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Der Israelit · 1876-04-19 · Heft 16 (19.4.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 16 (19.4.1876)
Date
1876-04-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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847 ein Verbrechen begeht. Aber ein Menschenauge hat ihn erblickt bei seinem frevelhaftem Beginnen und hat ihn verrathen. „Jetzt harrt der Verbrecher der Bestrafung; ein Zweifel an seiner Schuld kann wohl nicht aufrommen. In dieser Ueberzeugung werden die Herren Geschworenen durch die Zeugenaussagen bestärkt werden. Ich erwarte daher, daß Sie das „Schuldig" aussprechen und damit auch einer hilflosen Wittwe und einem verwaisten Knaben das Vermögen sichern, daß ihnen der Angeklagte hat entziehen wollen und auf daß sie doch in erster Linie Anspruch haben." So schloß der Staatsanwalt seine Rede; die Geschworenen nickten Beifall. Wer die Rede gehört hatte, mußte die Verurtheilung des Angeklagten für gesichert halten. Nachdem die Personalien festgcstellt waren, wurde der Angeklagte aufgefordert, den Hergang zu erzählen. Er that dies mit zitternder Stimme, wie er nach P. gekommen, um seinen reichen Onkel um ein Darlehen von 1000 Gulden zu ersuchen, wie dieser es ihm abgeschlagen und auch sein Vetter nicht in der Lage'war. ihm zu willfahren. Er erzählte dann den Tod seines Vetters; wie er selber , dann nach P. zuriickgekehrt und seinen Oheim im Sterben gefunden. Von nun an wich David von der Wahrheit ab; er behauptete, sein Oheim habe, als er mit ihm allein war, phantasirt, bis der Tod -ihn ereilte. „O. meine Herren," fuhr David zu reden fort, „als mein Oheim tobt und ich mit der Leiche allein war, da packte mich eine unbesiegbare Neugier, den Inhalt des vermuthlich sich vorfindenden Testaments kennen zu lernen. War ein Testamentsexecutor bestellt oder nicht? Hatte ich Aussicht, Vormund des jungen Binjamin und Verwalter des Vermögens zu werden? Waren mir oder meinen Kindern Legate ausgesetzt worden? Das waren Fragen, deren Lösung ich wünschte; ich schämte mich jedoch meiner Neugier und verhängte deßhalb« Fenster und Thüre. Wessen hätte mich man auch anklagen können, wenn nachher das Testament dagewesen wäre? Kein Mensch hätte mich verdächtigen können. Zum Unglücke fand sich keins vor. Jetzt bereute ich, daß ich mich von der Neugier hatte fortreißen lassen; allein, ich tröstete mich mit dem Gedanken, daß mich kein Menschenauge erblickt." Der Vortrag Davids, mit unsicherer Stimme vorgebracht, machte keinen Eindruck auf die Geschworenen; einige schüttelten die Häupter. Die Zeugen wurden vereidigt und vernommen. Zuerst Frau Hirschfeld und ihr Sohn, dann Dr. Roland, ferner der Rabbiner von P. Sie alle! sagten übereinstimmend aus, daß ihnen bekannt geworden, daß Solomon Hirschfeld die Absicht gehabt, ein Testament zu machen. Aehnlich sagten auch mehrere Dienstboten des verstorbenen Salomon aus, denen ihr Herr wiederholt versprochen hatte, für sie in seinem Testamente zu sorgen. Am Gravirendsten war das Zeugniß des alten Friederich. Er schilderte ausführlich, 'wie er David gesehen, der am offenen Schreibtische des Verstorbenen saß und in dessen Papieren, eifrig suchend, wühlte. Es wurden noch viele Zeugen, Notariatsschreiber und andere Bedienstete des verstorbenen Notars Lambert vernommen, die aber nichts von Bedeutung auszusagen wußten. Die lange Reihe der Belastungszeugen war endlich erschöpft. Nur ein Entlastungszeuge war erschienen: der alte Rabbiner von W.; kein Mensch wußte, was der auszusazen habe. Nachdem die Personalien festgestellt waren, forderte der Präsident den Zeugen auf, zu sagen, was er von der Sache wisse. Eine tiefe Stille herrschte im Saal; selbst der Präsident, die Richter und der Staatsanwalt blickten mit Spannung auf die ehrwürdige Gestalt des alten Rabbinen, dessen schneeweißer Bart lang yerniederwallte. „Meine Herren Geschworenen," Hub er an zu reden, „ich habe mich freiwillig erboten, hier als Zeuge zu erscheinen, um Sie zu verhindern, einen Unschuldigen zu verurtheilcn. Damit Sie mich aber verstehen, muß ich mir die Erlaubiß erbitten, ein wenig weit auszuholen." Er blickte den Präsidenten fragend an.!Dieser sagte: „Reden Sie ungenirt, Herr Rabbiner!" „Vor circa vierzig Jahren," fuhr dieser zu reden fort, „war ich Rabbiner in P. Damals kam der verstorbene Salomon Hirschfeld in die eigenthümliche Lage, eine Frau heirathen zu sollen, mit der er nach der damaligen Gesetzgebung den Civilact nicht vornehmen konnte. Salomon forderte mich auf, die religiöse Trauung dennoch vorzunehmen; er wolle die etwaigen Folgen auf sich nehmen. Ich weigerte mich dessen; denn wir haben ein religiöses Gesetz, das uns gebietet, die Staatsgesetze zu achten und denselben zu gehorchen. Sie wissen, daß Salomon sich von anderer Seite trauen ließ, und ich hatte es nicht vergessen, daß sein Sohn Philipp vor dem Gesetze als unehelich galt. Da erhalte ich vor wenigen Wochen die Nachricht von dem langerwarteten Tode des Vaters und dem plötzlichen Tode des Sohnes > An demselben Tage tritt ein Mann bei mir ein, den ich an der Aehn-

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