Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1876)
- Date
- 1876-03-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Erste Äeilage M Nr. 18 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Aericht. , israelitisches Gebetbuch mit wörtlicher Übersetzung. Dritte verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. —v. Dieses Gebetbuch mit Interlinearübersetzung in hebr. deutschen Lettern verdient der öffentlichen Besprechung. Herr I M Japhet hat die Revision desselben übernommen, hat aber, wir möchten sagen, eine ganz selbstständige und die gelungenste Übersetzung geliefert, die wir ans diesem Gebiete haben. Wie außerordentlich schwierig, ja fast unmöglich eine solche wortgetreue Uebersetzung ist, das weiß jeder Sachverständige zu beurtheilen; Herr Japhet hat in meisterhafter Weise dieses schwere Problem gelöst und er hat damit der Schule einen außerorden lichcn Dienst geleistet. Wir können daher diese nVsn besonders den jüdischen Anstalten angelegentlichst empfehlen. °?jn. Erstes hebr. Lesebüchlein für israel. Schulen von M. G. Dreifus, Religionsleh rer in Zürich. 4. Aufl. Verlag vonI. Kauffmann in Frankfurt a. M. Wir müssen gestehen, als erstes Lesebüchlein bietet dasselbe zu viel und zu wenig. Es bietet zu viel, da es außer den Lesezeichen Schwa, Dagesch, Metheg noch Einiges vom Fürwort, Haupt- und Zeitwvrte bringt, was in Anbetracht der untersten Classen, für die dieses Buch doch eigentlich bestimmt sein soll, jedenfalls zu viel ist; zuwenig aber bietet es an eigentlichen Lesestücken, und wir glauben, daß dazu wichtige Smcke aus der rrcen am geeignetsten wären. Vor Allem richtig und geläufig beten zu lernen, muß in den unteren Classen Hauptziel sein; hiezu genügen aber die Lesezeichen. Für höhere Classen, die schon als Hauptgegenstand Gebeteüber,etzen haben, ist dieses Büchelchen gar nicht berechnet, daher der grammatische Theil über Fürwort, Haupt- und Zeitwort, ohnehin in ungenügender Form, überflüssig. Wir vermissen selbst im eigentlichen Theil manches, worauf wir Herrn Dreifus aufmerksam machen wollen. Daß Kamez und Kamez chatuf nicht als zwei verschiedene Vocale behandelt werden, können wir nicht billigen. Schwa mobile wird den Kindern nicht klar genug durch Beispiele gezeigt. So fehlen mehrsilbige Wörter mit Schwa mobile in der Mitte des Wortes. Bei Pathach furtivum fehlt im n das Mappik. Metheg ist unvollständig. Der Artikel ist gar nicht behandelt. Schließlich ist dem Büchelchen ein Anhang zum jüdisch - deutsch Lesen beigefügt, wobei nicht erwähnt wird, daß z. B. lue Vocale i, u, au, ei am Anfänge des Wortes mit vorangehendem a geschrieben werden, so daß z. B. das erste Wort des ersten Lesestückes auf diese Anweisung hin nicht gelesen werden kann. Man muß freilich bedenken, daß der Lehrer diese Mängel ersetzen soll, aber das Buch selbst muß dem Kinde ein Hilfsmittel sein, aus dem es sich Raths erholen kann. Wir glauben, daß dieses Lesebuch einer sorgfältigen Ueberarbeitung bedarf. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im März. Im großen Berliner Handwerkerverein scheint nach den Berichten einiger Blätter die moderne Judenhetze kürzlich ein schwaches Echo gefunden zu haben. In einer der letzten Sitzungen ist von einem Mitgliede des Vereins der Antrag eingebrachi worden, die Juden von der Aufnahme in denselben auszuschließen und die in dem Verein befindlichen Juden zum Austritt zu zwingen. Begründet war dieser Antrag dadurch, daß die Juden „durch ihr unpassendes und unfeines Benehmen Störungen an den Vereins- Abenden verursachten". — Rach Verlesung dieses Antrages erhob sich der Abg. Franz D unter und entwickelte in einer längeren Rede die Vorzüge der Berliner Juden im Allgemeinen und die Verdienste derselben um den Handwerkervelein im Besondern. Viele auf dem Gebiete der Wissenschaften sehr hervorragende jüd. Männer hätten für den Handwerkerverein schon viel ach segensreich gewirkt, und Berthold Auerbach, vr. Laster u. A. hätten schon oftmals die Mitglieder durch ihr Wort gefesselt. „Ich glaube nicht," so schloß Hecr Dunker, „daß der Vorstand jemals eine solche Fo.dernng eingehen würde, wenn dies aber einmal geschehen sollte, so versichere ich, daß die Annahme eines solchen Antrages meinen sofortigen Austritt aus