Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1876)
- Date
- 1876-05-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447661--12455-2468281- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Paris. Im Laufe des vergangenen Winters kam ein Vater (Christ) zu dem dTvQ Hirsch mann und bat ibn, sein Söhnchen zu beschneiden; seine Frau wäre eine Jüdin. Die Operation wurde auch nach Constatirung der Verhältnisse zur Freude des Vaters und der Mutter am 19. Dec. v. I. vollzogen. Türkei. Smyrna, 31. März. Den „Arch. Jsr." werden wieder mehrere Geschichten über Blutbeschuldigungen gegen die Israeliten mitgetheilt. Das einemal fand man auf dem isr. Friedhofe eine Leiche, welche von den Einen als die eines türk., von den Andern als die eines griech. Kindes ausgegebeu wurde. Schon fandenZusammenrottungen statt, als die Localbehörden einschritten. Auf Veranlassung des isr. Mitgliedes des Tribunals wurde die Leiche untersucht und aus mehreren Kennzeichen constatirt, daß die gefundene Leiche die eines am 24. verstorbenen isr. Mädchens war und die auch von der betreffenden Mutter als solche recognoscirt wurde. Das Grab ward also gewaltsam geöffnet und die Leiche absichtlich auf eine gewisse Stelle des Friedhofs gelegt, um die Blutbeschuldigung gegen die Juden in Scene setzen zu können. Die Umersuchuug ist eingeleitet. Das anderemal wurden zwei Juden aus einem benachbarten Dorfe beschuldigt, ein kleines Kind, das von zwei Griechen heimlich in deren Tragsack versteckt worden, gestohlen zu haben. Durch' die energische Intervention des Generalgouverneurs wurden die beiden Griechen ihrer schändlichen That überführt und verhaftet. Am 30. März wurde in Bournabat, im Hause eines der ehrwürdigsten Israeliten, ein griechisches Kind versteckt. Das Kind hat bei Gericht angeeben, daß es von einem Griechen ins Haus gerächt und von demselben instruirt worden sei, anzugeben, daß es von dem Eigenthümer des Hauses gestohlen worden. Der betreffende Grieche wurde sofort verhaftet und sieht nunmehr seiner gerechten Strafe entgegen. Feuilleton. fHnjamtn. i Ein einfaches Abendessen stand bereit, das den! durch die weite Fußtour hungrig gewordenen Gästen! vortrefflich mundete. Nach Tische wurden die! Müden in ihre kleinen, aber reinlichen Schlafzimmer geführt, Frau Grünblatt wünschte ihnen eine „geruhsame Nacht" und begab sich zu ihrem Gatten in das Wohnzimmer zurück. „Moses, Moses," sagte sie, „wen hast du uns da ins Haus gebracht? Hast du gesehen, er hat sich nicht gewaschen, er hat nicht gebenscht ff!" „„Man muß Nachsicht mit ihm haben, Babette, das Kind kann nicht dafür, es ist rückt anders erzogen. Er wird sich schon au die Jüdischkeit gewöhnen.' " „Wenns nur gut thut! Ich fürchte, er macht uns hier Charpe Ubnschoff!" „„Dafür laß mich sorgen! Ich habe ihm gestern in D. bei Rabbi Löb ein Paar Thephillin gekauft; ich werde ihn schon zu Allem anhalten. Aber in Güte, Babette, in Güte!"" „Bin ich etwa eine böse Frau? Wir haben leider keine Kinder, und ich will gern den Binjamin als meinen Sohn betrachten; aber als Jude muß er leben, sonst . . . ." „„Sonst?"" „Sonst hat er's mit mir verdorben." „„Laß es gut sein, Babettchen, es wird sich schon machen!"" „Wenn cs sich aber nicht macht?" „„Dann? Nun, dann wollen wir es weiter überlegen."" Am andern Morgen weckte Moses seinen Neffen. „Steh auf," sagte er, „und wasche dich. Sieh, ich habe dir ein Paar neue Tephillin gekauft, die sollen dein sein!" Binjamin rieb sich die Augen. Als er munter geworden, wußte er anfänglich nicht, wo er war; er starrte feinen Oheim groß an; dann drehte er sich um und sagte: „Ich bin noch müde!" Moses schüttelte ihn sanft. „Nein," sagte er, „mein Kind, du darfst nicht weiter schlafen, sonst bist du Auwer Kriaß Schmaff?" „„Was bin ich?"" „Armes Kind, weißt nicht einmal, was das ist? Nun, steh nur auf. Sieh', ein Paar ganz neue Tephillin habe ich dir gekauft." „„Dafür danke ich; ich werde doch keinen Gebrauch davon machen!"" „Wenn du in meinem Hause bist, so mußt du als Jude leben." „„Dann reise ich lieber mit der Mutter gleich wieder ab."" 1) Das Tischgebet gesprochen. 2) Schande und Schmach. 3) Du versäumst die Zeit des Gebets.