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Der Israelit · 1876-04-26 · Heft 17 (26.4.1876) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 17 (26.4.1876)
Date
1876-04-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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383 Der Geheime Medicinalrath verließ ohne ein Wort der Erwiederung das Local, und als sein Verwandter die Geschichte erfuhr, sagte er dem hochnäsigen Schneider derb die Meinung. „Das war Traube!" rief dieser entsetzt und ließ die Scheere fallen. „O Gott, und ich Esel hielt den für einen Schnorrer. Na, das hat mir gerade gefehlt; nun wollte ich den Mann seit Wochen wegen meines Herzübels consultiren, er kommt zu mir und ich weise ihn ab. Das ist eine schöne Geschichte. Nun sitz' ich da mit dem kranken Herzen und Traube mit dem alten Paletot." Nach langem Besinnen begab sich unser Schneidermeister zu dem verschmähten Kunden und flehte ihn an, er möge ihm verzeihen und ihm gestatten, daß er Maß nehme; gleichzeitig gestand er, wo ihn der Schuh drücke. „O, lassen Sie alle Entschuldigungen," bemerkte Traube lächelnd? „Ihnen sitzt das Herz näher als mir der Paletot, und zum Glück beschäftige ich mich zeitlebens mit — Flickarbeiten." Schweidnitz, 17. März. Die Grundsteinlegung zu der im Laufe dieses Jahres zu erbauenden südischen Synagoge wird am 20. d. M. vorgenommen worden Der Vorstand der Synagogengemeinde hat auch die städti chen Behörden zu' dieser Feier eingeladen. Das Gebäude wird vor dem Kroischthore in unmittelbarer Nähe der n.euen evangelischen Stadtschule aufgeführt werden. Seit dem Jahre 1154, in welchem bei der damaligen Judenverfolgung unter der Regierung des intoleranten Königs Ladislaus von Böhmen, die jüdische Synagoge in der Kupferfchmiedestraße geschlossen wurde, die nachmals in ein christliches Gotteshaus, die Kirche Corporis Chr., umgewandelt wurde, hat die hiesige isr. Gemeinde ein selbstständiges Gotteshaus nicht gehabt; die zu Anfänge unseres Jahrhunderts in's Leben gerufene Synagoge war eingemiethet. (Brest. Ztg.) Oesterr.-Ungarische Monarchie. Pesth. lieber Verwendung der Vermittlungs- Kommission der ungarischen autonomen isr. Orthodoxen-Glaubensgenossenschaft wurden die Soldaten des gemeinsamen Heeres, sowie die Honveds jüdischer Konfession im ganzen Lande auf die Dauer der isr. Osterfeiertage von Der Dienstesleistung enthoben und wurde denselben gestattet, vom 7. bis l0., ferner vom 14. bis 16. April behufs Verköstigung nach ritueller Vorschrift außer der Kaserne zu essen. Pesth. Wie aus Kun-Szent-Miklos geschrieben wird ist daselbst am 26. v. M. der älteste Bürger der Stadt S. Deutsch, iw Alter von hundert Jahren verschieden. Der Verstorbene war — mit Ausnahme der letzten Monate — nie im Leben krank gewesen. Deutsch hinterlätzt einen Sohn, vier Töchter 35 Enkel, 65 Urenkel und zwei Ur- Urenkel — in Summe nicht weniger als 105 direkte Nachkommen. (Ung. Isr.) England. London. Wie das „Jewish Chronicle" erfährt, hat das Parlamentsmitglied Hamond Herrn H. G u ed ella benachrichtigt, daß der Vorschlag einiger Mitglieder der jüdischen Gemeinde in London, Ländereien in Syrien mittelst türkischer Bonds ankaufen zu wollen, vom türkischen Großvezier in Erwägung gezogen werdAehnliche Anträge sind der Pforte von englischen Bondsbesitzern anderer Confessionen gemacht worden. London. Wir entnehmen der „Times" vom 28. März folgenden Bericht über den Vortrag des Or. Benjamin Richardsohn F. R. S , des berühmten Autors des Werkes „über die Krankheiten des modernen Lebens", welchen er am vergangenen Sonntag in der Jüdischen Freischule über die Lebensdauer der Juden und über den mosaischen Gesundheitscod x hielt. Er gab die vergleichende Sterblichkeit der Juden und anderer in den verschiedensten Lebensaltern an. In Norddeutschland kam ein todtgeborenes Kind auf 97.45 unter den Juden vor, eins auf 47.29 unter den Katholiken und eins auf 42.47 unter den Protestanten. Geburten außer der Ehe gebe es unter den Juden nur wenige und diese blieben meist am Leben. Mayer schätzt nach den statistischen Berichten zu Fürth die Sterblichkeit der jüdischen Kinder unter 5 Jahren auf nur 10 %, während er die der christlichen auf 14 % schätzt. Neufville zu Frankfurt a. M. findet, daß von jüdischen Kindern während der ersten 5 Jahre 12.9 %, während von christl. 24.1 % sterben. Diese Lebenszähigkeit erhält sich auch in den spätern Lebensaltern. In Frankfurt a. M. erreichten unter den Juden 54 % ihr 50. Lchensjahr; unter den Christen nur 38 %; 27% erreichten unter den Juden das 70. Jahr, bei den Christen nur 13 °/o. Ein Viertel der Juden erlebten das 29. Jahr, während ein Viertel der Christen kaum das 7. Jahr erreichten, Die Hälfte der Juden zu Frankfurt erreichten das 53. Jahr und einen Monat, während die Hälfte der Christen stirbt zu 36 Jahren. Ein Viertel der jüdischen Bevölkerung überschritt das 71. Lebensjahr, dagegen überschritt ein Viertel der christl. Bevölkerung kaum das 60. Jahr. Die Juden heirathen weniger

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