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Der Israelit · 1876-05-10 · Heft 19 (10.5.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 19 (10.5.1876)
Date
1876-05-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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422 spreche wörtlich der in § 14 der Ausführungsverordnung zum Dissidentengesetz vom 20. Juni 187'1 für Dissidenten vorgeschriebene Fassung. Eine Horm, die man diesen Letzteren gestatte, dürften billigerweise auch die Juden in Anspruch nehmen. Dos Ideal würde eine von allen religiösdogmatischen Förmlichkeiten entkleidete Eidesformel sein. Er Hütte gewünscht, daß die Deputation nicht nur die eine Petition herausgegriffen, sondern auch die übrigen Petitionen auf Beseitigung des dogmatischen Elementes in der Eidesformel der k. Staatsregierung zur Berücksichtigung empfohlen hätte. So sehr gerne wir das ernste Streben des Abg. Lehmann anerkennen wollen, so müssen wir offen gestehen, daß sein Antrag nicht genügend begründet worden ist. Hatte L. sich nur einigermaßen in unserer Literatur umgeschaut, so würde er genügendes Material zusammengeschafft haben- Und besonders über den „Judeneid" ist sehr viel geschrieben worden. Schon Cremieux «hat in seinen Schrifften i. I. 1827 gegen den deutschen Eid «*nore judaico, welcher in einigen Theilen Frankreichs war, protestirt. Rabbiner Aron erklärte ihn „für unsittlich, weil er den Schwörenden in der Meinung bestärke, als sei eine andere Anrufung Gottes bedeutungslos. Israelitische Annalen 1840. S. ^48. „In dem Eide der Juden braucht der Gott Israels nicht als besonderer Gott angerufen zu werden; was in herkömmlichen Gebeten ein Unterpfand der Liebe ist, wird in der Gerichtsstube zum Sinnbild des Hasses. Israel hat keinen andern als den Schöpfer des Universums." Zunz gesammelte Schriften, Band II. S. 259. Wenn wir in der Bibel „Gott Israels" finden, so soll damit keineswegs gesagt werden, daß „Haschehm" nur Israel angehörte. „Haschehm" war insofern nur „Israels Gott/' weil nur Israel ihn erkannte und von den andern Völkern nicht erkannt ward. Wer ihn erkannte dessen Gott ist er. — In diesem Sinne ist „Gott der Väter" zu verstehen. Unser Ideal ist „Und der „Ewige" wird König sein über die ganze Erde, am selbigen Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig." Zach. 14, 9. Vergl. 2. B. M. Cap. 3. 18. und Cap. 5. 1. Moses sagte zu Pharao „Adonai" welcher bis jetzt nur von Israel erkannt ward, (also) „Gott Israels" schickte mich zu dir u. s. w. Pharao aber, der gewöhnt war von „Nationalgottheiten" zu reden, weil er den Schöpfer des Universums noch nicht erkannte, fragte daher: „Mi adonai?" Moses antwortete ihm „Eloheh hahibrim," der Gott, den du als „Gott der Hebräer" oder nach dem Targum „Gott der Juden" kennst schickt mich u. s. w. Merkwürdig ist es, daß der Targum vom 2. B. M. an. „’ioirp" auf „'-ay“ sagt. Ausnahme nuy nay Cap. 21.2. welche der Targum mit na wiedergibt. Siehe Aben Esra zur Stelle. Der Ausdruck „Gott Israels" oder „Gott unserer Väter" widerspricht unserer Ausführung nach, keineswegs unserem religiösen Gefühle. — Damit wollen wir nicht sagen, daß wir die alte Eidesformel beibehalten möchten. — Wenn wir die alte Eidesformel unverändert wissen wollten, dann könnten wir der Intoleranz beschuldigt werden, indem wir manifestiren; daß „Adonai" nur Gott Israels," d. h. nur von Israel anerkannt wird. Und dies ist durchaus nicht der Fall. Die Andersgläubigen glauben auch an „Ewigseienden." Und weil eben der Abg. Lehmann den Ausdruck „Gott Israels" nicht erläutert hat. deßhalb konnte es dem Staatsminister Abeken nicht schwer fallen, die Begründung Lehmanns ganz treffend zu widerlegen. Der Staatsminister sagt: „Was die Vorschriften über die Formalitäten anlange, so habe sich die Regierung nach dem damaligen Gutachten der zuständigen Behörden gerichtet-' Obwohl die Gutachten in einiger Beziehung verschieden ausgefallen seien, so habe doch daraus nicht entnommen werden können, daß die Anrufung des Gottes Israel einen Juden in Widerspruch bringen werde; es fei ihm aych aus der Praxis kein Fall bekannt, daß unter Hinweis darauf ein Jude Bedenken getragen hätte, den Eid zu leisten. Die Anrufung des Gottes Israel bedeute ja nicht, daß unter diesem Gott ein anderer gedacht werde, als derjenige sei, zu dem die Angehörigen anderer Religionen beteten. Er könne also die Nothwendigkeit einer sofortigen Abänderung nicht anerkennen." Erft nachdem noch einige Redner für den Antrag eintraten, wurde er einstimmig angenommen. Ob der Lehmann'sche Antrag auch in der ersten Kammer einstimmig angenommen werden wird, wollen wir abwarten. M. Auerbach. Feuilleton. $ inj «nt in. XI. Der Versöhnungstag war herangekommen; der schönste Tag im Jahre für denjenigen, der seine

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