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Der Israelit · 1876-05-10 · Heft 19 (10.5.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 19 (10.5.1876)
Date
1876-05-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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429 die haben nit e mal ein Kind bei Tisch. . . Weil! ich gerade von Jakow red'; — seitdem er mich bei Kohol angezeigt hat, weicht er mir aus . . . e Nar- I rischkat! — er weiß, ich bin kein Nvter we nokem^), | — übrigens hat er wirklich gemeint, ich Hab' ihn I boshafterweis kränken 'rollen . . . über wißt Ihr, j eine Sach' haben wir Rewach^) bei der Maiße — die Thür laßt er in Nuh', die schlägt er nicht wieder zu! — halt, wer kommt da Alles," unterbrach er sich plötzlich. In der That hörte man kräftige Männertritte, und die Thüre öffnete sich und herein traten die beiden Rakonitz, Vater und Sohn, und Jakow Wodolka. dieser hielt eine Schrift ia der Hand. „Gut Schabbos! bruchim haboim, letzt Euch!" rief ihnen der Hausherr freundlich, aber befremdet, entgegen. — Aber die Männer setzten sich nicht; von der kleinen Gruppe löste sich Jakow Wodolka! los, trat an Budweiser heran, schluckte einigemal! heftig, fuhr sich mit der Hand über die Augen —; es sah fast aus als wolle er sich eine Thräne wegj wischen — und begann: * I „Reb Mosche! Du wirst Dich staunen, daß ich auf einmal Freitag Abend zu Dir in Deine; Stub' komm' — und nit more °) Hab', schlägst mir! die Thüre vor der Nas' zu ... ich Hab' Dir sie oft genug zugeschlagen . . Er machte den V:r- \ such, den gclungiNen Scherz zu belächeln, aber es mißlang ihm, weil gleichzeitig eine unberufene Thräne in sein Auge trat. „Aber gegen einen Mechuton darf man nicht grob sein — und . . . ich bin jetzt Dein Mechuton!" Budweiser hatte anfänglich aus Gastfreund-! schüft artig gelächelt, aber am Schlüsse der kurzen! Ansprache war er heftig erschrocken; sollte der ehe-! malige Schneider wahnsinnig geworden sein? allein! die beiden Rakonitz nickten verständnißinnig und! vergnügt zu dieser sonderbaren Rede, und Bud- ' weiser wollte abwarten. was ihm der nächste Mo-! ment Ueberraschendes bringen würde.! „Du weißt, lieber Bruder Reb Mosche," fuhr; Wodolka fort und Budweiser erschrak von Neuem, denn dieser cordialen Ansprach, seitens Wodolka war er schon lange entwöhnt, „mich hat immer! das gelüst'b), was Du hast haben wollen — die Maiße is nit neu, sie Lauert schon nit weit von! sechzig Jahr'." Jetzt verzog sich Wodolka's Mund i zu einem entschiedenen Lachen und Budweiser erkannte , daß ihm offenbar eine humoristische Rede i 8) Kein Rache- und Bergeltungssüchtiger. 4) Gewinn. 5) Furcht. 6) gelüstet, dauert. bevorstehe; er wollte auch diese geduldig über sich ergehen lassen, da die zufriedenen Gesichter der beiden Rakonitz ihm freudeverhcißend erschienen und diesen die Mittheilungen, die Jakow Schneider, allerdings in sehr langsamer, um nicht sagen langweiliger Weise, mühselig zu Tage förderte, schon bekannt sein mußten „Du weißt, Moscheleben!" begann Wodolka von Neuem, — jede Pause in seiner Rede brachte ihn augenscheinlich aus dem Contexte — „mein Tat olof hascholom hat schon auf Deinen Sitzer den Prager Rvf sichrono lwrvcho Cheschek^) gehabt, aber da hast Du's gewonnen; dann hat ec wieder e Schneid b) auf Dein Mohel für mich gehabt, daß Hab' ich wieder gewonnen, dann Hab' ich Kinne auf Dein Kiduschwein, auf Deine Steckrüben, auf Deine Lekrcbmann gehabt - Du sollst noch hundert Jahr' mit Deiner Frau gesund und zufrieden und glücklich leben — aber zuerst hast Du ein ander Madel freien wollen, mein' Zerl', leben soll sie, die Hab' ich Dir weggeschnappt, und Hab' aich Dir die Nummer wegzefischt; — dagegen hast Du wieder auf das Theilhaus, wo ich in Unterhandlung stand, Gusto gehabt — da hast D u wieder die Borhano gewonnen .... kurz, ich könnt' reden bis morgen bei Nacht, und möcht' nit fertig werden — nit a Wort, was Einer von uns gewollt hat, auf das hat der Andere auch Gusto bekommen, und Bruderleben , der Wettstreit hat auch heute noch nit aufgehört . . . Jetzt hast Du Lust gehabt auf den braven Simon Rakonitz. den willst Du zu Deinem Sohn machen, denn Schwiegersohn und Sohn ist ja dasselbe . . . und er war' ja schon langst Dein Eidam, wenn . . . Du nur eine Hamilieunummer für ihn hättest . . . Budweiser's Gestalt überflog ein leises Zittern, Wodolka berührte die brennendste Frage seines Lebens und während tiefer Schmerz Budweisers Seele durchschnitt, lächelte jener; aber er bezwang sich, in wenigen Minuten mußte der lästige Schwätzer wohl zu Ende sein. „Nun!" fuhr Wodolka mit einem tiefen Athemzuge fort, während ein schelmisches, gutmüthiges Lächeln sein gelbes Gesicht verschönte, — „darauf Hab' ich auch Kinne — warum soll ich auf einmal im neunundfünfzigsten Jahr' — leorich jomim — anders werden? — Willst Du ihn zum Sohn haben. will i ch ihn auch zum Sohn haben und" — ein wehmüthiger Zug überflog des Schneiders Gesicht, — „da ich ihm keine Tochter geben kann, ich Hab' keine Kinder" — seine Stimme schwankte etwas 8) Lust. 9) Absicht.

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