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Der Israelit · 1876-05-03 · Heft 18 (3.5.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 18 (3.5.1876)
Date
1876-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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394 erstens wäre das vergebliche Mühe laut dem Ausspruche des weisen Salomo (Spr. Sal. Cap. 27, V. 22), und außerdem verbietet es auch der Talmud, den Satz in Aboth omp’Sx4 anpntp no pm beschränkend. Ob Herr Ph. wohl weiß, was der Talmud darauf sagt, und wo? denn wir werden es ihm nicht sagen, wir wollen ihn blos neugierig machen. Das Merkwürdigste dabei ist aber noch, wie genau Herr Ph. den Charakter des '"2 kennt, er nennt 'hn „einen beschränkten Geist, einen Mann, der lange Zeit kabbalistischem Wahnwitz gehuldigt, vielen Ehrgeiz besaß" u. s. w. Worin hat denn eigentlich dieser Ehrgeiz bestanden? Hat er vielleicht mit Feuer und Schwert seine Zeitgenossen gezwungen, seine Aussprüche anzunehmen? Hat er etwa wie die modernen Rabbiner und Gemeinde- Vorstände die Hil/'e des Staates in Anspruch genommen, um seinen Bestimmungen Geltung zu verschaffen? Mit Nichten. Die Gediegenheit des Werkes war es, welche demselben alle damals lebenden Juden zuwandte, und sein Motiv mir-.n soa» ro-^n nrvrD. Und einen n"n von so eminenter Gelehrsamkeit und so immensem Wissen, den will ein Mann, der selbst nur die Carricatur eines Rabbiners ist, einen beschränkten Kopf nennen! Doch halt, Herr Ph. hat den Geist des Judenthums, den der '"2 so schmählich in Fesseln schlug und verkannte, glücklich wieder befreit und hervor gesucht. Denn was er von der Reform, der es beschieden war, den jüdischen Geist wieder geweckt zu haben, sagt, das ist eigentlich nur ein Loblied auf sich selbst. Ja, es ist wahr, der also geweckte und wieder erstandene Geist zeigt sich in' Orgel- Synagogen mit beschnittenen Gebeten in flachen und wässerigen Predigten vor leeren Bänken, in einer jüdischen Jugend, der Religion und Moral abhanden gekommen ist, in einer Verleugnung unserer göttlichen Vergangenheit wie unserer messianischen Zukunft. Das ist der Geist, den die Reform gebracht, und an dem sie hoffentlich auch selbstmörderisch sich zu Grunde richten wird. Und nun zum Schluß noch eine etwas indiscrete Frage auf den Satz: „Das Fundament ist „allein die heilige Schrift, alles Andere ist nur „Hilfsmittel zu besondern Zwecken." Hand auf's Herz gelegt! Haben Sie überhaupt das schriftliche Gesetz, abgesehen von allem Andern, gehalten? Haben Sie die erste und unerläßlichste Pflicht des Juden, das miwpb, je beobachtet? Der Neologie kann es gleichgiltig sein, die Orthodoxie glaubt es nicht von Ihnen. Wozu also all diese Salbaderei? Die Einen bedürfen Ihrer nicht, die Andern wollen nichts von Ihnen wissen. Das Beste also wäre, Sie lassen Dinge, von denen Sie nicht das Geringste verstehen, die völlig außerhalb Ihres Gesichtskreises liegen, völlig unberührt, verunglimpfen nicht den Geist und Charakter großer Männer und erfüllen somit in sich selbst: .? >21 *iw2 pny pna nronn ipsy »nst? njoban Hairrbltkg. Das israelitische Vorschuß-Institut veröffentlicht jetzt, nach 60jähr. Bestehen, einen Bericht über seine Wirksamkeit. Aus demselben ist vor Allem zuerst zu constatiren, daß sich in letzter Zeit die Zahl der Vorschußgesuche gegen früher erheblich verringert hat. 1854 wurden 868 Scheine bewilligt; im Jahre 1875 jedoch nur 554. Auf letztere Anzahl dagegen wurde die Summe von Crt. M. 107,208 ausgeliehen, während die Höhe des im Jahre 1854 auf 868 Scheine ausgeliehenen Capitals sich nur auf Crt. M. 99,8 i4 belief. Hieraus ist der erfreuliche Schluß zu ziehen, daß die wirkliche Armuth, von welcher ausschließlich kleine Beträge in vielen Scheinen angeliehen wurden, abgenommen haben dürfte, während das Institut gleichzeitig von kleineren Geschäftsleuten und Handwerkern für größere Summen erfolgreich in Anspruch genommen wurde und dadurch dem Zweck, zu welchem es vor 60 Jahren gegründet worden, in erhöhterem Maße gerecht werden konnte. Das Capital des Instituts betrug am Ende des Jahres 1875 Crt. M. 60,025 6 Sch. ' F r a n k r e i ch. Paris. Bekanntlich werden in Frankreich die Besoldungen für Rabbiner und Vorsänger vom Staate bestritten und die Baukosten der Synagogen in Paris zum Theil von der Stadt bezahlt. In Folge dieses gibt es in Paris viele Israeliten, darunter oft sehr reiche, die zu deu Bedürfnissen des Israel. Cultus gar nichts beitragen. In der Absicht, dieses Verhältniß abzuändein, hat das Consistorium von Paris die Anordnung getroffen, daß künftighin nur die Mitglieder wahlfähig sind, die zu den Cultusbedürfnissen einen entsprechenden jährlichen Beitrag bestreiten. Bisher waren solche Gemeindemitglieder wahlfähig , die zwar nicht direct Gemeindesteuern bezahlten, aber indirect durch die Mitgliedschaft einer der vielen Wohlthätigkeitsanstalten ihre Gemeindeangehörigkeit in pecuniärer Hinsicht documentirten. Diese werden nun durch die neue Wahlordnung von der Wahl ausgeschlossen. In den „Arch. Jsr." wird gegen diese unverhoffte Abänderung der bisherigen Wahlordnung in Bezug auf solche Personen in einem „Tioneb" Unterzeichneten längeren Artikel protestirt.

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