Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1876)
- Date
- 1876-05-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Erste Leitage ju Itr. 19 des Israelit ♦ Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Württemberg, 23. April. Unter den Israeliten Württembergs macht sich gegenwärtig eine lebhafte Bewegung gegen einen Erlaß der isr. Oberkirchenbehörde bemerkbar. Nachdem nämlich durch das Gesetz vom 23. Dezember 1873 die bisher bestandene sogenannte Personalsteuer, welche die israelitische Centralkirchenkasse von den Juden des Landes erhob, abgeschafft worden ist, soll dieser Einnahmeausfall in Zukunft mittelst Umlagen auf die Gemeinden des Landes aufgebracht und cs soll diese Umlage lediglich auf Grund des Vermögensstandes (Erach) innerhalb der einzelnen Gemeinden ausgeführt werden. Zu diesem Behufe hat die israelitische Oberkirchenbehörde mit Genehmigung des k. Kultusministeriums durch Verfügung vom 18. Februar d. X die Grundsätze fest gestellt, nach welchen bei der Vermögensausnahme überall verfahren werden sott Erstmals ist diese Einschätzung im laufenden Jahre vorzunehmen Neuerdings hat nun das Kirchenvor-- steheramt Ulm gegen die Ausführung der neuen Vorschriften remonstrirt und zugleich sämmtliche Kirchcnvorsteherämter des Landes und auch Private zum Anschluß an seine beabsichtigten Schritte eingeladen. Die Gemeinde Cannstatt ist in ähnlichem Sinne vorgsgangen. Wie wir hören, hat die isr. Oberkirchenbehörde einen fulminaten Erlaß gegen Ulm ausgegeben und zugleich sämn tliche Kirchenvorsteherämter des Landes durch Mittheilung desselben Erlasses von der Erfolglosigkeit solchen Vorgehens in Kenntniß gesetzt. (Frkf. Ztg), Von dev Tauber In Baden wurden die Petitionen zu Gunsten des jüdischen Religionsunterrichts und der Vertretung bei dem Ortsschulrathe von der Schulkommission günstig beurtheilt, und werden die Anträge bei dem neuen, den Ständen vorgelegten Schulgesetze Ausdruck finden. Auch die Petition um Berücksichtigung und Mitbe-; theiligung der Rabbiner bei der Staatsdotation der Geistlichen hat bei vielen Abgeordneten, gün-! stige Aufnahme gefunden.! Die geistliche Behörde, der Oberrath der Jsj raeliten, mußte vor einiger Zeit in einem Artikel! in der Bad. Landeszeitung den Vorwurf ver-! nehmen, daß sie als eine überflüssige erscheine, und in neuerer Zeit iür das Land gar nichts geschehe. S. Verkitt In der Petitionskommission kam im Laufe voriger Woche die Petition eines jüdischen Lehrers aus Ottweiler zur Verhandlung, welcher Gleichberechtigung mit den christlichen Lehrern rücksichtlich der Alterszulagen rc. verlangt, da die Schule als öffentliche zu betrachten sei. Nach französischem Rechte, welches auf dem linken Rheinufer gilt, sind jedoch jüdische Schulen, die nicht von der Kommune unterhalten werden, nicht öffentlich, können also nicht Staats-Unterstützung erhalten. In dieser Lage befindet sich jetzt die jüdische Schule zu Ottweiler, die nicht auf dem Kommunaletat steht. Die Petition eines anderen jüdischen Lehrers aus Kirchberg beklagte sich, daß seine jüdische Schule mit 23 Kindern aufgelöst sei und dieselben der evangelischen Schule überwiesen wurden. Er wünscht entweder diese Aufhebung rückgängig zu machen oder eine anderweitige Anstellung zu erhalten. Ein Grund, weshalb die Privatschule aufgelöst worden, ist vom Petenten nicht an jegxben. In einer 3. Petition aus Ährensberg wird ebenfalls für die jüdische Schule um Staatssubvention gebeten. Ueber alle drei Petitionen wird Tagesordnung beschlossen, zugleich aber anerkannt, daß eine gesetzliche Regelung der Verhältnisse dieier jüdischen Schulen und Lehrer dringend nöthig sei. Potsdam. Der Kaiser hat der jüdischen Gemeinde gegenüber wieder einen Beweis von Munificenz gegeben. Der Kirchhof der jüdischen Gemeinde grenzt unmittelbar an die Parkanlagen des Pfingstberges, ui d die Erweiterung desselben war mit der Zeit zur unabweisbaren Nothwendigkeit geworden. Auf eine desfallsige Immediateingabe hat der Kaiser nunmehr gestattet, daß der angrenzende Theil des königlichen Besitzthums der Synagogengemeiude zum Preise von 8(X) Thlr. käuflich überlassen werde, und daran nur die Bedingung geknüpft, daß an der neuen Grenze eine massive Mauer errichtet wird, mit deren Bau bereits begonnen ist. Breslau. Der bisherige Honorar-Professor 0r. Jakob Caro ist zum außerordentlichen Professor in der hiesigen philosophischen Facnltät der Universität ernannt worden. (Isr. Wchschr.)