Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1876)
- Date
- 1876-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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264 In Bezug auf diesen Fond erließ Gr. Oberrach am 29. Januar d. I. ein Generale an alle Gemeinden des Landes, wovon hier der wesentliche Inhalt: Mit Genehmigung Gr. Ministeriums des Innern v. 20. d. M. werden für die in der diesseitigen Verordnung v. 14. Dez. 1865 vorkommenden Geldansätze nach der neuen Reichswährung folgende Beträge festgesetzt: Der Beitrag aus der Centralkasse beträgt 260 Mark jährlich* *). Die „Aufnahmstaxe" ist auf 15 Prozent des jeweiligen jährlichen Gehaltes fixirt, und ist freie Wohnung gewährt, so ist der Wohnungswerth für eine Familie mit 60 Mark, der Wohnungswerth für einen Ledigen mit 30 Mk. in Anschlag zu bringen. Als „Jahresbeitrag" ist 2y2 Prozent deS durchschnittlichen Einkommens zu zahlen*). Der Wittwengehalt ist jährlich auf 130 Mk., der Erziehungsbeitrag auf26Mk. festgesetzt worden. In Folge der Bemühung des sel. Altmann erhalten dürftige Gemeinden aus der Centralkasse namhafte jährl. Unterstützung für den Gehalt des Lehrers, und ältere bad. Religionslehrer eine jährliche Renumeration bis auf 20 fl.; so wie auch isr. Seminaristen ein beträchtliches Stipendium zu deren religionswissenschaftlicher Ausbildung. So wurde in Baden schon früher und dann durch Oberrath Altmann y'sr das Möglichste aufgeboten, um einen gediegenen, charakterfesten und religiösen Lehrer- und Vorsängerstand heranzubilden. Selbst das Ausland berief an renomirte Schulstellen badische Lehrkräfte, woran Baden keinen Mangel hatte. Die Religionsschul- und Vorsängerstellen wurden durch den Gr. Oberrath ausgekündigt und durch denselben besetzt, und so wurde die Stellung gesichert und einem unheilvollen willkürlichen Kündigen nach beiden Leiten vorgebeugt. Als durch die Gesetzgebung v. 1860 und deren Consequenzen auch der Oberrath in seiner Autorität geschwächt wurde, bot der selige Oberrath Altmann in einer Vornellung an das Ministerium Alles auf. um die Religionssckusstellen nach bisheriger W ise besetzen und sch tzen zu können, die Unzuverlässigkeit vieler Gemen,den schildernd und die unvermeidliche Abnahme von guten Lehrkräften, hervorgerufen durch die unsichere Stellung, voraus verkündend. *) Die Nentralkasse ist durch die jährl. obligatorische Umlage auf den isr. Gemeindcvcrbcmd Badens fundirt. *) Für obige Beiträge;mn Wittwen- und Waisenfond haften die Gemeinden bei Auszahlung des Gehaltes und haben sowohl vcrheirathete, als auch ledige Religionslehrer oder Borsäng.'r solche in Abzug bringen zu lassen. Die Dinge sind nun in kurzer Frist so eingetreten. wie sie ein Artikel in Nr. 10 dieses Blattes aus dem „Kreise Heidelberg" angedeutet hat. Hoffen wir, daß die Zukunft in unserm Großherzoathume sich so gestalte, daß wieder viele unserer begabten Jüngline mit Liebe, und Eifer dem heiligen Berufe als Lehrer und Vorsänger sich weihen werden! □'otiQtfi' uux dp spw.-iv ’o dp. Brandenburg a. d. H., 10. Adar. Gestern wurde hier unter großer Trauer der ganzen Gemeinde ein hochgeachteter Greis von zweiundsiebzig Jahren zu Grabe getragen, der es, wie selten Einer, verdient, daß ihm in diesen weitverbreiteten Blättern ein rühmender Nachruf gewidmet ^verde. d"Ll jp'n i7"d-r 'nn — dies sein Name — Schwager des noch in frischem Andenken stehenden großen Talmudisten Rabbi Michael Landsberger d"pr, war das Muster eines von Gottesfurcht und Menschenliebe ganz und tief durchdrungenen Jehudi. Seine Frömmigkeit war so innig und warm, trug so deutlich das Gepräge glaubenstiefer Begeisterung, daß sie Jedem, auch den Freidenkenden, ehrfurchtsvolle Pietät und Verehrung einflößte. Sein eifriges Pflichtgefühl glaubte in der Treue gegen das Religionsgesetz nie genug zu Ihun, und opferfreudig legte er sich alle nur je gehörten, weitgehendsten Erschwerungen auf. Insbesondere mußte man ihn im (Fotteshause, das er, solange seine Kräfte eS irgend zuließen, regelmäßig des Morgens und Abends zu besuchen nie versäumte, beobachten, wie er selbstverloren in Andacht versunken, das Antlitz von heiligster Seelenerhebung verklärt, beim Gebete dastand. Sein Charakter im Umgang und Verkehr war lauter und rein wie Gold, seine Redlichkeit und fast peinliche Gewissenhaftigkeit allbekannt und mustergiltig, seine Wohlthätigkeit weit über seine Verhältnisse hinausgehend, und überhaupt sein ganzes Wesen der Spiegel eines überaus edlen Herzens. Nie sprach er ein verletzendes oder kränkendes Wort gegen Jemand aus, nie kam eine tadelnde Aeußerung gegen einen Abwesenden über seine Lippen, nie ließ er, mochte noch so viel Grund dazu da sein, sich zu einer zornigen Erregung hinreißen, immer und in allen Lagen bewahrte er sich die milde Güte, den sanften Gleichmuth, begegnete Jedermann aufrichtig, freundlich, herzlich und zuorkommend, war auch den Geringsten gegenüber demüthig und bescheiden. Was Wunder, daß dieser wackere Mann mit beispielloser Allgemeinheit von seinen Bekannten geliebt und verehrt wurde, daß er nie Gegner und Feinde, nur lauter gute Freunde hatte, und daß sein Ableben hier bei sämmtlichen Bewohnern der Stadt und Umgegend eine namenlose Wehmuth hervorrief?