Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1876)
- Date
- 1876-05-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447661--12453-2468279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XVII. Jahrgang. Erste Geilage }n Ar. 18 des Israelit. Zeitttttgsttachrichterr und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 19. April. Es ist noch nicht so lange her, noch nicht zwanzig Jahre, da galt Herr vr. Phlippson in Magdeburg, setzt in Bonn, bei der großen Menge für einen jüdischen Gelehrten ersten Ranges. Seitdem sind allerdings in Bezug auf Herrn PH's jüdische Gelehrsamkeit den Meisten die Augen geöffnet worden. In der neusten Nummer der „Allgem. Ztg. des Judenthums (Nr. 16) spricht Herr vr Ph. eine große Dummheit gelassen aus. Herr Ph. behauptet: der Schulchan-Aruch sei eine Uebertretung des mosaischen Gebotes: uoo jn.in vsbi vby *]Din «X „Du sollst nichts Hinzuthun und nichts davon nehmen". (5. B. M. C. 13, V. 1) - Welch eine horrende Unwissenheit auf dem Gebiete der jüd. Religionswissenschaft gehört dock dazu, eine solche ungeheuerliche Behauptung aufzustellen! Es scheint,» Herr Philippson kennt den Schulchan Aruch nur von Hören-Sagen oder aus den mangelhaften Uebersetzungen einzelner Partien desselben. Daß er den angeführten Vers durchaus mißversteht, ist jedem Kundigen klar, und würden wir den Herrn bitten, den Siphr« zur Stelle zu vergleichen, wenn nicht der Siphrä für Herrn Philippson ein siebenfach verschlossenes Buch wäre. Oli'vp nsntt'ß |njn DU’piDttf pi bj pxn Dy upi „Je älter ein „Gelehrter" von Herrn Ph.'s Schlage wird, desto mehr verwirrt sich sein Sinn." Hamburg, 25. April. Man ist zwar schon seit Jahren gewöhnt, in der „Allg Ztg. des Judenthums" ganz erstaunliche Dinge über Judenthum und jüdisches Wissen zu lesen, aber ein Aufsatz in Nr. 16 des Blattes mit dem Motto: nDin udo jnjn «X übersteigt denn doch so ziemlich alles Maaß. In seinem Raisonnement über die Entwickelung des Gesetzes kommt er zu dem höchst merkwürdigen Resultat: „der Schulchan Aruch im „Ganzen, in seinem Wesen und Zweck ist daher eine „Uebertretung des mosaischen Gesetzes und eine „Verletzung des talmudischen Geistes und Zweckes. „Dies ist keine Phrase, sondern eine unwiderleg- „bare Thatsache." Wir verzichten darauf, die Ehre der großen unsterblichen Verfasser des y“w einem Philippson gegenüber zu vertheidigen. Erinnert uns doch dies an die Fabel von der Mücke, die! sich einem Hirsch auf's Geweihe setzte und ihn zu! drücken vermeinte! Aber eine Frage möchten wir an Herrn Philippson richten. Ob ein Mann, dem noch, als er sich schon Rabbiner nannte, die nöthige Kenntniß der einfachsten Bibel-Erklärung, di? von einem 10 —12jähr. Knaben gefordert werden kann, fehlte, im Stande ist. über einen n,D"> rm überhaupt zu urtheilen Hat sich doch Herr Ph. in seiner Bibel-Ued rsetzung ein unverwüstliches Denkmal seiner Unrvissenyeit gesetzt, indem er bei den nuso '? die ‘n od~>d , ba§ Verbot der Gotteslästerung, als die Pflicht, Gott zu loben, erklärt! Und ein solcher Bor Räk will einen rrzi meistern und ein absprechendes Urtheil über ihn fällen! Der also sei eine Verletzung des talmudischen Geistes und Zweckes. Aber woher weiß denn das Herr Ph.? Kennt er den Talmud so gründlich, daß er über dessen Geist zu urtheilen vermag? Kennt er ihn überhaupt? Hat er überhaupt bei irgend einem namhaften Talmudisten seine Studien betrieben, ehe er aus die unglückliche Idee kam, Rabbiner zu werden? Wir kennen sein Blatt schon seit seinem Entstehen, und können deßhalb in Bezug auf den Redacteur nur die Hälfte des Napoleonschen Wortes über die Bourbonen anwenden: „rion appris"; das „rien oublie" fällt weg, da er ja nichts zu vergessen hatte. Und nun dieser köstliche Nachsatz: „das ist keine Phrase, sondern eine unwiderlegbare Thatsache". D. h.: Es hilft Euch all Euer Reden dagegen nichts, das ist einmal so. Es scheint hier, daß Herr PH. in seines Nichts durchbohrendem Gefühle einen gewaltigen Anlauf nimmt, um wenigstens mit gesperrter Schrift aller Welt das schreiende Unrecht, das der '"a begangen, deutlich vor Augen zu führen. Der arme mp ’"-i hat sich dies wirklich nicht träumen lassen, als er mit unendlicher Mühe die Resultate des Talmud und der Interpreten desselben codificirte, daß man von ihm einst sagen würde, er habe Geist und Zweck des Talmuds verletzt! Nun, es ist auch wahrscheinlich nur der Aerger darüber, daß trotz aller von Sr. unfehlbaren Ehrw. Herrn vr. Ph. in's Leben gerufenen Rabbiner-Versammlungen, ja sogar trotz der Augsburger Synode, der y"itf immer noch die Kühnheit hat, sortzubestehen, und die Beschlüsse jener Versammlungen von den Orthodoxen, ja auch von gelehrten Neologen einfach ignorirt werden. Und deßhalb ist es auch nicht der Mühe werth, auf dies ganze Raisonnement zu antworten, denn