen, anständigen Mann geachtet. — bis heute Vormittag bab' ich geglaubt, Sie sind ein streng gewissenhafter Mensch." „Glaub's noch zu sein, Herr Moscheles," warf Budweiser fast grob dazwischen, sich auf seinem Stuhl aufrichtend. „Nun denn, eben weil mir darum zu thun ist, von einem aäckbaren Kaufmann und College» meine gute Meinung zu behalten, bin ich gezwungen, Sie um eine Aufklärung zu bitten." „Die soll Ihnen werden"' entgegnete Budweiser, um eine starke Nüance höflicher, „und ich! hoffe. sie wird Sie vollständig befriedigen ....! ich glaube zu wissen, um was es sich handelt."! Moscheles klopfte seine Pfeife aus, legte sie! vor sich auf den Tisch und sagte nach einer Pause: „Wir haben Sie heute Vormittags auf die ■ Anzeige unseres Nachbarn, eines komischen aber im! Grunde doch guten Menschen, der seine Meßire,! denn eine solche war es doch, jetzt bitter bereut, - vorgeladen. Wir müssen unsere Pflicht thun, wir! können uns auch dem Fiscus gegenüber nicht helfen."! „Ich weiß." fuhr Moscheles ruhig fort, „daß! wir Juden dem Staate gegenüber keine richtige j Angabe machen können. Unser Geschäft trägt acht! bis neun Proeent, da kann kein Mensch fünfzehn i Procent zahlen. Ich weiß auch, daß die kleinen ■ Steuern womöglich noch drückender und lästiger; sind; der Brcrpardon wird von keinem Menschen i richtig einbekannt. ES war nns bei der heutigen; Vorladung, die erfolgen mußte, weil eine Anzeige vorlag, nur darum zu thun. Sie zu einer höheren Steuer zu veranlassen. Den Handschlag, Tkias kaf. der bei uns Juden als Eid gilt, haben wir Ihnen nicht abgefordert. Sie boten ihn freiwillig an, Sie gaben ihn unaufgefordert — warum haben Sie das gethan? Sie haben eine Aussage mit eidlichem Handschlag bekräftigt. die — es thut mir leid, es sagen zu müssen — unwahr ist. Ich wohne hier im Vorderhause, ich will nicht spioniren, aber ich kann ja nicht die Augen verschließen, und ich weiß, wie viel Bier in Ihrem Hause getrunken wird! — was haben Sie auf meinen Vorwurf zu entgegnen?" Budweiser war bei der Beschuldigung des Gemeindevorstehers purpurroth geworden, aber er ließ ihn erst ruhig zu Ende reden; dann sagte er ernst: „Herr Borsieher! das was Sie im Anfang sagten, ist vollkommen richtig. Die Abgaben, wenn sie in solcher Procenthöhe bezahlt werden sollen, müssen zu falschen Angaben führen . . . Weil wir gerad davon sprechen, die Gemeinde Prag sollte doch beim Kaiser Franz um Erleichterung eiuschreiten; vielleicht hilft es doch etwas . . . aber, Herr Vorsteher , Sie sollen nicht glauben, daß ich der Beantworlung Ihrer Frage ausweichen will, nun gut. den' Handschlag, den ick Ihnen heute gegeben, kann ich vor Gott und Menschen verant- \ \

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