Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1876)
- Date
- 1876-05-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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426 D c ft e r v. - U n n a r. o u archi c. Papa, 1. Mai. Nach mehrfachen Berathungen und Conferenzen, nach vielen Unterhandlungen und Transaktionen, nach unedlichem Ringen und Kämpfen — ist es uns gestern mit göttlicherHilfe gelungen, unseren zum empfindlichen Nachtheile unseres "Gemeindelebens seit einer langen Reihe von Jahren verwaisten RabbinatS - Posten zu besetzen. Diese Thatsache wäre, auch abgesehen vonderPerson des Gewählten, im Interesse des Fortbestandes , namentlich aber im Interesse der religiösen Integrität unserer jüd.-orihod. Cultusgemeinde. eine überaus erfreuliche. Wir müssen es offen gestehen, daß eben in den letzten Jahren, wo leider dieNeologie auch bei uns mit einer nachgerade bedrohlichen Expansionskraft auftrat und alles Terrain zu usurpiren suchte, der Mangel einesthatkräftigen, vom Geiste seiner erhabenen Mission durchglühten Oberrabbiners in unserer Gemeind? in erhöhtem Maße sich fühlbar machte. Ja, wir heg n die lleberzeugung, daß wenn in der ,,Sturm- und Drang- Periode" an der Spitze unserer religiösen Angelegenheiten ein Seelenhirt gestanden hätte, der mit der Kraft inniger Begeisterung und dem Zauber des lebendigen Wortes die centrifugaleu Geister zu bannen verstünde: es der ursprünglich verschwindend winzigen Reform-,<raction nimmer gelungen wäre, sich durch Anziehung schwankender Elemente zu einem Gebilde zu cousolidiren, welches selbst heute noch, kraftlos und blutleer, keine Lebensfähigkeit besitzt. Indeß dürfen wir es uns nicht verhehlen, daß dieseFraetion, trotz ihrer bloß schemenhaften Existenz, einen Theil in dem Gesammtorganisulus unserer Gemeinde bildet, welcher naturgemäß nur eine nachtheilige Wirkung manifestiren kann. Doch wozu denn ein nc dp pyvj; sein? Wir wollten hiermit nur hervorheben, daß die Besetzung des hiesigen Rabbinats-Postens für unsere Gemeinde sich bereits zu einer eminenten Lebensfrage zugesvitzt hatte, weßhalb selbst eine minder glückliche Wahl hier mit ungetheilter Freude begrüßt worden wäre. Nun dürfte es die gesch. Leser dieses Blattes interefsiren, zu erfahren, daß die Wahl auf einen Mann gefallen, der vermöge seines ausgedehnten talmudischen Wissens, seiner hohen Intelligenz und seiner vorzüglichen Begabung als Kanzel - Redner auch iu Deutschland sich bereits einen Namen von bestem Klange errungen. Es ist dies Herr Rabbiner Dr. Salomon Breuer, der trotz seiner Jugend in der rabbinischeu Hochschule zu Preßburg eine Reputation sich erworben, daß selbst der ebenso gefeierte, als skrupulöse n"io pjon '"j n»e, gegenwärtig Oberrabbiner der jüd.-orthod. Cultusgemeinde zu Waitzen, keinen Anstand nahm, demselben noch als -nro — ein Moment, das nicht übersehen werden darf — die mm -N-rn zu ertheilen! Schon vor etwa 8 Monaten erhielt Herr Rabbiner Dr. Breuer seitens unseres Vorstandes eine Einladung zur Abhaltung eines Vortrages in der hiesigen Synagoge. Herr Dr. Breuer machte durch seine persönliche Erscheinung und seine ausgebreitete rabbinische Gelehrsamkeit und womöglich in noch höherem Grade durch seine wahrhaft epochale Kanzelberedtsamkeit einen Eindruck, der sich nur schwer beschreiben ließe. Er gewann sich so zu sagen im Sturme Aller Herzen; Alles war für ihn begeistert, Alles vor Anerkennung und Bewunderung enthusiasmirt. Und doch erfolgte dessen Wahl als Oberrabbiner nicht sofort. Und auch dies hatte eine Ursache, wenn di selbe auch nur aus einem Conglomerat von Scheinargumenten zusammengesetzt war. Vor Allem flößte dieJugendlichk.it des Herrn Dr. Breuer manchen Leuten einiges Bedenken ein. Als wenn die Jugendlichkeit nicht ein Fehler wäre, der leider nur zu rasch schwindet! In der That hoffen wir, daß Se. Ehrwürden Herr De. Breuer in unserer Gemeinde als allseitig verehrter und geliebter Ober- Rabbiner recht alt werden wird! Ein zweites Bedenken, in Gleichem vollends ungegründet, ist eine Folge der Hierlands noch in der Schwebe befindlichen Seminarfrage. Ehrliche, aber furchtsame Charaktere glauben in jedem Gelehrten, der eine Zeit in Deutschland geweilt, einen Bannerträger und Chauvinisten des Rabbiner-Seminars zu erblicken. Und doch bietet der ganze Bildungsgang und die Geistesrichtung unseres neugewählten Herrn Oberrabbiners genügende Garantie, daß demselben ein Sympathisiren mit hierländischen Seminar- Veillitäten entschieden ferne liegt. Diese Erwägungen haben endlich alle Bedenken, die ja nur imaginärer Natur waren, gründlich verscheucht. Und so kam es, daß Herr Dr. Breuer in gestriger Generalversammlung mit einer eklatanten Majorität zum Oberrabbiner der jüd.-vrthvd. Cultusgemeinde Papa gewählt wurde. Welch' weiter und segensreicher Wirkungskreis sich hier unserm jugendlichen, thatkräftigen Herrn Oberrabbiner eröffnet, bedarf wohl nicht erst hervorgehoben, zu werden. Wir wollen diese Zeilen bloß mit der Erwähnung einiger Namen schließen, deren Trägern die überaus glückliche Lösung unserer Rabbinerfrage in erster Reihe zu verdanken ist. Es sind diese Herr Präses Adolf Löwen st ein, Herr Mandel Steiner, Herr Akiba Schreiber (Sohn Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbinen zu Krakau), Herr Simon Süß und Herr Samuel