Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1876)
- Date
- 1876-04-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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worden; die städtische Verwaltung wollte nur jede GeschäfLSdranche auf ein bestimmtes Viertel concentriren und hatte daher au« jedem Viertel alle diejenigen, die nicht in dasselbe oehören sollten, verwiesen; allein auch diese Maßregel ist nicht ausgeführt worden, und es hat Niemand sein Magazin verlassen. — Die Anfertigung der rothen Mützen stand seit undenklichen Zeiten den Muhamedanern zu; erst seit einigen Jahren ist ausnahmsweise einem Israeliten die Erlaubnis zur Anlegung einer derartigen Fabrik ertheilt worden. Wenn jedoch die kleinen Kausteute, die mit demselben handelten, sich anderweitig versorgten, so geschah dies lediglich in Folge eines unter ihnen selbst stattgehabten UebereinkommenS, aber nicht auf Veranlassung der Behörde. — Was die einigen Israeliten entzogene Concession als öffentliche Ausrufer betrifft, so muß bemerkt werden, daß diese Maßregel, von welcher Personen, die Unterschlagungen gemacht hatten, getroffen wurden, nicht blos Israeliten, sondern auch Muhamedaner betraf. Diejenigen unserer Glaubensgenossen, die unbescholten sind, haben nicht die geringste Unterbrechung ihrer Concession erfahren. — Wahr ist, daß in einem neulich errichteten Bazar die Israeliten keine Magazine miethen können, aber auch diese Beschränkung trifft in gleicher Weise alle europäischen oder tunesischen Einwohner, die sich nicht zur muhamedanischen Religion bekennen — Wenn endlich das neugestiftete College von dem Premierminister ausschließlich nur den jungen Muselmännern geöffnet worden und Israeliten nicht ausnimmt, so werden Letztere mindestens nicht anders als alle Europäer unterschiedslos in dieser Beziehung behandelt. (Die Israeliten von Persien.) — Man wird sich erinnern, das das C.-Comite den franz. Gesandten zu Teheran ersucht hat, ihm 2 junge Israeliten von dort zuzuschicken, die in Europa als künftige Lehrer für ihre Heimath ausgebildet werden sollen. H. R. v. Balloy, Geschäftsführer für Frankreich in der persischen Hauptstadt, theilt dem C.-Comite mit, daß er 2 Knaben im Alter von 13 Jahren ausgesucht hat; dieselben gehören den angesehensten israelitischen Familien daselbst an und heißen, der Eine Nour-Ulla, Sohn von Hakim Mussa, und der Andere Abdulla, Sohn von Hakim Aga-Nazar; Beide find im Persischen ziemlich gut unterrichtet. Sobald die Jahreszeit es gestatten wird, werden dieselben in Begleitung eines englischen Officiers, der sich zu seinem Regiment nach Indien begiebt, nach Bagdad geschickt werden, wo sie einige Zeit die Alliance-Schule besuchen und sich die Elemente moderner Cultur aneignen sollen, um dann von Bagdad nach Europa geschickt zu werden. Feuilleton. Kiidkr aus dem allen Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Vers, des „Gabriel" (Fortsetzung.) „Jakow Wodolka!" begann Budweiser, und sein Gesicht färbte sich purpurn, „von unserer Geburt an bis heute sind wir hundertmal aneinander gestoßen, hundertmal hat Einer den Andern geschädigt, aber es ist dies unabsichtlich geschehen — und i ch wenigstens war Dir kein Feind, und ich habe Dich stets für einen redlichen, frommen Menschen gehalten, trotzdem Du mir zuletzt mit Willen kleine Verdrießlichkeiten bereitetest . . . . wenn Du vor meiner Wohnung vorübergingst, flog meine Dvppelthüre krachend zu, die Doppelrhüre, zu der ich doch berechtigt war, denn das Bes-Din hatte mir sie erlaubt ... es ist eine Kleinigkeit," Budweiser wandte sich an den Vorsteher, „es ist eine Kleinigkeit; aber es erbittert doch, wenn's dreißigmal im Tage geschieht; — aber ich habe Dich nur für einen trotzigen, eigensinnigen, hartnäckigen. widerhaarigen, aber ehrlichen, rechtschaffenen Mann gehalten; — aber heute erkenne ich Deine ganze — Niederträchtigkeit" wollte er sagen, Niedrigkeit sagte er, — „Du bist das, was ntir am allerwiderwärtigsten auf Erden ist. . Du bist ein Moß e r! pfui! . , so hat mich einst Dein Vater ungerechterweise vor langer, langer Zeit — ich war noch ein kleines Kind — geheißen, und obwohl ich das Wort kaum verstand, drang es mir doch schmerzhaft und tief in die Seele .. . Ich nenn' Dich jetzt vor den Herren Vorstehern mit Recht einen Moßer . . Jakow wollte ihn unterbrechen, aber Budweiser fuhr mit gewaltiger Stimme fort: „Verurtheilt mich nicht, Ihr Herren Vorsteher," und mit geflügelten Worten, kurz und doch klar und deutlich, entrollte er sein ganzes Lebensbild, wie er und Jakow unwissentlich sich stets in den Weg getreten und wie er — Budweiser — ihn doch stets milde und günstig beurtheilt hatte; — „aber heute," fuhr er fort, „sehe ich, daß ich mich fünfzig Jahre lang getäuscht habe — und was mir die Kränkung um so bitterer macht," schloß er, „ist . . . daß ich mit schönen Hoffnungen herkam — und statt Freude Kränkungen erfahre." „Wie meint Ihr das?" frug Schulhof. „Ich kann's ja sagen, es ist ja kein Geheimniß