Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1876)
- Date
- 1876-03-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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265 Wir fühlen es Alle schmerzlich, daß uns mit dem alten biedern Mann unsere schönste Zierde entrissen wurde. Die Beteiligung an dem Leichenbegängnisse war denn auch eine dem entsprechend große, wie sie hier seit lange nicht gesehen worden In der Grabrede schilderte unser Rabbiner vr. Ehrenfeld, der selbst tief ergriffen war, mit warm empfundenen und ergreifenden Worten die Tragweite des erlittenen Verlustes und forderte am Schluffe die Gemeindemitglieder auf, pw *noj6, daß sie, Jeder besonders und Alle mit vereinten Kräften streben, die entstehende Lücke nach Möglichkeit auszufüllen. Möge dies gelingen, und möge der Allgütige auch der trauernden Wittwe baldigsten Trost senden. Das Andenken des Dahingeschiedenen bleibt unverwischbar in unsere Herzen geschrieben. Paderborn, 4. März. Heute fand die Feier des 20jährigen Bestehens des israelitischen Waisenhauses für Westfalen und Rheinland in Anwesenheit Sr. Excellenz des Herrn v. Kühlwetter, Oberpräsident von Westfalen zu Münster, eines hohen, edlen Gönners der Anstalt, des Herrn Regierungspräsidenten von Einhorn zu Minden, des Herrn Landrath Jentzsch in Paderborn und der übrigen höchsten hiesigen Beamten in erhebendster Weise statt. Auf die würdige Begrüßung des Herrn Oberpräsidenten durch die greise Vorsteherin und die Waisenkinder, folgte eine gottesdienstliche Feier, bei der Herr vr. Horowitz aus Crefeld die Festrede hielt, die durch meisterhafte Form und gediegenen Inhalt dem Feste die echte Weihe gab. Bei dem sich daran schließenden Mahle in den festlich geschmückten Waisenhaus-Räumen, welches in der heitersten Stimmung verlief, reihte sich an den von dem Herrn Oberpräsidenten Sr. Majestät den Kaiser ausgebrachten Toast, eine stattliche Zahl von Tischreden, unter denen namentlich folgende hervorzuheben. Als Antwort auf den vom Herrn Landrath ausgebrachten Toast, dem gütigen Festordner, dessen liebenswürdiges, allseitiges Entgegenkommen nicht genug anzuerkennen, ließ Se. Excellenz, der H rr Oberpräsident, die Vorsteh nin hoch leben, ind«m er mit begeisterten Worten ihre nach jeder Seite aufopfernde Wirksamkeit für ihre musterhafte Anstalt und alle edlen Zwecke pries. Nachdem nun fast alle Anwesenden ihren Theil an den Toasten erhalten, weihte Herr vr. Horowitz ein stilles Glas dem Andenken der verstorbenen Wohlthäter, deren Namen in dem Festsaale zur ewigen Erinnerung verzeichnet. Er führte aus, daß dieses Fest ihm unvergeßlich bleiben und ein kräftiger Sporn sein würde zu noch größerer Förderung dieser Anstalt, gleichzeitig seine Mitarbeiter in der ganzen Provinz auffordernd, sich diesem Streben anzuschließen. Ein Festgruß an Ihre Kaiserlichen Majestäten in Berlin, war schon des Morgens abgesandt worden. Schweiz. Bern, 13. März. Die definitive Einbürgerung der aargauischen Israeliten, betreff derer der „Kulturverein der Israeliten in der Schweiz" vor mehreren Jahren schon dem h. schweizerifchen Bundesrath ein Memorandum eingereicht hat, durch welches er nachwies, daß die bisherige Ertheilung des Kantonsbürgerrechtes noch keine vollständige Gleichstellung enthalte, daß das Ortsbürgerrecht noch fehle, ist nach dem Bericht des Bundesrathes am 10. März d. I. im hiesigen Ständerath endlich zur Behandlung gelangt. Real « Dufernex befürwortete Namens der Commission folgenden Antrag: In Anbetracht: 1) daß das Gesuch um Einbürgerung in den Ortsgemeinde-Verband und um volle bürgerliche Gleichstellung mit den andern Kantons- und Schweizerbürgern Angesichts des Art. 60 der Bundesvrrfassung, der Bestimmungen des Bundesgcsetzes, beireffend die Heimatlosigkeit. und der Art. 11 und 79 der aargauischen Kantonsverfaffung begründet erscheint; 2) daß Bestimmungen der kantonalen Verfassungen und Gesetze, welche mit der Bundesverfassung in Widerspruch stehen, von selbst dahinfallen und die Aufhebung solcher Verhältnisse nicht erst von dem Ergebnisse einer kantonalen Verfassung- oder Gesetzrevision abhängig gemacht werden kann, beschließt die Bundes- Versämmlung: Es sei der Bundesrath eingeladen, bei der Regierung des Kantons Aargan auf endliche Erledigung der Angelegenheit der Israeliten betreffend die Einbürgerung und die volle bürgerliche Gleichstellung derselben mit den Kantons¬ und Schweizerbürgern zu dringen und derselben hierfür einen angemessenen Termin zu setzen. Landmann Keller, welcher die Regierung des Kantons Aargau kräftig in Schutz nahm, beantragt, den Schlußsatz: „und derselben hierfür einen angemessenen Termin zu setzen," zu streichen. Dufernex schlug vor, es sei die Gleichstellung nicht nur auf die Kantons - und Schweizerbürger, sondern auch auf die Gemeindebürger auszudehnen. Der Antrag Dufernex wurde mit 16 gegen 15, der Antrag Keller mit 16 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Der Commissionsamrag war somit unverändert angenommen.