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Der Israelit · 1876-04-26 · Heft 17 (26.4.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 17 (26.4.1876)
Date
1876-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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369 Hochschule dem Bilde ein bedeutender Erfolg prophezeit wurde, möchte ich MoseS Gottlieb mit den Genossen seiner Nation und seines Glaubens bekannt machen und seine interessante Geschichte erzählen. Moses David Gottlieb wurde geboren zu Drohobycz in Gallizien am 2t. Februar des Jahres 1856. Während seine Eltern außerhalb der Stadt wohnten, lebte Moses bei polnischen Verwandten in Mitte der Stadt und besuchte die jüdische Elementarschule bis zum zwölften Lebensjahre. Im Jahre 1868 kam er nach Lemberg, besuchte hier Anfangs das Gymnasium; da sich jedoch bald die Liebe zum Zeichnen stärker in ihm regte, trat er in die Realschule über. Ohne von irgend Jemand dazu angeeifert zu werden, besuchte er in jeder freien Stunde die Gemäldegallerie, und obgleich ihm dieser Kunsteifer mehr zum Vorwurf als zum Lobe angerechnet wurde, gab er sich seiner Begeisterung doch so vollständig hin, daß der Entschluß, sich ganz der Kunst zu widmen, täglich festeren Boden faßte; bis er endlich im sechzehnten Lebensjahre sich um Aufnahme an der Wiener Akademie bewarb. Diese wurde ihm nach Prüfung seiner mitgebrachten Arbeiten auch sofort bewilligt; doch seine geringen Mitteln waren bald aufgezehrt, und seinem glühenden Eifer stand die Hungerprobe bevor. In der großen fremden Stadt konnte er mit dem Wenigen, was er von den Eltern bekam, nicht leben, doch diese bittere Noth konnte seinen Eifer nicht schwächen, sie verdoppelte sogar seine Arbeitskraft, und es gelang ihm, sich durch Zeichnungen auf Holz einiges zu verdienen. Ein ähnliches Schicksal hat wohl die Jugend manches großen Mannes verdunkelt, und besonders die Künstlerjugend hat so häufig gerade in der Zeit, da die meisten Wünsche, die größte Sehnsucht das Herz beunruhigen, mit den bittersten Entbehrungen zu kämpfen, so konnte namentlich der große Kaulbach nur mit sarkastischer Bitterkeit von seiner schweren Jugend reden, und durch sein ganzes Leben blieb ihm eine Nachwirkung von menschenfeindlicher Ironie. Dies jedoch ist bei Moses Gottlieb nicht zu bemerken, obgleich zu diesen vielfachen Entbehrungen noch das böse Vorurtheil hinzukam, welches dem jüdischen Künstler, dem. Indem dem mnn doch nur Sinn für den Handel Zutrauen will, entgegentrat, blieb ihm doch seine innige Seelengüte, seine gewinnende Freundlichkeit gegen Jedermann, von Verbitterung, Verschlossenheit oder Mißtrauen findet man bei ihm nicht die Spur. — Matheko war stets Gottliebs erhabenes Vorbild, für seine Kunstrichtung glüht er mit der ganzen Gewalt seiner empfindsamen Seele, deßhalb schien es ihm das größte Glück als ihn dieser nach Besichtigung einer seiner Arbeiten nach Krakau berief. Doch das Glück blühte ihm dort nicht. Vor allem quälte ihn in Krakau polnische Intoleranz. Mit Neid und stillem Hohn sahen seine Collegen auf ihn, denn trotz Oppenheim und Bruchmann konnten sich die Herrchen nicht vorstellen, daß ein Jude malerische Fantasie und poetische Auffassung in sich vereinigen könne; es wären hier Dinge zu erzählen, die jedem Biedermann Zorn und Abscheu erregen müßten^ Gottlieb setzte allen Beleidigungen eine ihrer würdige Verachtung entgegen, bis endlich auch die Lehrer in diesen reizenden Akkord christlicher Menschenliebe mit einstimmten; da verließ Gottlieb die Stadt Krakau, wiewohl mit schwerem Herzen, denn er verzichtete zugleich auf die Hoffnung in Mathekos eigenem Atelier zu arbeiten. Vor der Abreise stellte er noch 2 Gemälde aus, welche in der polnischen Zeitung sehr gelobt wurden, wegen der Kraft und Tiefe ihrer Farbe und besonders lebendiger Auffassung. — Von Krakau reiste Gottlieb nach München, trat dort iu der Schule des Professor Alexander Wa-ngner ein und arbeitete daselbst ein Semester lang. Während dieses Semesters erhielt er einen zweiten sehr ehrenvollen Antrag Mathekos, in seinem Atelier zu arbeiten. Einige Freunde Gottliebs zeigten, nämlich dem Meister seine letzten Arbeiten, und sprachen von dem brieflich ausgesprochenen Verlangen unter Mathekos Leitung sich völlig auszubilden; sogleich ließ ihm der Meister folgendes Schreiben senden: „An Herrn Moses Gottlieb! Der Herr Direktor erkennt in allen ihren Arbeiten ein so bedeutendes Talent und solche Liebe zur Kunst, daß er sehr gerne Ihren brieflich ausgesprochenen Wunsch gewähren möchte, Sie unter seine direkte Leitung zu nehmen." Trotzdem entschloß sich Gottlieb an der Münchener Akademie zu bleiben, zumal da er hoffte in die Schule Tylotis ausgenommen zu werden, wo ihm eine vollständig freie Kunstrichtung und freie Wahl seiner Kunstthemata sicher war, während er bei Matheko fürchtete, nur aus der polnischen Geschichte malen zu dürfen. Das wäre aber nach der Ansicht aller, die Gottlieb kennen, eine verfehlte Richtung, denn wohl keiner der kleinern oder o,röß.eren silbischen Maler war so begeistert für die Aufgabe seiner Nation, sein altes Volk und besonders seine Geschichte mit der Kunst zu verherrlichen als Moses Gottlieb, man muß ihn reden hören wie wir, wenn er abendlichen Feierstunden von dem poetischen Reiz der jüdischen Geschichte schwärmte, wenn er seine herrlichen Skizzenblätter herumgehen ließ und dabei so warm so herzlich die Sache seines Volkes und dessen althergebrachten Gebräuche, Gesetze und Sitten

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