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Der Israelit · 1876-04-19 · Heft 16 (19.4.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 16 (19.4.1876)
Date
1876-04-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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351 Judenthum an einen Rabbiner stellt, bestrebt. Niemals vergaß er, am richtigen Platze zu ermahnen und stets war er bemüht ntznnpn umm zu verbreiten. Besonders muß es lobend anerkannt werden, daß es immer sowohl hier als auf seiner ersten Stelle sein Bestreben war, unsere altehrwürdigen Institutionen streng nach der Väter Sitte zu erhalten. Ein Beispiel mag hier nur Erwähnung finden. Als im Jahre 1870 vom Ober- Rabbiner in Colmar ein Schreiben ausging, wonach einige Piutim abgeschafft werden sollten, sprach er sich sofort dagegen aus und seiner Energie ist es zu verdanken, daß bis heute in unserer Gemeinde G. s. D. noch Alles genau erhalten ist. Dabei ist derselbe im persönlichen Umgänge äußerst liebenswürdig und auf ihn ist in Wahrheit der Satz anzuwenden: .'ui nniN Darum wurde er auch allgemein geliebt und verehrt, und sein Wegzug von hier hat unsere ganze Gemeinde auf's Schmerzlichste berührt. Möge Herrn Rabbiner Levi auch in seiner neuen Stelle (er hat dieselbe hauptsächlich gewählt, um näher bei seinem Vater, der Rabbiner in Obernheim ist, zu sein) ein segensreicher Wirkungskreis bereitet fein! Mögen wir mit Gottes Hilfe auch wieder einen recht würdigen Vertreter für unsere Gemeinde bekommen! Feuilleton. Ailder ans dem attk» Prägte Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) Budweiser wurde überrascht. Es mußte also doch etwas Wichtiges sein, das man ihm mittheilen wollte. „O, Gott im Himmel!" jubelte er leise auf, „wenn es doch eine Familiennummer für sein Kind wäre!" ... er sollte bald enttäuscht werden. Aus Reb Eleser Schulhofs Gesicht war die Heiterkeit, welche die vorhergegangene Gerichtsverhandlung h^rvorgerufen, völlig verschwunden, er wurde ernst, fast verdrießlich: „Reb Mosche! Ihr könnt Euch denken," begann er, „daß es uns nicht angenehm ist, einen so braven Balbos*) in solcher Sach' vorrufen zu lassen .... Es handelt sich um den Bierpardon. Das geht ja nit! — daß Jeder falsch angibt — und sich fatirt, wie's ihm gerade einfällt. — Ich will Euch nit beleidigen — aber das ist ja das allergrößte Unrecht! Ihr wißt ja, Steuer muß gezahltwerden — nun, da muß Jeder richtig fatiren! — Ihr seid ja unberufen ein wohlhabender Mann; warum gebt Ihr Euern Bierbedarf nicht richtig an? — Seht!" — er schlug einen dicken Folianten auf, auf dessen Deckel mit Frakturbuchstabe» „Bier - Pardon" stand, — „Ihr habt Euch mit fünfzehn Maß e ganzen Chodesch fatirt!" „Fünfzehn Maaß?!" unterbrach Reb Pinches, selbst ein Held auf dem Felde der Biervertilgung, entsetzt den Redner — „laßt mich rechnen! Das macht e halbe Maaß e Tag?! — Dabei is Schabbos und Jontow auch mitgerechnet! — e halbe Maaß! — Reb Mosche, die nemmt Ihr in <t Back auf einmal!" und dabei warf er Budweiser einen vorwurfsvollen Blick zu, der bestimmt war, ihn bis in das Innerste seines verstockten Herzens zu rühren. „Wenn solche Männer, wie Ihr," fuhr Schulhof fort, „ordentliche, würdige Balobattim. mit der Steuer s o umgehen, — da können wir nicht herauskommen; — das geht nicht! — Nicht nur, daß wir verlangen, daß Ihr Euch ehrlich und rechtschaffen von jetzt an fatirt — sondern — es thut mir recht, recht leid, es zu sagen — aber w.r müssen Euch auch für die falschen Angaben in Strafe nehmen. Es geht wahrhaftig nicht anders. Gerade bei der Biersteuer thut Jeder, was ihm beliebt, und dreht der Gemeinde eine Nase. Beider Vermögenssteuer, ah! da hat man Respect, da kommt der Fiscus und confiscirt bei unrichtiger Angabe das Vermögen — das geht an Hals und Kragen — vor der kaiserl. königl. Steuerdirection hat man Furcht; — aber das Gemeindeamt! da macht sich Niemand ein Gewissen daraus, uns einen Bären aufzubinden . . . Also, Reb Mosche, seid mode2), daß Eure Angabe eine unrichtige war. Es ist ja bekannt, daß Ihr nie eine Unwahrheit sagt." „Das kann ich bestätigen," warf MoscheleS dazwischen, „ich bin sein Nachbar, das ist buchstäblich wahr. Red Mosche Budweiser hat me eine Unwahrheit gesprochen." Dieser hatte eher an alles Andere, als an diesen unerwarteten Angriff gedacht, der — das mußte er sich gestehen — mit großer Meisterschaft gegen ihn geführt worden war: Nun war's mit der verhaßten Judensteuer em eigenes Ding. ES findet sich nur eine einzige Analogie. Es war wie bei dem Diebstahl in Sparta, man hielt ihn für 1) Eemeindemitglied. 2) bekennt, gesteht.

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