Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1876)
- Date
- 1876-04-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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346 geben sollte. Endlich betrifft ja die ganze Geschichte nur Juden, die Träger einer im Magyaren-Lande noch immer „nicht rezipirten" Religion! Auf Anregung unseres Herrn Oberrabbiners wandte sich die Mutter mit einem Gesuche an die jüd.-orthod. Durchführungscommission in Pesth, damit dieselbe kraft ihrer Stellung als Repräsentanz der Judenheit des Landes gegen ein Attentat, das unleugbar die gesammte Judenheit dieses Staates empfindlich tang'irt, mit möglichstem Nachdrucke auftreten möge. Wie wir vernehmen, und seitens der erwähnten Körperschaft die geeigneten Schritte unverzüglich eingeleitet worden. Charakteristisch ist es, daß der Rabbiner der neologen Fractivn zu Freistadtl gegen diesen Gewaltact eines Dorf-Pfarrers auch den leisesten Protest nicht erhob! —h— Frankreich. Paris. Bei einer von den zwei Pariser Nachwahlen wurde Herr Camille See als Deputirter gewählt. Mit diesem sitzen nun vier Israeliten in der Deputirtenkammer und ein Israelit (Cremieux) im Senate. P a l ä st i n a. .Jerusalem, 30. Mürz. Es ist eine höchst schmerzliche, betrübende Kunde, die ich Ihnen mitzutheilen habe, Rabbi Abraham Zwebner r-p1 i'V'r, ehemals Rabbiner zu Kobersdorf in llngarn, ist am vergangenen Sabbat im Alter von 75 Jahren zur ewigen Ruhe cingegangen. Als die Nachricht sich am Sabbat Vormittag verbreitete, daß der große, allverehrte Mann gefährlich erkrankt sei, wurden in allen Synagogen der heiligen Stadt und an der Westmauer des heiligen Tempel rr.o Gebete veranstaltet. Der allgütige Gott aber hatte beschlossen, den Frommen in Seine Höhen zu berufen. Im Beisein vieler Talmide Chachamim hauchte der Edle seinen Geist aus. Das Bcgräbniß fand unter allseitiger Betheilignng statt, und die ergreifenden Reden unserer großen Rabbinen nz’n D-E5T gaben der Größe des Verlustes den gebührenden Ausdruck, ri* '■•‘v dtij; "OP, der Fromme wird unvergessen bleiben. n“2“±“j'r. I. M. Kraus, Secretür des Kolel Ungarn-Oest.- Böhmen - Mähren in der heiligen Stadt Jerusalem. A m e r i k a. New-Nörk. In Folge der vom Correspondenten des „Hebrcw" gemachten Entdeckung von einer Missionsschule hat das Comite der „hebr. Freifchule-Gesellschaft" weitereForschungen gemacht, und stellte es sich heraus, daß im Ganzen vier Missionsschulen in hiesiger Stadt existiren, wovon eine nahe an 100, eine andere 59 jüd. Kinder unterrichtet. Vor 12 Jahren bildete sich eine „hebr. Freischule - Gesellschaft," die arme jüdische Kinder in fünf Schulen in jüdischer Religion unterrichtet; allein die ilKittcC dieser Gesellschaft sind so beschränkt, daß die hebr. Freischulen viele arme Kinder zurückweisen mußten. Die Folge davon war, daß die Eltern ihre Kinder in Missionsschulen schickten, wo sie nicht nur im Hebräischen unterrichtet, sondern auch gekleidet und manchmal auch ganz unterhalten wurden. Selbstverständlich werden die Kinder auch mit der christl. Religion (der Hauptzweck dieser Schulen) bekannt gemacht Das Comito der hebr. „Freischulen - Gesellschaft" sowie die Prediger der jüd. Gemeinden aller Parteirichtungen haben ein diesbezügliches Circular veröffentlicht. in welchem die Nothwendigkeit, neue jüd. Schulen zu eröffnen und, um dies zu ermöglichen, ein kräftigere Unterstützung der „Freischulen-Gesellschaft" verlangt wird. Feuilleton* injamin. ym. Der Tag der Gerichtsverhandlung war angebrochen. Schaaren von Menschen belagerten schon früh den Justizpalast. Als endlich die Thüren geöffnet wurden, da gab es ein solches Drängen und Stoßen, daß die bewaffnete Macht die größte Mühe hatte, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Punkt neun Uhr erschien der Gerichtshof. Der Siaatsanwalt nahm seinen Platz ein, der Gefangene wurde hereingeführt. Wie sah er aus, der Unglückliche! Die wenigen Wochen schienen ihn um viele Jahre älter gemacht zu haben; seine Gestalt war gebeugt, sein Haar ergraut. Die Geschworenen wurden ausgeloost, dann wurde die Sitzung eröffnet. Der Staatsanwalt begründete die Anklage; mit scharfer Dialectik spitzte er alle Umstände zusammen, schilderte er den Seelenzustand des Angeklagten, der, berauscht von der Aussicht auf ein fürstliches Vermögen, seine bisherigen guten Grundsätze vergißt oder in den Hintergrund drängt und