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Der Israelit · 1876-04-19 · Heft 16 (19.4.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 16 (19.4.1876)
Date
1876-04-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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350 trieben, 1298 das erstemal wegen der lächerlichen Beschuldigung, geweihte Hostien entwendet zu haben, 1336 entstand die zweite und 1348 die dritte Judenverfolgung, letztere veranlaßt durch die von Schäfern verbreitete Sage, die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Viele wurden unschuldig verfolgt und gemordet. 1385 wurde hier ein reicher Israelit, Abraham aus Mergentheim, verhaftet und mußte, so erzählt die Chronik, für seine Lossprechung 13,000 fl. fdreizehntausend Gulden) zahlen. Auch der große Gelehrte Reb Meier ben Baruch (Moharam)*) konnte wahrscheinlich der Verfolgung nicht entgehen; denn man erzählt, daß er in einem Thurm. der jetzt noch zu sehen und ganz gut erhalten ist, gefangen gewesen sei. Zu meinem Bedauern konnte ich bis jetzt noch nichts Authentisches über diesen -waon Prnn fwa bfinttn rvsnsn erfahren; jedoch hoffe in dem sehr reichhaltigen städtischen Archive manches Berichtenswerthe zu finden, und bin im günstigen Falle gern bereit. Ihnen s. Z. hierüber Mittheilüng zu machen. Viele Grabsteine, mrso, an öffentlichen Gebäuden sowohl als auch an Privathäusern als einfache Mauersteine verwendet, erinnern an die unglückliche Zeit der Glaubensverfolgung. Viele der Inschriften dieser rnZ'Lv sind noch heute ganz gut zu enträthseln; die Besterhaltenen tragen die Jahreszahlen: v"8"p, nwD"p und nub. — also 1385, 1379, 1346, 13^4 und 4275. — Auf dem Platze der früheren Synagoge steht jetzt die Schrannenhalle der freie Platz bei letztgenanntem Gebäude heißt noch heute „Judenkirchhof", und ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich hier das nrapn rua befand, welche Annahme durch das Vorfinden von menschlichen Knochengerüsten bei einer vor mehreren Jahren nothwendig gewordenen *) Amn. der Red : Rabbi Me'ir ben Baruch wurde inr I. 1225 in Worms geboren, studirte daselbst, in Würzburg und in Talaise in Frankreich; im I. 1260 wurde er Rabbiner in Rothenburg a d, Tauber, nach welcher L-tadt er später genannt wurde; später wurde er Rabbiner in Augsburg, Constanz und zuletzt in Mainz, wo auch seine Kinder, sein Sohn Rabbi Ephraim und seine Tochter Riwkah, lebten und in hohem Alter starben, wie es die alten Mainzer Memorialbücher berichten. In Mainz wurde R. Me'ir zum Sbcrrabbiner des deutschen Reichs vom Kaiser Rudolph (von Habsburg) ernannt. Im I. 12ÜÖ mußte R. Me'ir wegen in Mainz drohender Verfolgungert die Stadt verlassen. Er begab sich nach Nürnberg. Als im I. 1283 eine allgemeine Judenverfolgung ausbrach, rieth Rabbi Me'ir seines Glaubensgenossen, nach dem Srient auszuwandcrn. Er selbst entschloß sich, dies zu thun, wurde aber iu Italien von einem getauften Juden erkannt, vcrrathcn, gefairgcn genommen und dem deutschen Kaiser ausgelicfert. Er wurde zuerst in Wasserburg, dann in Ensishcim gefangen gehalten und gestattete nicht, daß man für seine Auslösung die große Summe bezahle, welche der Kaiser verlangte. Er starb in Ensishcim 1293 und wurde 14 Jahre später in Worms begraben. Ausgrabung auf diesem Platze bestätigt wird. Auch das frühere nipo — jetzt ein Brunnen — zeigt man noch. Noch so manches Nennenswerthe aus der dunkeln Vergangenheit wäre anzuführen, ich will jedoch heute darüber hinweggehen und etwas von der schöneren Gegenwart berichten. Vor ca. 7 Monaten hat sich dahier wieder eine jüdische Gemeinde gebildet und ist gegründete Aussicht vorhanden, daß sich diese in Bälde vergrößert. Bei der Bildung derselben waren nur 8 Familien betheiligt, und verdient es jedenfalls Anerkennung, wenn sich diese Wenigen zufammenfanden und schon vor den vergangenen DK-nn Q'O» für die Besetzung ihrer Religionslehrer-, Vorbeter- und SchächVerstelle gesorgt hatten, so daß am ->nj/n n"V'y das neue wohleingerichtete Betlokal bezogen werden konnte. Das in der Ausführung begriffene mpo gibt Z^ugniß, daß die Gemeinde auf dem Standpunkte des conservativen Judenthums steht; denn es bedurfte nur der Anregung und Darlegung der Nothwendigkeit dieser Institution und die Verwirklichung dieses Projektes wurde einstimmig beschlossen. Möge die junge Gemeinde stets solche anerkennenswerthe Beschlüsse fassen, wenn es gilt, den Anforderungen unserer heiligen Religion zu entsprechen. Schließlich soll ein Act wahrer Humanität nicht unerwähnt bleiben. Als vor einigen Wochen ein Todesfall bei den Israeliten vorkam und die Leiche mehrere Stunden weit zum nnapn n»a gefahren werden mußte, stellte die hiesige Stadt bereitwilligst ihren Leichenwagen zur Verfügung. Diese humane Handlungsweise verdient gewiß in diesen weitverbreiteten Blättern Erwähnung; sie zeigt, daß man hier keinen Unterschied der Confessio» kennt. Die jetzige Generation hat sich über die veralteten Vorurtheile hinweggesetzt; die Bevölkerung ist von Toleranz beseelt und zeigt sich wohlwollend gegen Andersgläubige. . Die hiesige Stadt kann jenen Städten, wo die Toleranz noch nicht ganz zum Durchbruch gekommen, als leuchtendes Vorbild aufgestellt werden. Dürmenach. Am 8. März nahm unser ehrwürdiger und allgemein geachteter Rabbiner Herr Levi von uns Abschied, um seine neue Stelle in Sulz-Gebweiler anzutreten. Der edle Charakter und die seltenen Eigenschaften desselben verdienen wohl durch eine kurze Schilderung im „Israelit" in weitesten Kreisen bekannt zu werden. Herr Levi ist einer jener ehrenwerthen Rabbiner, die ihren Beruf von der richtigen Seite erkennen und in würdiger Weise ausfüllen. Mit voller Begeisterung und hingebungsvoller Liebe war derselbe bisher für die Erfüllung der Aufgaben, die das

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