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Der Israelit · 1876-03-22 · Heft 12 (22.3.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 12 (22.3.1876)
Date
1876-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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263 zudrucken, fügten Sie eine Nachschrift bei, in welcher Sie mich der „Leichtfertigkeit" und „des Haffes gegen unsere — wie Sie vorgeben — heiligen Religionsq.ellen" zu zeihen belieben, weil ich „das gerade Gegentheil von dem, was wahr ist, aus den Quellen herausgelesen hätte. Diese Anklage gründen Sie auf die Thatsache, daß ich zum Beweise meiner Behauptung, daß R. Jos. Karo die Christen als Götzendiener erkläre, auf eine Stelle hingewiesen hätte, in welcher von Christen gar nicht die Rede fei. Sie führen diese Stelle wörtlich an, und von Christen ist darin wirklich keine Rede. Diese Stelle ist aber, da an eine Fälschung bei Ihnen nicht gedacht werden kann, offenbar einer incorrecten Ausgabe des Maimonidischen Werkes entnommen. In den correcten Amsterdamer Ausgaben lautet die Stelle wie folgt: ir«» *3 pi -in-oi rvnwa p" jijd o"oy nzrj/ D;/oy H3iy onsun D’jixin *?3 mn pi n^jna rr^m t.dx oj” ohdi an , d. h. ohne alle Deutelei in wörtlicher Uebersetzung: „So ist der Wein eines jeden Nichtjuden, der kein Götzendiener ist, wie Diese Jsmaeliten (d. h. Mohamedaner), zu trinken verboten, aber zu jeder sonstigen Benützung gestattet, so lehrten auch alle Gaonim. Aber die Nazarener (d. h. Christen) sind Götzendiener, und jeder Wein derselben ist zu ^eder Benützung verboten." Und hierzu bemerkt Joseph Karo in seinem Commentare: «in öipb, d. h. das ist s e l b st v e r st ä n d l i ch. Mit der Abweisung Ihres unrichtigen Citats sind auch alle von Ihnen eingeleiteten Folgerungen, namentlich auch die Folgerung in Betreff meines Citats aus dem Schulchan Aruch 1.113, 8, als grundlos und hinfällig abgewiesen. Wiesbaden, den 17. März. Süskind, Rabbiner." Wir können im Vorstehenden eine thatfächliche Berichtigung nicht erkennen. Es stehen uns drei Ausgaben des Maimonidischen Werkes zu Gebote: eine alte Fürther aus dem Jahre 5525 (1765) und zwei neue, eine Wiener aus dem Jahre 5597 (1887) und eine Berliner aus den Jahren 5626—5628 (1866—1868), und in allen diesen Ausgaben steht wörtlich so, wie wir in voriger Nummer citirt haben, und ist von Christen nicht die Rede. Herr Rabbiner Süßkind ist so — liebenswürdig, an eine Fälschung unsrerseits nicht denken zu wollen. Was aber sollen wir von ihm denken? Sein Brief, vom 17. datirt, ist erst am 111. und zwar in Frankfurt a. M. zur Post gegeben. In dieser Stadt hätte er doch Gelegenheit gehabt, andere Ausgaben des Maimonidischen Werkes zu vergleichen! Was nun die größere Correctheit der Amsterdamer Lesart betrifft, so müssen wir diese in diesem Falle auf das Ernstlichste bestreiten. Die jüngste uns vorliegende Berliner Ausgabe — der dritte Theil, in welchem die beregte Stelle sich befindet, ist im Jahre 1868 gedruckt — zeichnet sich durch ganze, vorzügliche Correctheit aus; derrübmlichst bekannte Talmud - Gelehrte, Herr Nachmann Goldberg in Berlin, hat mit rühmenswerther Sorgfalt die Correctur des Druckes vorgenommen, und hat, wie er auf dem Trtelblatte bemerkt, die alten Drucke von Amsterdam, Jesnitz und Dyrenfurth verglichen und die richtigen Stellen aus denselben in seine Ausgabe ausgenommen. Es unterliegt also wohl kaum einem Zweifel, daß die Stelle, wie sie von uns citirt worden, die richtige ist. - Nun aber ist die Frage, wie wohl die beregte Stelle in der von Herrn fc. angeführten Gestalt in die Amsterdamer Ausgabe gekommen sein mag. Es liegt uns da eine Vermuthung nahe. Nach Amsterdam übersiedelten die Marannen aus Spanien, die Jahrhunderte lang gezwungen waren, als Scheinchristen zu leben und die ganz entsetzlich durch die Gräuel der spanischen Inquisition gelitten hatten; da mag wohl ein Setzer, dem vielleicht seine Liebsten durch den Feuertod entrissen waren, der vielleicht selbst Jahre lang im gräßlichen Jnquisitionskerker geschmachtet' hatte, auf eigene Faust, nach geschehener Correctur, unmittelbar vor dem Drucke die beregte Stelle so gestaltet haben, wie Herr Süßkind behauptet, daß' sie in der Amsterdamer Ausgabe stehe. Gott sei Dank, die Zeilen der spanischen Inquisition werden trotz aller denunciatorischen Bemühungen nicht wiederkehren. Herrn Süßkind aber rathen wir, die betreffende Stelle in der von ihm angeführten Ausgabe des Maimonides auszustreichen und sie nach der großen Mehrzahl der Ausgaben des Maimonidischen Werkes zu corrigiren. Wird Herr Sstßkind sich jetzt zufrieden geben? Wir unsererseits möchten nicht gern den Ausspruch des Propheten auf ihn anwenden: ”C»s biv eppn '3 Bnjj L>'3 oyttnm ö’di tc'En. — (Jesaias C. 57, V. 20.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Baden. Eine nicht zu unterschätzende große Wohlthal ist der „Wittwen und Weisensond" für „Religionslehrer und Vorsänger Badens," welchen s. Z. Großherzogl. Oberrath Ältmann ins Leben rief und auch demselben staatliche Genehmigung erwarb.

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