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Der Israelit · 1876-03-22 · Heft 12 (22.3.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 12 (22.3.1876)
Date
1876-03-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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266 Australien. Melbourne. Der Sydney - Korrespondent des „Melb. Argus" schreibt unter dem 16. Dec. 1875: Wahrend dieser Woche haben die Juden in Sydney den größten Bazar eröffnet, den wir gehabtHhaben. Er stellt alle früheren in den Schatten, und mag vielleicht die Wirkung haben, künftige Nachahmungen geringerer Qualität zu entmuthigen, was auch nicht zu bereuen wäre. Die Juden in S. bauen eine neue, wunderschöne Synagoge, und da dieselbe viel Geld (25,000 L.) kostet, so haben die betheiligt n Damen beschlossen, einen Bazar zu eröffnen. Während der letzten 12 Monate ist dieser Plan bearbe tet worden und von Paris, London, Berlin, von Amerika sind die ausgewähltesten Artikel importirt worden. Die Verwaltung hofft nicht weniger als 4000 L. zu lösen und 1000 L. wurden gleich am ersten Tage eingenommen. Von dem Gouvernement erhielten sie die Erlaubniß, einen temporären Pavillon auf dem freien Grundstücke neben dem Postgebäude zu errichten. Die Gewährung dieses Rechtes bat einen amüsanten Zug von B'rgoUerre «fördert. Einige überfromme Christen sandten auf eigene Hand Herrn Robertson, dem Premierminister, eine Deputation, durch welche sie dagegen remonstrirten, daß das Gouvernement so nahe zu Weihnachten den Juden behilflich sei, einen Bazar zu halten, und ihre Frömmigkeit mit Selbst-Interesse verbindend, legten sie dar, daß es den christl. Geschäftsleuten gegenüber nicht recht wäre, daß die Juden den Vorsprung gewännen und den Markt mit Weihnachtsgeschenken überfüllen, was doch gewiß den orthodoxen christl. Händlern Schaden thun müsse. Herr Robertson hörte die Deputation mit seiner gewöhnlichen Ruhe an, und mit seiner noch gewöhnlicheren Offenheit machte er ihnen die Elendigkeit ihrer Bigotterie so klar, daß sie ihn baten, seinen Einfluß bei den Vertretern der Presse dahin auszubieten, keinen Bericht über diese Deputation erscheinen zu lassen. Diese Bitte wurde, vielleicht mit Recht, gewährt und eS wurde den Vertretern dieses eigembümlicken Vorgehens gestattet, sich in die erbetene Vergessenheit zurückzuziehen. Feuilleton. Ainjamin. IV. War das ein Jammer in dem Landhause Philipp HirschseldS, als die Leiche des ehemaligen Besitzers gebracht wurde. Sowohl Caroline als Binjamin warfen sich über dieselbe mit herzzerreißendem Schluchzen und Stöhnen. Da kam ein Bote von P. „Der alte Herr," sagte er. „liegt im Sterben. Der sunge Herr soll eilig kommen." Ach, der junge Herr konnte nicht mehr zudem sterbenden Vater eilen. „Bleibe Du hier," sagte David zu seinem Sohne, „ich werde nach P. gehen." David Hirschseld wanderte stumm neben dem Boten her. Der eben erlebte Vorgang hatte ihn erschüttert; auch schmerzte ihn sein Kopf noch von dem Falle gegen den Baumstamm. Es war ein herrlicher Augusttag; kein Wölkchen zeigte sich am Horizont, und doch wehte hier auf der Höhe ein kühlender Wind. In der freien Natur erholte sich David bald, und tausend Gedanken durchzogen seinen Kopf. Welch einen Umschwung batte Philipps plötzlicher Tod in die Verhältnisse gebracht! Binjamin war minderjährig; wenn nun der alte Hirschseld sterben würde, so mußte dem Knaben ein Vormund, jedenfalls doch te* Wittwe ein Beivormund gesetzt werden. Caroline verstand nichts von Geschäften; ft* einer Stütze bei der Verwaltung eines so großen Vermögens. Und wer war da näher als David Hirschseld, der einzige Verwandte des Verstorbenen? Ja, wenn auch Binjamin sterben würde, so war David der einzige Erbe. Wenn Binjamin sterben würde! Eine Million und achtmalhunderttausend Gulden! Er, David Hirschseld, der Kleinhändler, im Besitze eines solchen Vermögens! „Thorheit," sagte er unwillig vor sich hin, „der Junge wird mir nicht den Gefallen thun und jetzt gleich sterben. Freilich, das Gescheidtste wäre es, was er thun könnte. Besser er stürbe jetzt als daß er ein Taugenichts, ein Verschwender würde, wozu er die besten Anlagen hat. Ist er doch schon ein halber Rozeach*), wie er den Knecht tractirt hat! Doch das sind Thorheiten; er wird sobald nicht sterben, und ich werde ihn nicht todtschlagen. Wie das aber wohl mit dem Testament sich verhalten mag? Der Alte kann doch seinem Sohne gegenüber nicht Bedingungen machen, deren Nichtbeachtung ihm das ganze Vermögen entziehen würde? Und wenn — zu einem solchen Testamente gehört ein Testamentsexecutor! Wen er dazu bestimmt haben mag? Mich gewiß nicht. Der Alte konnte mich nie recht leiden, hat mir noch gestern das erbetene Darlehen abgeschlagen. „„Sieh',"" sagteer, „„Deinen Jungen, den Theodor, und Deine Tochter *) Mörder.

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